First Do No Harm: RACGP-Leitlinie zur Überversorgung
KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RACGP Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung
📋Auf einen Blick
- •Bildgebung bei akutem Kreuzschmerz ist ohne Red Flags nicht indiziert.
- •Schwangere und Säuglinge sollen allergene Lebensmittel zur Prävention nicht meiden.
- •Routine-Screenings auf Vitamin-D-Mangel oder Schilddrüsenfehlfunktionen werden bei asymptomatischen Erwachsenen nicht empfohlen.
- •Opioide bei chronischen Schmerzen (CNCP) erfordern eine strenge Indikation und Deprescribing-Pläne.
- •MTHFR-Gen-Tests und Vitamin-C-Infusionen haben keinen Platz in der hausärztlichen Routine.
Hintergrund
Die RACGP-Leitlinie "First do no harm" adressiert die Vermeidung von Überversorgung (Low-Value Care) in der hausärztlichen Praxis. Sie nutzt ein Ampelsystem (Rot, Orange, Grün), um evidenzbasierte Empfehlungen für Diagnostik und Therapie auszusprechen und potenzielle Patientenschäden durch Überdiagnostik und Übertherapie zu minimieren.
Diagnostik und Screening
| Maßnahme | Nicht empfohlen (Rot) | Indiziert (Orange/Grün) |
|---|---|---|
| CAC-Scoring | Bei hohem kardiovaskulärem Risiko, bekannter KHK, als Populations-Screening oder bei symptomatischen Patienten. | Bei moderatem Risiko zur Reklassifizierung, falls dies die Therapie beeinflusst. |
| Bildgebung bei Kreuzschmerz | Routinemäßig bei akutem Kreuzschmerz ohne Red Flags. | Bei Verdacht auf ernsthafte Ursachen (Cauda equina, Infektion, Fraktur, schweres neurologisches Defizit). |
| Schilddrüsen-Screening | Bei asymptomatischen, nicht-schwangeren Erwachsenen. Ultraschall ohne tastbare Raumforderung. | TSH-Kontrolle bei Symptomen. FT4-Messung bei erhöhtem TSH. |
| MTHFR-Gen-Test | Routinemäßig, bei Thrombophilie oder frühem Abort. | Verdacht auf Homocystinurie bei Neugeborenen. |
| Vitamin-D-Test | Routinemäßiges Populations-Screening. Retestung <3 Monate nach Substitutionsbeginn. | Hochrisikogruppen (z.B. Osteoporose, Malabsorption, chronische Niereninsuffizienz). |
Therapie und Medikation
| Intervention | Nicht empfohlen (Rot) | Empfohlen (Grün/Orange) |
|---|---|---|
| Subklinische Hypothyreose | Routinetherapie bei asymptomatischen Patienten. Therapie mit T3. | Therapieversuch bei TSH 4-10 mIU/L plus Symptomen, positiven TPO-AK oder hohem CV-Risiko. |
| Chronische Schmerzen (CNCP) | Opioid-Initiierung ohne biopsychosoziales Assessment. Abruptes Absetzen. | Niedrigste effektive Dosis, Deprescribing-Plan, multimodale Schmerztherapie. |
| Vitamin-C-Infusionen | In der Hausarztpraxis (außerhalb von Ethik-geprüften Studien). | Aufklärung über fehlende Evidenz und mögliche Interaktionen (z.B. Bortezomib). |
| Otitis media (Kinder) | Routine-Antibiotika ab 6 Monaten ohne Risikofaktoren. Dekongestiva, Antihistaminika. | Orale Analgesie als Basistherapie. |
Pädiatrie und Schwangerschaft
Allergieprävention:
- Mütterliche Diät: Schwangere und Stillende sollen keine potenziellen Allergene (z.B. Erdnuss, Ei) meiden.
- Säuglingsernährung: Keine hydrolysierte, Soja- oder Ziegenmilch-Formula zur Allergieprävention.
- Beikost: Einführung von Allergenen im ersten Lebensjahr. Bei schwerem Ekzem oder Ei-Allergie: Regelmäßiger Erdnussverzehr in den ersten 12 Monaten. Bei Familienanamnese für Ei-Allergie: Gekochtes Ei vor dem 8. Lebensmonat.
- Reflux: Keine Säureblocker (H2-Rezeptor-Antagonisten, PPI) bei unkompliziertem Säuglingsreflux (erhöhtes Allergierisiko).
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei akutem Kreuzschmerz auf eine sofortige Bildgebung, sofern keine Red Flags vorliegen. Klären Sie Patienten darüber auf, dass sich die Beschwerden meist innerhalb von vier Wochen unter Beibehaltung der Alltagsaktivität bessern.
Häufig gestellte Fragen
Nein, der Verzicht auf Allergene in der Schwangerschaft oder Stillzeit beugt kindlichen Allergien nicht vor und wird nicht empfohlen.
Nur bei Hochrisikogruppen (z.B. Osteoporose, Malabsorption, dunkle Hautpigmentierung), nicht als Routine-Screening in der Allgemeinbevölkerung.
Nein, es gibt keine Evidenz für den routinemäßigen Einsatz des MTHFR-Tests, auch nicht bei Thrombophilie oder Aborten.
Nur bei Verdacht auf ernsthafte Pathologien wie Cauda-equina-Syndrom, Infektion, Fraktur oder schwere neurologische Ausfälle.
Nein, eine routinemäßige Behandlung wird nicht empfohlen. Ein Therapieversuch kann bei TSH 4-10 mIU/L und Vorliegen von Symptomen oder positiven TPO-Antikörpern erwogen werden.