Postnatale Versorgung: Leitlinien-Empfehlungen

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie formuliert evidenzbasierte Empfehlungen zur postnatalen Betreuung von Müttern und Neugeborenen. Der Fokus liegt auf ressourcenarmen Gesundheitssystemen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Die postnatale Phase ist eine kritische Zeit für das Überleben und die Gesundheit von Mutter und Kind. Die Leitlinie zielt darauf ab, die mütterliche und neonatale Mortalität und Morbidität durch eine strukturierte Nachsorge zu senken.

Behandelt werden unter anderem der optimale Zeitpunkt der Entlassung, die Frequenz der Nachsorgekontakte sowie spezifische klinische Untersuchungen. Die Empfehlungen richten sich primär an medizinisches Fachpersonal in der primären Gesundheitsversorgung.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die postnatale Phase:

Zeitpunkt und Häufigkeit der Kontakte

Nach einer unkomplizierten vaginalen Geburt in einer Gesundheitseinrichtung wird eine stationäre Überwachung von mindestens 24 Stunden empfohlen (schwache Empfehlung).

Bei Hausgeburten sollte der erste postnatale Kontakt so früh wie möglich innerhalb der ersten 24 Stunden stattfinden.

Zusätzlich werden mindestens drei weitere Kontakte für alle Mütter und Neugeborenen empfohlen (starke Empfehlung):

  • An Tag 3 (48 bis 72 Stunden nach der Geburt)

  • Zwischen Tag 7 und 14 nach der Geburt

  • Sechs Wochen nach der Geburt

Es wird empfohlen, in der ersten Lebenswoche Hausbesuche zur Betreuung von Mutter und Kind durchzuführen (starke Empfehlung).

Untersuchung des Neugeborenen

Bei jedem postnatalen Kontakt wird die Beurteilung auf folgende Warnzeichen empfohlen (starke Empfehlung):

  • Trinkschwäche oder verweigertes Füttern

  • Anamnese von Krampfanfällen

  • Schnelle Atmung (über 60 Atemzüge pro Minute) oder schwere Einziehungen

  • Fehlende Spontanmotorik

  • Fieber (über 37,5 °C) oder Hypothermie (unter 35,5 °C)

  • Ikterus in den ersten 24 Stunden oder gelbe Handflächen/Fußsohlen in jedem Alter

Bei Vorliegen eines dieser Zeichen wird eine sofortige Überweisung zur weiteren Abklärung empfohlen.

Neugeborenenpflege und Ernährung

Es wird empfohlen, alle Säuglinge von der Geburt bis zum Alter von 6 Monaten ausschließlich zu stillen (starke Empfehlung).

Das erste Baden des Neugeborenen sollte auf 24 Stunden nach der Geburt verschoben werden. Falls dies kulturell nicht möglich ist, wird eine Wartezeit von mindestens 6 Stunden empfohlen.

Für die Nabelschnurpflege bei Hausgeburten in Regionen mit hoher neonataler Mortalität wird die tägliche Anwendung von Chlorhexidin in der ersten Lebenswoche empfohlen (starke Empfehlung).

In Gesundheitseinrichtungen und Gebieten mit niedriger Mortalität wird hingegen eine saubere und trockene Nabelschnurpflege empfohlen.

Untersuchung und Betreuung der Mutter

In den ersten 24 Stunden nach der Geburt wird eine regelmäßige Kontrolle von Vaginalblutung, Uteruskontraktion, Fundusstand, Temperatur und Puls empfohlen.

Der Blutdruck sollte kurz nach der Geburt und bei normalen Werten erneut innerhalb von 6 Stunden gemessen werden.

Bei späteren Kontakten wird die Beurteilung von Miktion, Darmfunktion, Wundheilung am Perineum, Schmerzen und Lochien empfohlen.

Zwischen Tag 10 und 14 nach der Geburt sollte die psychische Verfassung bezüglich einer postnatalen Depression evaluiert werden.

Medikamentöse Prophylaxe

Bei Frauen mit einem Dammriss dritten oder vierten Grades wird die Gabe von prophylaktischen Antibiotika zur Vermeidung von Wundkomplikationen empfohlen (starke Empfehlung).

Eine routinemäßige Antibiotikagabe bei allen unkomplizierten vaginalen Geburten zur Endometritis-Prophylaxe wird nicht empfohlen.

Zudem wird eine Supplementierung mit Eisen und Folsäure für mindestens drei Monate nach der Geburt empfohlen.

Dosierung

MedikamentDosisIndikation
Chlorhexidin7,1 % Digluconat (4 % Chlorhexidin)Nabelschnurpflege bei Hausgeburten in Regionen mit hoher Mortalität
Eisen und FolsäureNicht spezifisch angegebenPostpartale Supplementierung für mindestens 3 Monate

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät von folgenden Maßnahmen ab:

  • Routinemäßige Antibiotikagabe bei unkomplizierten vaginalen Geburten zur Prävention einer Endometritis.

  • Routinemäßiges formelles psychologisches Debriefing für alle Frauen zur Prävention einer postnatalen Depression.

  • Räumliche Trennung von Mutter und Neugeborenem (ein 24-Stunden-Rooming-in wird stattdessen empfohlen).

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie stellt das rechtzeitige Erkennen von Warnzeichen beim Neugeborenen einen kritischen Faktor zur Senkung der Mortalität dar. Es wird betont, dass Symptome wie eine Atemfrequenz von über 60 pro Minute, fehlende Spontanmotorik oder ein Ikterus innerhalb der ersten 24 Lebensstunden eine sofortige ärztliche Abklärung erfordern. Zudem wird darauf hingewiesen, dass das erste Baden des Säuglings aus thermoregulatorischen Gründen um mindestens 24 Stunden verschoben werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt, dass der erste postnatale Kontakt nach einer Hausgeburt so früh wie möglich innerhalb der ersten 24 Stunden erfolgen sollte.

Es wird empfohlen, das erste Baden um mindestens 24 Stunden zu verschieben. Ist dies aus kulturellen Gründen nicht möglich, sollte laut Leitlinie mindestens 6 Stunden gewartet werden.

Zu den kritischen Warnzeichen zählen unter anderem Trinkschwäche, Krampfanfälle, eine Atemfrequenz über 60 pro Minute sowie Fieber oder Untertemperatur. Die Leitlinie empfiehlt bei Vorliegen eines dieser Zeichen eine umgehende medizinische Evaluation.

Eine Antibiotikaprophylaxe wird gemäß Leitlinie nur bei Frauen mit einem Dammriss dritten oder vierten Grades zur Vermeidung von Wundkomplikationen empfohlen. Eine routinemäßige Gabe bei unkomplizierten Geburten wird nicht empfohlen.

Die Leitlinie empfiehlt die Einnahme von Eisen und Folsäure für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten nach der Entbindung.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: WHO Recommendations on Postnatal Care of the Mother and Newborn (WHO, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.