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Paracetamol-Intoxikation: Diagnostik und NAC-Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGAI/Giftnotruf/DGN/AWMF (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Diese Zusammenfassung basiert auf der S2k-Leitlinie (DGAI/Giftnotruf/DGN/AWMF) zum Management der Paracetamol-Intoxikation. Da der Quelltext kurz ist, wurden allgemeine medizinische Hintergrundinformationen zur besseren Einordnung ergänzt.

Paracetamol ist ein weltweit häufig eingesetztes Analgetikum und Antipyretikum, dessen Überdosierung zu lebensbedrohlicher Hepatotoxizität führen kann. Die Toxizität entsteht durch die Akkumulation des toxischen Metaboliten NAPQI, wenn die Glutathion-Speicher der Leber erschöpft sind.

Unbehandelt kann eine schwere Intoxikation in ein akutes Leberversagen münden. Laut Leitlinie wird eine Einzeldosis von über 150 mg/kg Körpergewicht (oder absolut >7,5 g bei Erwachsenen) als toxisch eingestuft. Bei einer chronisch erhöhten Einnahme über mehrere Tage liegt die toxische Schwelle bereits bei über 75 mg/kg pro Tag.

Empfehlungen

Die Leitlinie strukturiert das klinische Management nach Phasen der Vergiftung und zeitlichen Intervallen.

Klinischer Verlauf und Diagnostik

Der Verlauf einer Paracetamol-Intoxikation wird in vier Phasen unterteilt. In den ersten 24 Stunden sind die Patienten oft asymptomatisch oder zeigen unspezifische Symptome wie Übelkeit und Erbrechen.

  • Phase 1 (0-24h): Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein oder asymptomatisch

  • Phase 2 (24-72h): Rechtsseitige Oberbauchschmerzen, Anstieg der Transaminasen

  • Phase 3 (72-96h): Leberversagen, Enzephalopathie, Koagulopathie

  • Phase 4 (>96h): Erholung oder Tod

Für die Diagnostik wird die Bestimmung des Paracetamol-Spiegels frühestens vier Stunden nach der Ingestion empfohlen. Zur Risikoeinschätzung und Indikationsstellung für das Antidot soll das Rumack-Matthew-Nomogramm herangezogen werden.

Begleitend wird die Kontrolle von Leberwerten (AST, ALT, INR), Kreatinin, Laktat und einer Blutgasanalyse (BGA) empfohlen.

Primäre Giftelimination

Eine Therapie mit Aktivkohle wird bei bewusstseinsklaren Patienten empfohlen, sofern die Einnahme weniger als zwei Stunden zurückliegt. Die empfohlene Dosis beträgt 1 g/kg Körpergewicht bis zu einer Maximaldosis von 50 g.

Antidot-Therapie mit N-Acetylcystein (NAC)

Die Gabe von N-Acetylcystein (NAC) ist die zentrale therapeutische Maßnahme. Die Leitlinie nennt folgende Indikationen für den Beginn der NAC-Therapie:

  • Paracetamol-Spiegel oberhalb der Behandlungslinie im Rumack-Matthew-Nomogramm

  • Unbekannter Einnahmezeitpunkt bei Verdacht auf eine signifikante Dosis

  • Späte Präsentation (über 8 Stunden nach Ingestion) mit Hinweisen auf einen Leberschaden

Bei einem frühen Therapiebeginn innerhalb von acht Stunden nach Ingestion wird die Prognose als exzellent beschrieben. Bei Fortbestand der Leberschädigung nach dem Standardprotokoll wird eine Verlängerung der NAC-Infusion empfohlen.

Lebertransplantation

Bei schwerem Leberversagen müssen die Kriterien für eine Lebertransplantation (King's College Kriterien) evaluiert werden. Diese sind erfüllt bei einem pH-Wert unter 7,3 nach Volumensubstitution oder bei der Kombination aus einer INR über 6,5, einem Kreatinin über 300 und einer Enzephalopathie vom Grad III bis IV.

Dosierung

N-Acetylcystein (NAC) IV-Protokoll (Prescott-Schema)

Die intravenöse Therapie mit N-Acetylcystein erfolgt laut Leitlinie in drei Phasen. Bei persistierender Leberschädigung wird die Infusion mit 6,25 mg/kg/h verlängert.

PhaseDosisTrägerlösungDauer
Loading-Dosis150 mg/kg200 ml Glucose 5%1 Stunde
2. Dosis50 mg/kg500 ml Glucose 5%4 Stunden
3. Dosis100 mg/kg1000 ml Glucose 5%16 Stunden

Kontraindikationen

Die Gabe von Aktivkohle ist auf bewusstseinsklare Patienten beschränkt, um das Risiko einer Aspiration zu minimieren.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die zu frühe Bestimmung des Paracetamol-Spiegels. Die Leitlinie warnt davor, den Spiegel vor Ablauf von vier Stunden nach der Ingestion zu messen, da die Resorptionsphase noch nicht abgeschlossen ist und das Rumack-Matthew-Nomogramm in diesem Zeitraum nicht anwendbar ist. Zudem wird betont, dass Patienten in den ersten 24 Stunden nach einer toxischen Einnahme völlig asymptomatisch sein können.

Häufig gestellte Fragen

Bei Erwachsenen gilt eine Einzeldosis von über 150 mg/kg Körpergewicht oder absolut mehr als 7,5 g als toxisch. Bei Kindern liegt die toxische Schwelle ebenfalls bei über 150 mg/kg als Einzeldosis.

Die Leitlinie empfiehlt, den Paracetamol-Spiegel frühestens vier Stunden nach der Einnahme zu bestimmen. Frühere Messwerte sind für die Risikoeinschätzung mittels Rumack-Matthew-Nomogramm nicht verwertbar.

Das intravenöse Prescott-Schema beginnt mit einer Loading-Dosis von 150 mg/kg über eine Stunde. Darauf folgen 50 mg/kg über vier Stunden und abschließend 100 mg/kg über 16 Stunden.

Die Indikation richtet sich nach den King's College Kriterien. Diese umfassen einen pH-Wert unter 7,3 nach Volumensubstitution oder die Kombination aus stark erhöhter INR (>6,5), hohem Kreatinin (>300) und schwerer Enzephalopathie.

Der Einsatz von Aktivkohle wird laut Leitlinie nur innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Ingestion empfohlen. Voraussetzung ist, dass der Patient bewusstseinsklar ist.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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