Offenwinkelglaukom: Latanoprost/Netarsudil Indikation
Hintergrund
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Zusatznutzen der Fixkombination Latanoprost/Netarsudil bewertet. Die Bewertung bezieht sich auf erwachsene Personen mit primärem Offenwinkelglaukom oder okulärer Hypertension.
Voraussetzung für die Anwendung in diesem Kontext ist, dass eine vorherige Monotherapie mit einem Prostaglandin oder Netarsudil eine unzureichende Senkung des Augeninnendrucks bewirkt hat.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde eine Kombinationstherapie aus einem Betablocker und einem Prostaglandinanalogon beziehungsweise Prostamid (als freie oder fixe Kombination) festgelegt. Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der MERCURY-3-Studie.
Empfehlungen
Das IQWiG formuliert folgende Kernaussagen zur Nutzenbewertung:
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Latanoprost/Netarsudil gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vorliegenden Daten der MERCURY-3-Studie zeigen keinen statistisch signifikanten Vorteil für die Fixkombination.
Morbidität und Lebensqualität
Für die Endpunkte der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und der Morbidität ergaben sich keine relevanten Unterschiede:
-
Es zeigt sich kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen bei der bestkorrigierten Sehschärfe.
-
Auch beim allgemeinen Gesundheitszustand (erhoben über den NEI VFQ-25) ist kein Zusatznutzen belegt.
-
Für die Einschränkung des Gesichtsfeldes lagen keine geeigneten Daten für die relevante Teilpopulation vor.
Nebenwirkungen und Therapieabbrüche
Das IQWiG stellt fest, dass es einen Anhaltspunkt für einen höheren Schaden durch Latanoprost/Netarsudil gibt:
-
Es traten signifikant häufiger Therapieabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse auf.
-
Das Ausmaß dieses negativen Effekts wird als beträchtlich eingestuft.
-
Für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und okulare Nebenwirkungen ergab sich kein Anhaltspunkt für einen höheren oder geringeren Schaden.
In der Gesamtschau reicht dieser negative Effekt im Bereich der Therapieabbrüche jedoch nicht aus, um einen geringeren Gesamtnutzen der Wirkstoffkombination abzuleiten.
Dosierung
Die Fachinformation formuliert folgende Dosierungsempfehlungen:
| Medikament | Dosis | Indikation |
|---|---|---|
| Latanoprost/Netarsudil (50 µg/200 µg) | 1-mal täglich 1 Tropfen abends | Primäres Offenwinkelglaukom oder okuläre Hypertension |
Zusätzliche Hinweise zur Anwendung:
-
Es wird empfohlen, pro Tag nicht mehr als einen Tropfen in das betroffene Auge einzubringen.
-
Bei gleichzeitiger Anwendung anderer Augentropfen wird ein Abstand von mindestens 5 Minuten empfohlen.
-
Aufgrund der gefäßerweiternden Eigenschaften von Netarsudil wird empfohlen, andere Augentropfen vor Latanoprost/Netarsudil anzuwenden.
-
Augensalben sollten laut Fachinformation als Letztes angewendet werden.
Kontraindikationen
Die Fachinformation nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Kontraindikation: Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder sonstige Bestandteile.
-
Irispigmentierung: Es wird vor einer allmählichen, potenziell dauerhaften Veränderung der Augenfarbe durch Zunahme von braunem Pigment in der Iris gewarnt.
-
Keratitis herpetica: Bei aktiver Herpes-simplex-Keratitis oder anamnestisch bekannter rezidivierender Keratitis herpetica ist die Anwendung zu meiden.
-
Makulaödem: Bei Risikofaktoren für ein zystoides Makulaödem (z. B. diabetische Retinopathie) wird zur Vorsicht geraten.
-
Asthma: Bei Personen mit Asthma wird eine vorsichtige Anwendung empfohlen, da Exazerbationen berichtet wurden.
💡Praxis-Tipp
Die Fachinformation weist auf eine wichtige Besonderheit bei der Reihenfolge von Augentropfen hin: Aufgrund der gefäßerweiternden Eigenschaften von Netarsudil wird empfohlen, andere topische Augenarzneimittel stets vor Latanoprost/Netarsudil anzuwenden. Dabei sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens 5 Minuten eingehalten werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Latanoprost/Netarsudil gegenüber einer Kombination aus Betablocker und Prostaglandinanalogon nicht belegt. Die bewertete Studie zeigte keine signifikanten Vorteile in Bezug auf Morbidität oder Lebensqualität.
Es wird eine Dosierung von einmal täglich einem Tropfen in das betroffene Auge empfohlen. Die Anwendung sollte gemäß Fachinformation abends erfolgen.
Die Fachinformation empfiehlt, Kontaktlinsen vor dem Eintropfen zu entfernen. Sie können 15 Minuten nach der Anwendung wieder eingesetzt werden.
In der vom IQWiG bewerteten Studie kam es unter Latanoprost/Netarsudil signifikant häufiger zu Therapieabbrüchen wegen unerwünschter Ereignisse. Zu den häufigsten okularen Nebenwirkungen zählten Bindehauthyperämie und Vortexkeratopathie.
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Quelle: IQWiG A22-129: Latanoprost/Netarsudil (Glaukom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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