Hörsturz-Therapie mit Kortikoiden: Cochrane Review
Hintergrund
Der idiopathische plötzliche sensorineurale Hörverlust (Hörsturz) ist durch eine plötzliche Hörminderung unbekannter Ursache gekennzeichnet. Zur Behandlung werden häufig systemische Kortikoide eingesetzt, deren genauer Nutzen jedoch umstritten ist.
Zunehmend kommt auch die intratympanale Injektion von Kortikoiden zum Einsatz. Dabei wird das Medikament direkt durch das Trommelfell in das Mittelohr verabreicht.
Ein aktueller Cochrane Review (2022) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit dieser intratympanalen Kortikoidtherapie. Die Meta-Analyse schließt 30 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2133 Teilnehmenden ein.
Empfehlungen
Die Meta-Analyse formuliert folgende Kernaussagen zur Behandlung des idiopathischen Hörsturzes:
Erstlinientherapie
Der Review zeigt, dass intratympanale Kortikoide im Vergleich zu systemischen Kortikoiden als Erstlinientherapie wahrscheinlich zu keinem oder nur einem geringen Unterschied bei der Hörverbesserung führen (niedrige bis moderate Evidenz).
Eine Kombinationstherapie (intratympanal plus systemisch) zeigt im Vergleich zur rein systemischen Gabe möglicherweise einen leichten Vorteil bei der Hörschwelle. Die klinische Relevanz dieses Unterschieds ist laut den Autoren jedoch unklar (sehr niedrige Evidenz).
Zweitlinientherapie (Rescue-Therapie)
Bei Patienten, die auf eine initiale Therapie nicht angesprochen haben, wird die intratympanale Gabe als Zweitlinientherapie eingesetzt. Der Vergleich mit Placebo oder keiner Behandlung zeigt hier einen deutlichen Nutzen.
Die intratympanale Therapie kann in diesem Setting zu einem deutlich höheren Anteil an Patienten mit verbessertem Gehör führen (niedrige Evidenz). Der Effekt auf die absolute Veränderung der Hörschwelle ist dabei jedoch eher gering.
Vergleich der Nebenwirkungsprofile
Da die Wirksamkeit in der Erstlinientherapie oft ähnlich ist, wird empfohlen, die unterschiedlichen Risikoprofile bei der Therapieentscheidung zu berücksichtigen. Die Meta-Analyse stellt folgende typische Nebenwirkungen gegenüber:
| Nebenwirkung / Risiko | Intratympanale Kortikoide | Systemische Kortikoide |
|---|---|---|
| Schwindel / Vertigo | Häufig (besonders während Injektion) | Selten |
| Ohrenschmerzen | Häufig (während Injektion) | Selten |
| Trommelfellperforation | Möglich (0 bis 3,9 Prozent) | Nicht zutreffend |
| Blutzuckerschwankungen | Nicht zutreffend | Möglich (systemischer Effekt) |
💡Praxis-Tipp
Laut Meta-Analyse weisen die intratympanale und die systemische Kortikoidgabe als Erstlinientherapie eine vergleichbare Wirksamkeit auf. Die Autoren betonen daher die Wichtigkeit, die Therapieentscheidung primär anhand der unterschiedlichen Nebenwirkungsprofile zu treffen. Während bei der intratympanalen Injektion lokale Risiken wie Trommelfellperforationen oder Schwindel im Vordergrund stehen, sind bei der systemischen Gabe metabolische Effekte wie Blutzuckerentgleisungen zu berücksichtigen.
Häufig gestellte Fragen
Als Erstlinientherapie zeigt die Evidenz keinen wesentlichen Unterschied in der Wirksamkeit zwischen intratympanaler und systemischer Gabe. Beide Ansätze führen laut Review zu vergleichbaren Raten an Hörverbesserungen.
Die intratympanale Therapie zeigt insbesondere als Zweitlinientherapie (Rescue-Therapie) nach erfolgloser Vorbehandlung einen Nutzen. Im Vergleich zu keiner weiteren Behandlung verbessert sie den Anteil der Patienten mit einem erholten Gehör signifikant.
Zu den häufigsten lokalen Nebenwirkungen zählen Schwindel und Ohrenschmerzen zum Zeitpunkt der Injektion. Zudem besteht laut Meta-Analyse ein geringes Risiko für eine dauerhafte Trommelfellperforation.
Eine Kombinationstherapie führt im Vergleich zur alleinigen systemischen Gabe möglicherweise zu einer leicht besseren Hörschwelle. Die Evidenz hierfür ist jedoch sehr unsicher und die klinische Relevanz des Unterschieds bleibt unklar.
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Quelle: Cochrane Review: Intratympanic corticosteroids for sudden sensorineural hearing loss (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.