Post-Mastektomie-Radiotherapie: Indikation bei 1-3 LK
Hintergrund
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Nach einer Mastektomie steigt das Risiko für ein lokoregionales Rezidiv mit der Anzahl der befallenen axillären Lymphknoten deutlich an.
Während bei vier oder mehr positiven Lymphknoten ein internationaler Konsens für eine Post-Mastektomie-Radiotherapie (PMRT) besteht, wird der Einsatz bei ein bis drei befallenen Lymphknoten (Low-Volume-Erkrankung) kontrovers diskutiert.
Ein aktueller systematischer Cochrane Review aus dem Jahr 2023 evaluiert die Effekte der PMRT bei Frauen mit frühem Brustkrebs und ein bis drei positiven axillären Lymphknoten. Die Evidenzlage stützt sich dabei primär auf Subgruppenanalysen älterer randomisierter kontrollierter Studien.
Empfehlungen
Lokoregionales Rezidiv und Überleben
Laut Review zeigt die Auswertung der einzigen Studie, die moderne Strahlentherapie-Verfahren nutzte, deutliche Vorteile für die PMRT. Es werden folgende Effekte beschrieben:
-
Eine signifikante Reduktion des lokoregionalen Rezidivrisikos (Hazard Ratio 0.20, niedrige Evidenzqualität)
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Eine Verbesserung des Gesamtüberlebens (Hazard Ratio 0.76, moderate Evidenzqualität)
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Eine Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens in einer weiteren Studie mit älteren Bestrahlungstechniken (Subdistribution Hazard Ratio 0.63)
Vergleich der klinischen Endpunkte
Die Auswertung der Studie mit modernen Bestrahlungstechniken (552 Teilnehmerinnen) zeigt laut Review folgende Ergebnisse für die PMRT im Vergleich zu keiner PMRT:
| Endpunkt | Hazard Ratio (95% CI) | Evidenzqualität (GRADE) |
|---|---|---|
| Lokoregionales Rezidiv | 0.20 (0.13 bis 0.33) | Niedrig |
| Gesamtüberleben | 0.76 (0.60 bis 0.97) | Moderat |
Unerwünschte Wirkungen und Lebensqualität
Der Review stellt fest, dass in den eingeschlossenen Studien keine Daten zu kurz- oder langfristigen Nebenwirkungen der PMRT erhoben wurden. Auch zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität liegen laut der Autoren keine verwertbaren Ergebnisse für diese spezifische Subgruppe vor.
Einschränkungen der Evidenz
Die Autoren betonen, dass die eingeschlossenen Studien vor der Einführung vieler moderner systemischer Brustkrebstherapien durchgeführt wurden. Die adjuvanten systemischen Behandlungen in den Studien gelten im Vergleich zum heutigen Standard als suboptimal.
Es wird darauf hingewiesen, dass die laufende SUPREMO-Studie zukünftig weitere Erkenntnisse zur Rolle der PMRT bei geringer axillärer Tumorlast liefern soll.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Aspekt für die klinische Praxis ist, dass die Evidenz zur PMRT bei 1-3 positiven Lymphknoten primär auf älteren Studienkohorten beruht. Die in diesen Studien angewandten systemischen Begleittherapien entsprechen nicht mehr dem heutigen Standard, was die Übertragbarkeit der Überlebensvorteile auf moderne Behandlungskonzepte einschränken kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Review besteht ein internationaler Konsens für die Bestrahlung bei vier oder mehr befallenen axillären Lymphknoten. Bei ein bis drei positiven Lymphknoten wird der Einsatz individuell diskutiert, da die Evidenzlage hierzu limitiert ist.
Der Cochrane Review zeigt basierend auf einer Studie mit modernen Bestrahlungstechniken einen Überlebensvorteil für die Radiotherapie. Das Gesamtüberleben verbesserte sich signifikant mit einer Hazard Ratio von 0.76.
In den vom Review eingeschlossenen randomisierten Studien wurden keine spezifischen Daten zu kurz- oder langfristigen unerwünschten Wirkungen für die Subgruppe mit 1-3 positiven Lymphknoten berichtet. Zukünftige Studien müssen diese Endpunkte weiter untersuchen.
Das Risiko für ein lokoregionales Rezidiv steigt mit der Anzahl der befallenen Lymphknoten deutlich an. Bei ein bis drei positiven Lymphknoten ist das Risiko laut Literatur mehr als doppelt so hoch wie bei nodal-negativen Erkrankungen.
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Quelle: Cochrane Review: Post-mastectomy radiotherapy for women with early breast cancer and one to three positive lymph nodes (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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