ClariMedClariMed

Haemophilus influenzae (invasiv): RKI-Ratgeber

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Unbekapselte Stämme (NTHi) sind in Deutschland mittlerweile die häufigste Ursache invasiver H. influenzae-Infektionen.
  • Mittel der Wahl zur kalkulierten Therapie sind Cephalosporine der 3. Generation (z. B. Cefotaxim, Ceftriaxon).
  • Eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) mit Rifampicin ist nur bei Hib-Infektionen und spezifischen Risikokonstellationen indiziert.
  • Patienten gelten 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiose als nicht mehr infektiös und müssen bis dahin isoliert werden.
  • Jedes Isolat aus Blut oder Liquor muss zur Typisierung an das Nationale Referenzzentrum (NRZ) gesendet werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Haemophilus influenzae (Hi) ist ein gramnegatives Stäbchenbakterium, das ausschließlich beim Menschen vorkommt. Man unterscheidet bekapselte (Typen a-f) und unbekapselte Stämme (NTHi).

Durch die breite Einführung der Hib-Impfung hat sich die Epidemiologie gewandelt: Unbekapselte Stämme (NTHi) sind in Europa mittlerweile die häufigste Ursache invasiver Hi-Infektionen. Ältere Menschen sowie Säuglinge und Kleinkinder unter 5 Jahren sind am häufigsten betroffen.

Klinische Symptomatik

Invasive Hi-Erkrankungen manifestieren sich meist als Sepsis, Meningitis oder Pneumonie.

  • Meningitis: Oft fulminanter Beginn. Letalität ca. 5 %. Hohes Risiko für Folgeschäden (bis zu 25 % entwickeln dauerhaften Hörverlust oder neurologische Defizite).
  • Epiglottitis: Rasante Entwicklung innerhalb weniger Stunden mit Stridor, Zyanose und Schocksymptomatik.
  • Schwangerschaftskomplikationen: Schwangere haben ein deutlich erhöhtes Risiko für invasive NTHi-Infektionen (Gefahr von Sepsis, Frühgeburt oder Abort).

Diagnostik

Proben (Liquor, Blut) müssen vor Beginn der Antibiose entnommen werden. Da Hi anspruchsvoll wächst, sollte die Kultur idealerweise innerhalb von 2-4 Stunden angelegt werden.

MethodeStellenwert / Bemerkung
KulturGoldstandard. Isolate aus Blut/Liquor zwingend ans NRZ zur Typisierung senden.
PCRSichert die Diagnose bei zweifelhaften Isolaten. Achtung: Kapsel-spezifische PCRs erfassen keine NTHi.
DirektmikroskopieWichtig im Liquor.
Antigen-SchnelltestsBieten keinen Vorteil gegenüber der Direktmikroskopie (begrenzte Sensitivität/Spezifität).

Therapie

Die kalkulierte Therapie muss rasch erfolgen, da eine klinische Unterscheidung zu anderen bakteriellen Erregern nicht möglich ist.

Indikation / SituationTherapieempfehlungBemerkung
Kalkulierte TherapieCephalosporine der Gruppe 3 (z. B. Cefotaxim, Ceftriaxon) i.v.Mittel der Wahl. Ampicillin nur nach nachgewiesener Sensibilität.
Hib-MeningitisDexamethasonVor oder zusammen mit der ersten Antibiotikagabe (wirkt Hirnödem entgegen).
Vor Entlassung (nur Hib)RifampicinZur Eradikation im Nasopharynx, besonders wenn nicht mit Cephalosporinen behandelt wurde.

Infektionsschutz und Isolation

Patienten mit invasiver Hib-Erkrankung müssen bis 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Therapie isoliert werden. Danach gelten sie als nicht mehr infektiös. Es gilt das Basishygienekonzept mit strikter Händehygiene.

Postexpositionsprophylaxe (PEP)

Eine PEP ist ausschließlich bei Hib-Infektionen indiziert. Bei anderen Hi-Typen (inkl. NTHi) erfolgen keine Umgebungsmaßnahmen. Die PEP sollte frühestmöglich, spätestens jedoch 7 Tage nach Erkrankungsbeginn des Indexfalls starten.

Indikationen für Haushaltskontakte (face-to-face):

  • Wenn im Haushalt ein ungeimpftes/unzureichend geimpftes Kind < 5 Jahre lebt.
  • Wenn im Haushalt eine immunsupprimierte Person lebt.

Indikationen für Gemeinschaftseinrichtungen:

  • Ungeimpfte Kinder < 5 Jahre mit engem Kontakt zum Indexfall.
  • Bei Ausbrüchen (≥ 2 Fälle in 2 Monaten): Alle Kinder und Betreuer der Gruppe, unabhängig vom Impfstatus.
ZielgruppeMedikamentBemerkung
StandardRifampicin p.o. über 4 TageAltersabhängige Dosierung beachten.
SchwangereCeftriaxon (1 x 250 mg i.m.)Rifampicin ist in der Schwangerschaft kontraindiziert.

Zusätzlich zur Chemoprophylaxe müssen ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Kinder unter 5 Jahren gegen Hib nachgeimpft werden.

Meldepflicht

Der direkte Nachweis von Haemophilus influenzae aus Liquor oder Blut ist gemäß § 7 IfSG namentlich meldepflichtig (innerhalb von 24 Stunden).

💡Praxis-Tipp

Senden Sie jedes H. influenzae-Isolat aus Blut oder Liquor umgehend an das Nationale Referenzzentrum (NRZ) in Würzburg. Die Typisierung ist kostenlos und zwingend erforderlich, um über eine Postexpositionsprophylaxe (nur bei Typ b!) zu entscheiden.

Häufig gestellte Fragen

Eine Prophylaxe wird nur bei invasiven Infektionen durch den Kapseltyp b (Hib) empfohlen, primär zum Schutz von ungeimpften Kindern unter 5 Jahren und Immunsupprimierten.
Mittel der Wahl sind Cephalosporine der 3. Generation, wie Cefotaxim oder Ceftriaxon, zur parenteralen Therapie.
Patienten gelten bis 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie als infektiös und müssen in diesem Zeitraum isoliert werden.
Schwangere haben ein deutlich erhöhtes Risiko für invasive NTHi-Infektionen, die zu mütterlicher Sepsis, Frühgeburt oder Abort führen können.

Verwandte Leitlinien