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NICEA2024Psychiatrie

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die psychologische Therapie der ersten Wahl für alle Altersgruppen.
  • Psychologisches Debriefing zur Prävention einer PTBS wird ausdrücklich nicht empfohlen.
  • Medikamentöse Therapien (z. B. SSRI, Venlafaxin) sind bei Erwachsenen keine Erstlinientherapie; bei Kindern sind sie kontraindiziert.
  • EMDR ist eine wirksame Alternative bei Erwachsenen mit nicht-kampfbezogenen Traumata.
  • Bei komorbider Depression sollte in der Regel die PTBS zuerst behandelt werden.
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Hintergrund

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann nach extrem bedrohlichen oder katastrophalen Ereignissen auftreten. Die NICE-Leitlinie unterscheidet zwischen der klassischen PTBS und der komplexen PTBS, die häufig nach anhaltenden oder wiederholten Traumata (z. B. Missbrauch, Folter) entsteht.

KategorieTypische Symptome
WiedererlebenAufdrängende Erinnerungen, Flashbacks, Albträume
VermeidungVermeidung von trauma-assoziierten Reizen
HyperarousalHypervigilanz, Wut, Reizbarkeit, Schlafstörungen
Stimmung & KognitionEmotionale Taubheit, Dissoziation
Komplexe PTBS (Zusatz)Affektdysregulation, negative Selbstwahrnehmung, interpersonelle Probleme

Diagnostik und Screening

Bei der Beurteilung auf PTBS müssen Patienten gezielt nach traumatischen Erlebnissen (z. B. schwere Unfälle, körperliche/sexuelle Übergriffe, traumatische Geburten, Krieg) und den oben genannten Symptomen gefragt werden.

  • Routinemäßiges Screening: Bei Hochrisikogruppen (z. B. nach Großschadensereignissen, bei Flüchtlingen und Asylbewerbern) sollte 1 Monat nach dem Ereignis ein validiertes Kurz-Screening erwogen werden.
  • Active Monitoring: Bei unterschwelligen PTBS-Symptomen innerhalb des ersten Monats nach dem Trauma sollte ein "Active Monitoring" (beobachtendes Abwarten) mit einem Follow-up innerhalb eines Monats erfolgen.
  • Psychologisches Debriefing: Ein psychologisch fokussiertes Debriefing zur Prävention oder Behandlung der PTBS wird ausdrücklich nicht empfohlen.

Therapie bei Erwachsenen

Die psychologische Therapie, insbesondere die trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT), ist die Behandlung der ersten Wahl.

Zeitraum nach TraumaEmpfohlene TherapieBemerkung
< 1 MonatTrauma-fokussierte KVTBei akuter Belastungsstörung oder klinisch relevanten Symptomen
1 - 3 MonateTrauma-fokussierte KVT oder EMDREMDR bei Präferenz und nicht-kampfbezogenem Trauma
> 3 MonateTrauma-fokussierte KVT oder EMDRTypischerweise 8-12 Sitzungen (bei multiplen Traumata mehr)

Hinweis: Unterstützte computergestützte trauma-fokussierte KVT kann bei Präferenz erwogen werden, sofern keine schweren dissoziativen Symptome oder Eigen-/Fremdgefährdung vorliegen.

Medikamentöse Therapie (Erwachsene)

Medikamente sind keine Erstlinientherapie und sollten zur Prävention einer PTBS (insbesondere Benzodiazepine) nicht angeboten werden.

WirkstoffgruppeBeispielIndikationEvidenz / Bemerkung
SSRI / SNRISertralin, VenlafaxinPTBS-DiagnoseNur bei Patientenpräferenz; regelmäßige Überprüfung erforderlich
AntipsychotikaRisperidonSchwere Hyperarousal- oder psychotische SymptomeNur als Add-on zur Psychotherapie; Einstellung durch Spezialisten

Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren dürfen keine medikamentösen Behandlungen zur Prävention oder Therapie der PTBS angeboten werden.

AltersgruppeZeitraum nach TraumaEmpfohlene Therapie
7-17 Jahre< 1 MonatGruppen-Trauma-fokussierte KVT (bei Großschadensereignissen)
5-17 Jahre> 1 MonatIndividuelle Trauma-fokussierte KVT (typischerweise 6-12 Sitzungen)
7-17 Jahre> 3 MonateEMDR (nur wenn KVT nicht wirksam ist oder abgelehnt wird)

Komplexe PTBS und Komorbiditäten

  • Komorbide Depression: In der Regel sollte die PTBS zuerst behandelt werden, da sich die Depression dadurch oft bessert. Eine Ausnahme besteht, wenn die Depression so schwer ist, dass sie die PTBS-Therapie erschwert.
  • Substanzmissbrauch: Patienten dürfen nicht allein aufgrund eines komorbiden Drogen- oder Alkoholmissbrauchs von der Behandlung ausgeschlossen werden.
  • Komplexe PTBS: Es sollte mehr Zeit für den Vertrauensaufbau eingeplant werden (z. B. längere oder zusätzliche Therapiesitzungen). Barrieren wie Dissoziation oder emotionale Dysregulation müssen aktiv gemanagt werden.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei traumatisierten Patienten kein routinemäßiges psychologisches Debriefing durch. Setzen Sie in den ersten 4 Wochen auf 'Active Monitoring' und bieten Sie bei Bedarf frühzeitig eine trauma-fokussierte KVT an.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, da es zur Prävention oder Behandlung der PTBS nicht wirksam ist.
Medikamente sind nicht die erste Wahl. Bei Erwachsenen können SSRI (z. B. Sertralin) oder Venlafaxin erwogen werden, wenn der Patient dies bevorzugt. Bei Kindern sind Medikamente zur PTBS-Behandlung nicht empfohlen.
Die komplexe PTBS umfasst neben den Kernsymptomen zusätzlich schwere Affektdysregulation, negative Selbstwahrnehmung (Scham, Schuld) und anhaltende interpersonelle Probleme.
Bei Erwachsenen ab 1-3 Monaten nach einem nicht-kampfbezogenen Trauma. Bei Kindern (7-17 Jahre) erst nach 3 Monaten und nur, wenn eine trauma-fokussierte KVT nicht anschlägt.
In der Regel wird die PTBS zuerst behandelt, da sich die Depression dadurch oft mitbessert. Ausnahme: Die Depression ist so schwer, dass sie die psychologische PTBS-Therapie unmöglich macht.

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