HIV-assoziierte Neoplasien: Leitlinie (Onkopedia)
📋Auf einen Blick
- •Tumorerkrankungen sind heutzutage die häufigste Todesursache bei HIV-infizierten Menschen.
- •Die kombinierte antiretrovirale Therapie (cART) hat die onkologischen Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessert.
- •Die Inzidenz AIDS-definierender Neoplasien (z. B. Kaposi-Sarkom) ist kontinuierlich gesunken, ihre Prognose hat sich verbessert.
- •Die Prognose nicht AIDS-definierender Malignome (z. B. nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom) bleibt ungünstig.
- •Die Betreuung erfordert eine enge Zusammenarbeit von Onkologen und Infektiologen.
Hintergrund
Durch die Einführung der kombinierten antiretroviralen Therapie (cART) haben sich die Behandlungsmöglichkeiten für HIV-assoziierte Krebserkrankungen signifikant verbessert. Die Therapieempfehlungen entsprechen heute oftmals denen für HIV-negative Patienten. Dennoch stellen Tumorerkrankungen aktuell die häufigste Todesursache und eine der häufigsten Hospitalisierungsursachen bei Menschen mit HIV dar. Trotz aller Behandlungserfolge ist die Gesamtüberlebenszeit weiterhin ungünstiger als bei HIV-negativen Patienten.
Wandel des Tumorspektrums und Prognose
Das Spektrum der Malignome bei HIV-Infizierten hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Es wird grundsätzlich zwischen AIDS-definierenden und nicht AIDS-definierenden Neoplasien unterschieden:
| Tumorgruppe | Beispiele | Entwicklung & Prognose |
|---|---|---|
| AIDS-definierende Neoplasien | Kaposi-Sarkom, Zervix-Karzinom, aggressive B-Zell-Lymphome | Inzidenz kontinuierlich gesunken. Prognose verbessert (ca. 60 % leben noch 10 Jahre nach Diagnose). |
| Nicht AIDS-definierende Malignome | Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) | Prognose deutlich ungünstiger. |
Interdisziplinäre Betreuung
Die Behandlung von Patienten mit HIV-assoziierten Neoplasien ist eine komplexe Herausforderung. Sie erfordert zwingend die gemeinsame und enge Zusammenarbeit zwischen:
- Onkologen
- Infektiologen
(Anmerkung: Detaillierte Empfehlungen zu spezifischen Entitäten wie Lungenkarzinom, Lymphomen, Analkarzinom oder Kaposi-Sarkom werden in separaten Leitlinien behandelt.)
💡Praxis-Tipp
Behandeln Sie Patienten mit HIV-assoziierten Neoplasien stets in enger interdisziplinärer Abstimmung zwischen Onkologie und Infektiologie, da die Gesamtüberlebenszeit dieser Kohorte weiterhin ungünstiger ist als bei HIV-negativen Patienten.