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WHO2021

WHO-Leitlinie Hypertonie: Pharmakotherapie (2021)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Therapiebeginn wird bei ≥140/90 mmHg (ohne Komorbiditäten) oder 130-139 mmHg systolisch (bei kardiovaskulärer Vorerkrankung) empfohlen.
  • First-Line-Therapeutika sind Thiazide, ACE-Hemmer/Sartane und langwirksame Calciumkanalblocker.
  • Eine Kombinationstherapie (bevorzugt als Single-Pill) wird als initialer Behandlungsansatz empfohlen.
  • Die Blutdruckzielwerte liegen bei <140/90 mmHg (Standard) bzw. systolisch <130 mmHg (bei CVD oder hohem Risiko).
  • Verlaufskontrollen sollten monatlich bis zur Zielerreichung und danach alle 3-6 Monate erfolgen.
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Hintergrund

Die arterielle Hypertonie ist weltweit einer der Hauptrisikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen. Die WHO-Leitlinie (2021) aktualisiert die Empfehlungen zur medikamentösen Behandlung bei nicht-schwangeren Erwachsenen und fokussiert sich auf Schwellenwerte, First-Line-Medikamente, Zielwerte und die Einbindung von nicht-ärztlichem Personal.

Indikation und Schwellenwerte

Der Beginn einer medikamentösen Therapie sollte spätestens vier Wochen nach der Diagnosestellung erfolgen. Bei sehr hohen Werten (≥160/100 mmHg) oder Endorganschäden ist die Therapie ohne Verzögerung zu starten.

PatientenprofilSchwellenwert für TherapiebeginnEmpfehlungsgrad
Bestätigte Hypertonie ohne Komorbiditäten≥140 mmHg systolisch ODER ≥90 mmHg diastolischStarke Empfehlung
Bekannte kardiovaskuläre Erkrankung (CVD)130–139 mmHg systolischStarke Empfehlung
Hohes CV-Risiko, Diabetes mellitus oder chronische Nierenerkrankung (CKD)130–139 mmHg systolischBedingte Empfehlung

Diagnostik und Risikobewertung

Laboruntersuchungen und kardiovaskuläre Risikostratifizierungen sind sinnvoll, dürfen den Therapiebeginn jedoch nicht verzögern.

  • Empfohlene Basisdiagnostik: Serumelektrolyte, Kreatinin, Lipidprofil, HbA1c oder Nüchternglucose, Urinstreifentest und EKG.
  • Wenn Ressourcen begrenzt sind, kann die Therapie empirisch (z.B. mit Calciumkanalblockern) gestartet und die Diagnostik nachgeholt werden.

Medikamentöse Therapie

Für die initiale medikamentöse Therapie empfiehlt die WHO drei primäre Wirkstoffklassen. Langwirksame Präparate werden bevorzugt.

WirkstoffklasseBeispiele / IndikationEvidenz
Thiazide und thiazidartige DiuretikaBevorzugt bei Patienten >65 Jahre oder afrikanischer AbstammungStarke Empfehlung
ACE-Hemmer / Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB)Bevorzugt bei schwerer Proteinurie, Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz oder CKDStarke Empfehlung
Langwirksame Dihydropyridin-Calciumkanalblocker (CCB)Bevorzugt bei Patienten >65 Jahre oder afrikanischer AbstammungStarke Empfehlung

Die WHO empfiehlt den initialen Einsatz einer Kombinationstherapie, idealerweise als Single-Pill-Kombination, um die Adhärenz zu verbessern (Bedingte Empfehlung). Die Kombination sollte aus den drei oben genannten Klassen gewählt werden.

Blutdruck-Zielwerte

Die Zielwerte richten sich nach dem individuellen Risikoprofil des Patienten:

PatientenprofilBlutdruck-ZielwertEmpfehlungsgrad
Hypertonie ohne Komorbiditäten<140/90 mmHgStarke Empfehlung
Hypertonie mit bekannter CVD<130 mmHg systolischStarke Empfehlung
Hohes CV-Risiko, Diabetes mellitus oder CKD<130 mmHg systolischBedingte Empfehlung

Verlaufskontrolle und Management

Die Frequenz der Nachsorge richtet sich nach der Blutdruckeinstellung:

  • Monatliche Kontrolle: Nach Therapiebeginn oder Dosisanpassung, bis der Zielwert erreicht ist.
  • Kontrolle alle 3–6 Monate: Sobald der Blutdruck stabil im Zielbereich liegt.

Die medikamentöse Behandlung kann auch durch geschultes nicht-ärztliches Personal (z.B. Pflegekräfte, Apotheker) erfolgen, sofern entsprechende Protokolle, Verschreibungsbefugnisse und ärztliche Aufsicht gewährleistet sind (Bedingte Empfehlung).

Spezielle Patientengruppen: Schwangerschaft

Die medikamentöse Therapie in der Schwangerschaft erfordert besondere Vorsicht, da einige Standardmedikamente teratogen wirken.

KategorieWirkstoffeBemerkung
Bevorzugte MedikamenteMethyldopa, Beta-Blocker (Labetalol), CCB (Nifedipin, Verapamil), HydralazinLabetalol und CCB senken das Risiko für schwere Hypertonie oft effektiver als Methyldopa.
KontraindiziertACE-Hemmer, ARB, direkte Renin-Inhibitoren, Spironolacton, AtenololFühren zu fetalen Schäden oder intrauteriner Wachstumsretardierung.

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie den Therapiebeginn nicht durch aufwendige Diagnostik oder kardiovaskuläre Risikostratifizierung. Starten Sie bevorzugt direkt mit einer Single-Pill-Kombination, um die Patientenadhärenz zu maximieren.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten ohne Komorbiditäten ab ≥140/90 mmHg. Bei Patienten mit bekannter kardiovaskulärer Erkrankung bereits ab 130-139 mmHg systolisch.
Die WHO empfiehlt Thiazide/thiazidartige Diuretika, ACE-Hemmer/Sartane und langwirksame Calciumkanalblocker.
Für unkomplizierte Hypertonie <140/90 mmHg. Bei Patienten mit CVD, Diabetes oder chronischer Nierenerkrankung gilt ein systolischer Zielwert von <130 mmHg.
Monatlich, bis der Zielwert erreicht ist. Danach genügen Kontrollen alle 3 bis 6 Monate.
ACE-Hemmer, Sartane (ARB), direkte Renin-Inhibitoren, Spironolacton und Atenolol sind in der Schwangerschaft streng kontraindiziert.

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