Nicht übertragbare Krankheiten: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie PEN (Package of Essential Noncommunicable Disease Interventions) definiert ein priorisiertes Set an kosteneffektiven Interventionen für die primärmedizinische Versorgung.
Der Fokus liegt auf der Erkennung, Diagnose und Behandlung der wichtigsten nicht übertragbaren Krankheiten (NCDs). Dazu zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, chronische Atemwegserkrankungen sowie die Früherkennung von Krebs.
Zusätzlich werden Aspekte der Lebensstilberatung, der Selbstfürsorge und der Palliativmedizin abgedeckt. Ziel der Leitlinie ist es, eine strukturierte und qualitativ angemessene Langzeitversorgung auch in ressourcenschwachen Gesundheitssystemen zu gewährleisten.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert spezifische Kernempfehlungen für die häufigsten nicht übertragbaren Erkrankungen in der Primärversorgung.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) und Hypertonie
Laut Leitlinie wird eine kardiovaskuläre Risikobewertung für Personen über 40 Jahre, Raucher sowie Patienten mit bekannter Hypertonie oder Diabetes empfohlen. Zur Berechnung des 10-Jahres-Risikos sollen spezifische WHO-Risiko-Charts herangezogen werden.
Die Leitlinie empfiehlt eine medikamentöse Therapie bei:
-
Einem persistierenden Blutdruck von ≥ 140/90 mmHg
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Einem kardiovaskulären 10-Jahres-Risiko von ≥ 20 %
-
Bekannter koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall oder Nierenerkrankung (unabhängig vom berechneten Risiko)
Als Zielblutdruck wird generell ein Wert von < 140/90 mmHg empfohlen. Bei Patienten mit Diabetes oder hohem CVD-Risiko nennt die Leitlinie einen strengeren Zielwert von < 130/80 mmHg.
Diabetes mellitus Typ 2
Ein Screening auf Diabetes wird gemäß Leitlinie für symptomatische Patienten sowie für übergewichtige Personen (BMI > 25) ab 40 Jahren empfohlen. Die Diagnose kann über den Nüchternblutzucker (≥ 7,0 mmol/L) oder den HbA1c-Wert (≥ 6,5 %) gestellt werden.
Als primäres Therapieziel wird ein HbA1c-Wert von < 7,0 % empfohlen. Die Leitlinie rät zu folgendem Stufenschema:
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Lebensstilmodifikation (Ernährung, Bewegung, Gewichtsreduktion) als Basis
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Metformin als medikamentöse Erstlinientherapie
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Sulfonylharnstoffe (z. B. Gliclazid) als Zweitlinientherapie
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Insulin als Drittlinientherapie bei unzureichender Kontrolle
Zusätzlich wird für alle Patienten mit Typ-2-Diabetes über 40 Jahre die Gabe eines Statins empfohlen. Eine regelmäßige Fußuntersuchung sowie ein Netzhaut-Screening sollen strukturiert erfolgen.
Chronische Atemwegserkrankungen (Asthma und COPD)
Die Leitlinie empfiehlt bei Asthma einen stufenweisen Therapieansatz, der sich an der Symptomkontrolle orientiert. Die Basistherapie besteht aus einem kurzwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum (SABA) bei Bedarf, ergänzt durch inhalative Kortikosteroide (ICS) in aufsteigender Dosierung.
Bei einer akuten, schweren Asthma-Exazerbation wird die sofortige Gabe von oralem Prednisolon sowie hochdosiertem Salbutamol empfohlen.
Für Patienten mit COPD wird bei Exazerbationen mit Infektzeichen die Gabe von Antibiotika empfohlen. Zudem rät die Leitlinie zum strikten Verzicht auf Tabakkonsum und zur Vermeidung von Atemwegsgiften.
Krebsfrüherkennung
Es wird empfohlen, auf spezifische Warnsymptome zu achten und Patienten bei Verdacht umgehend an die nächste Versorgungsebene zu überweisen. Dazu zählen unter anderem postkoitale Blutungen (Verdacht auf Zervixkarzinom) oder neu aufgetretene, harte Brustknoten.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungsempfehlungen für die medikamentöse Therapie in der Primärversorgung:
Diabetes mellitus Typ 2
| Medikament | Initialdosis | Erhaltungsdosis / Maximaldosis | Indikation |
|---|---|---|---|
| Metformin | 500 mg 1x täglich | Bis zu 1000 mg 2x täglich | Erstlinientherapie bei Typ-2-Diabetes |
| Gliclazid | 80 mg 1x täglich | Bis zu 80 mg 2x täglich | Zweitlinientherapie bei unzureichender Kontrolle |
Asthma bronchiale und COPD
| Medikament | Dosis | Indikation |
|---|---|---|
| Salbutamol (Dosieraerosol) | 2 Hübe bei Bedarf | Akute Symptomlinderung (Stufe 1) |
| Beclometason (ICS) | 100 µg 2x täglich (Erwachsene) | Basistherapie (Stufe 2) |
| Beclometason (ICS) | 200-400 µg 2x täglich | Eskalationstherapie (Stufe 3) |
| Prednisolon (oral) | 30-40 mg/Tag für ca. 7 Tage | Schwere akute Exazerbation (Asthma/COPD) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Warnhinweise und Kontraindikationen:
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Bei Asthma-Patienten wird empfohlen, potenziell triggernde Medikamente wie NSAR (z. B. Ibuprofen, Aspirin) und Betablocker zu vermeiden.
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Alkohol sollte laut Leitlinie nicht konsumiert werden, wenn Medikamente eingenommen werden, die mit Alkohol interagieren.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Praxis-Hinweis der Leitlinie betrifft die kardiovaskuläre Risikobewertung: Bei Patienten mit bereits bekannter koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall, schwerer Niereninsuffizienz oder extrem hohen Einzelrisikofaktoren (z. B. Blutdruck > 160/100 mmHg oder Gesamtcholesterin ≥ 8 mmol/L) wird empfohlen, auf die Nutzung der Risiko-Charts zu verzichten. Diese Patienten gelten automatisch als Hochrisikopatienten und sollen gemäß Leitlinie direkt eine intensive medikamentöse Therapie erhalten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine medikamentöse Therapie bei einem persistierenden Blutdruck von ≥ 140/90 mmHg empfohlen. Bei Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko oder Diabetes liegt der Zielwert bei < 130/80 mmHg.
Die Leitlinie empfiehlt Metformin als Erstlinientherapie, beginnend mit einer Dosis von 500 mg einmal täglich. Bei unzureichender Blutzuckerkontrolle wird als zweiter Schritt ein Sulfonylharnstoff wie Gliclazid empfohlen.
Es wird die Gabe von oralem Prednisolon (30-40 mg für etwa 7 Tage) sowie hochdosiertem inhalativem Salbutamol empfohlen. Bei einer Sauerstoffsättigung unter 90 % soll zudem Sauerstoff verabreicht werden.
Die Leitlinie empfiehlt ein Screening für alle Personen über 40 Jahre, die übergewichtig sind (BMI > 25). Zudem sollen Patienten mit typischen Symptomen wie Polyurie oder unerklärtem Gewichtsverlust getestet werden.
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Quelle: WHO Package of Essential Noncommunicable Disease Interventions (WHO PEN) (WHO, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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