Platininduzierte Ototoxizität bei Kindern: Prävention
Hintergrund
Platinbasierte Chemotherapien wie Cisplatin, Carboplatin oder Oxaliplatin werden häufig zur Behandlung von Krebserkrankungen im Kindesalter eingesetzt. Eine der schwerwiegendsten unerwünschten Wirkungen dieser Medikamente ist die Ototoxizität, die sich als irreversibler Hörverlust oder Tinnitus manifestieren kann.
Ein solcher Hörverlust tritt oft bilateral und symmetrisch auf und betrifft zunächst die höheren Frequenzen. Er kann sich nicht nur während der Therapie, sondern auch noch Jahre nach Behandlungsende weiter verschlechtern.
Besonders bei Kleinkindern kann eine Hörminderung die schulische und psychosoziale Entwicklung erheblich beeinträchtigen. Daher ist die Suche nach präventiven Maßnahmen, wie etwa der Anpassung von Infusionsdauern, von großer klinischer Bedeutung.
Empfehlungen
Dieser Artikel basiert auf einem Cochrane Review, der die Evidenz zu unterschiedlichen Platin-Infusionsdauern bei Kindern mit Krebserkrankungen zusammenfasst.
Studienlage und Evidenz
Laut dem Review gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz, um eine bestimmte Infusionsdauer zur Prävention eines Hörverlusts zu empfehlen. Es wurde lediglich eine einzige randomisierte kontrollierte Studie mit 91 Kindern mit einem Neuroblastom identifiziert.
Diese Studie verglich eine kontinuierliche Cisplatin-Infusion mit einer einstündigen Bolusinfusion. Die Qualität der Evidenz wird für alle Endpunkte als niedrig eingestuft.
Klinische Endpunkte
Der Review fasst folgende Ergebnisse der eingeschlossenen Studie zusammen:
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Es zeigt sich kein eindeutiger Unterschied in der Häufigkeit von Hörverlusten zwischen der kontinuierlichen Infusion und der Bolusgabe.
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Die Tumoransprechrate wird in beiden Behandlungsarmen als gleichwertig beschrieben.
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Bezüglich schwerer unerwünschter Wirkungen wie toxischer Todesfälle lässt sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen feststellen.
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Zu Endpunkten wie Tinnitus, Gesamtüberleben oder Lebensqualität liegen keine verwertbaren Daten vor.
Klassifikation des Hörverlusts
Die eingeschlossene Studie verwendete die Brock-Kriterien zur Einteilung des platininduzierten Hörverlusts. Die Einteilung erfolgt nach dem Frequenzbereich, ab dem ein bilateraler Hörverlust von mehr als 40 Dezibel (dB) auftritt:
| Grade | Beschreibung |
|---|---|
| A | Kein Hörverlust (weniger als 40 dB in allen Frequenzen) |
| B | Milder Hörverlust (größer als 40 dB bei 8000 Hz) |
| C | Moderater Hörverlust (größer als 40 dB bei 6000 Hz) |
| D | Ausgeprägter Hörverlust (größer als 40 dB bei 4000 Hz) |
| E | Schwerer Hörverlust (größer als 40 dB bei 2000 Hz) |
💡Praxis-Tipp
Der Review betont, dass eine fehlende Evidenz für einen Effekt nicht mit dem Nachweis der Wirkungslosigkeit gleichzusetzen ist. Es wird darauf hingewiesen, dass ein platininduzierter Hörverlust auch noch Jahre nach Abschluss der Chemotherapie auftreten oder sich verschlechtern kann. Daher wird eine langfristige audiologische Nachsorge bei betroffenen Kindern als essenziell erachtet.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz, dass eine kontinuierliche Infusion im Vergleich zu einer Bolusgabe das Risiko für einen Hörverlust senkt. Die verfügbaren Daten zeigen keinen eindeutigen Unterschied zwischen den Infusionsdauern.
Der Review nennt unter anderem ein jüngeres Alter, eine Schädelbestrahlung und eine eingeschränkte Nierenfunktion als Risikofaktoren. Zudem wird auf die gleichzeitige Gabe anderer ototoxischer Medikamente wie Aminoglykoside oder Furosemid hingewiesen.
Gemäß dem Review verursacht Cisplatin wesentlich häufiger einen Hörverlust als Carboplatin. Oxaliplatin scheint unter den Platin-Analoga die geringste Ototoxizität aufzuweisen.
Die Ototoxizität kann bereits während der laufenden Therapie beginnen. Der Review hebt jedoch hervor, dass sich das Gehör auch noch Jahre nach Behandlungsende weiter verschlechtern kann.
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Quelle: Cochrane Review: Different infusion durations for preventing platinum-induced hearing loss in children with cancer (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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