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Genomik in der Hausarztpraxis: Leitlinie (RACGP)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RACGP Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Chromosomen-Microarrays (CMA) sind First-Line-Tests bei Entwicklungsverzögerung, intellektueller Minderung und Autismus-Spektrum-Störung.
  • Pränatales Screening (z.B. NIPT, CFTS) sollte allen schwangeren Frauen unabhängig von Alter oder Risiko angeboten werden.
  • Ein reproduktives Trägerscreening (z.B. auf Mukoviszidose, SMA, Fragiles-X) wird für alle Frauen und Paare mit Kinderwunsch empfohlen.
  • Pharmakogenomische Tests können bei unerwünschten Arzneimittelwirkungen oder fehlendem Therapieansprechen (z.B. bei SSRI, Clopidogrel) sinnvoll sein.
  • Genetische Testergebnisse müssen bei Anträgen auf Lebensversicherungen angegeben werden, nicht jedoch bei der Krankenversicherung.
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Hintergrund

Die Genomik gewinnt in der Primärversorgung zunehmend an Bedeutung. Während sich die traditionelle Genetik auf einzelne Gene konzentriert, untersucht die Genomik mehrere Gene oder das gesamte Genom gleichzeitig. Die ethischen Grundprinzipien umfassen Gerechtigkeit, Respekt vor der Autonomie, Wohltun (Beneficence) und Nicht-Schaden (Non-maleficence).

Ein wichtiger Aspekt in der Beratung ist der Versicherungsschutz: Während die private Krankenversicherung genetische Informationen nicht berücksichtigt, müssen bei Lebensversicherungen bekannte genetische Testergebnisse offengelegt werden.

Häufige genetische Mythen

MythosFakt
Ähnlichkeit zum Vater schützt vor mütterlichen GendefektenPhysische Ähnlichkeit hat keinen Einfluss auf das Risiko einer genetischen Erkrankung.
"Weibliche" Krebsarten (Brust/Eierstock) kommen nur von der MutterBRCA1/2-Varianten können sowohl über die väterliche als auch mütterliche Linie vererbt werden.
Ein Gen-Defekt führt immer zur ErkrankungBei unvollständiger Penetranz bricht die Krankheit nicht bei jedem Träger aus.
Genetische Erkrankungen können Generationen überspringenBei autosomal-rezessiven und X-chromosomalen Erkrankungen können Betroffene verstreut auftreten.

Chromosomen-Microarray (CMA)

Das CMA ist ein First-Line-Test zur Untersuchung von Entwicklungsverzögerungen, intellektueller Minderung, Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) oder multiplen kongenitalen Anomalien.

Was CMA erkennt:

  • Große Deletionen/Duplikationen und Mikrodeletionen/-duplikationen
  • Die meisten numerischen Chromosomenanomalien (z.B. Down-Syndrom)
  • Unbalancierte Chromosomenumbauten

Was CMA NICHT erkennt:

  • Einzelgenmutationen
  • Fragiles-X-Syndrom (FXS)
  • Balancierte Umbauten (Translokationen, Inversionen)
CMA-ErgebnisBedeutung
Keine klinisch signifikanten CNVsNormalbefund
Pathogene CNVBekannte Copy Number Variant (CNV) identifiziert
CNV unklarer Signifikanz (VOUS)Klinische Auswirkung ist unbekannt oder unsicher
ZufallsbefundCNV identifiziert, die nicht mit dem Testgrund zusammenhängt

Neugeborenenscreening

Das Screening erfolgt in der Regel 2-3 Tage nach der Geburt. Es identifiziert seltene, aber schwerwiegende Erkrankungen, bei denen eine frühe Intervention Morbidität und Mortalität senkt.

KrankheitsklasseBeispiele für gescreente Erkrankungen
AminosäurenPhenylketonurie, Ahornsirupkrankheit, Homocystinurie
Organische SäurenGlutarazidurie Typ I, Propionazidämie
FettsäureoxidationMCAD-Mangel, LCHAD-Mangel, VLCAD-Mangel
AndereMukoviszidose (CF), Kongenitale Hypothyreose

Pharmakogenomik

Genetische Variationen beeinflussen den Arzneimittelstoffwechsel (Pharmakokinetik) und die Arzneimittelwirkung (Pharmakodynamik). Patienten werden typischerweise in schlechte, intermediäre, extensive oder ultraschnelle Metabolisierer eingeteilt.

GenBetroffene MedikamenteKlinische Konsequenz
CYP2D6CodeinSchlechte Metabolisierer: keine Wirkung. Ultraschnelle: erhöhtes Nebenwirkungsrisiko.
CYP2D6SSRI (z.B. Paroxetin)Ultraschnelle: keine Wirkung. Schlechte: benötigen ggf. 50% geringere Dosis.
CYP2C19ClopidogrelSchlechte Metabolisierer benötigen alternative Thrombozytenaggregationshemmer.
VKORC1 / CYP2C9WarfarinGenotypen helfen bei der Bestimmung der optimalen Initialdosis.
SLCO1B1SimvastatinLow-Function-Genotyp ist mit erhöhtem Myopathie-Risiko assoziiert.

Pränatales Screening und Diagnostik

Allen schwangeren Frauen sollten Informationen über pränatale Screening-Tests auf chromosomale, autosomal-rezessive und X-chromosomale Erkrankungen angeboten werden.

TestartMethodeZeitpunktErkannte ErkrankungenDetektionsrate (Trisomie 21)
CFTS (Combined First Trimester Screening)Blut (PAPP-A, ß-hCG) + Ultraschall (Nackentransparenz)11-13 WochenTrisomie 21, 18, 13; strukturelle Anomalienca. 90%
NIPT (Non-invasive prenatal testing)Zellfreie fetale DNA im mütterlichen BlutAb 10 WochenTrisomie 21, 18, 13; Geschlechtschromosomen-Aneuploidien>99%
CVS (Chorionzottenbiopsie)Nadelpunktion der Plazenta (Diagnostisch)11-13 WochenViele Chromosomen- und genetische Erkrankungen99,9%
AmniozenteseFruchtwasserpunktion (Diagnostisch)Ab 15 WochenViele Chromosomen- und genetische Erkrankungen99,9%

Reproduktives Trägerscreening

Ein Trägerscreening sollte allen Frauen und Paaren mit Kinderwunsch oder in der Frühschwangerschaft angeboten werden, unabhängig von der ethnischen Herkunft. Es zielt darauf ab, Träger von autosomal-rezessiven oder X-chromosomalen Erkrankungen zu identifizieren (z.B. Mukoviszidose, Spinale Muskelatrophie, Fragiles-X-Syndrom). Wenn beide Partner Träger derselben rezessiven Erkrankung sind, bestehen erweiterte reproduktive Optionen wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) mit Präimplantationsdiagnostik.

💡Praxis-Tipp

Bieten Sie allen Frauen mit Kinderwunsch oder in der Frühschwangerschaft ein reproduktives Trägerscreening (z.B. auf Mukoviszidose, SMA, Fragiles-X) an. Beachten Sie bei der Verordnung von Codein oder Clopidogrel mögliche Therapieversager durch genetische Polymorphismen (CYP2D6 bzw. CYP2C19).

Häufig gestellte Fragen

Nein, das CMA erkennt keine Einzelgenmutationen oder das Fragiles-X-Syndrom. Hierfür ist ein separater DNA-Test erforderlich.
Allen schwangeren Frauen sollte idealerweise im ersten Trimenon ein pränatales Screening (z.B. NIPT oder CFTS) angeboten werden, unabhängig von Alter oder Familienanamnese.
Bei der Beantragung einer neuen Lebensversicherung müssen bekannte genetische Testergebnisse offengelegt werden. Die private Krankenversicherung berücksichtigt diese jedoch nicht.
Insbesondere Codein und SSRI (wie Paroxetin). Bei ultraschnellen Metabolisierern kann Codein zu Toxizität führen, während es bei schlechten Metabolisierern keine Wirkung zeigt.
Der NIPT kann ab der 10. Schwangerschaftswoche aus dem mütterlichen Blut durchgeführt werden.

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