StatPearls2026

Intensivdelir (ICU-Delir): StatPearls Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Delir ist laut DSM-5-Kriterien durch eine akute Veränderung der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins gekennzeichnet. Diese entwickelt sich über einen kurzen Zeitraum und geht mit zusätzlichen kognitiven Defiziten wie Gedächtnisstörungen oder Orientierungslosigkeit einher.

Auf der Intensivstation (ICU) ist das Delir ein häufiges Phänomen. Bei maschinell beatmeten Personen tritt es in bis zu 80 % der Fälle auf und stellt eine akute Hirnfunktionsstörung dar.

Klinisch werden drei Subtypen unterschieden: das hyperaktive, das hypoaktive und das gemischte Delir. Das hypoaktive Delir wird häufig übersehen und ist mit einer schlechteren Prognose sowie einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert.

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zum Management des Intensivdelirs:

Diagnostik und Monitoring

Für die Diagnose und den Verlauf werden validierte Screening-Instrumente empfohlen. Diese können auch bei endotracheal intubierten Personen angewendet werden.

  • CAM-ICU (Confusion Assessment Method-ICU): Nutzt im ersten Schritt die Richmond Agitation-Sedation Scale (RASS) zur Beurteilung des Bewusstseins.

  • ICDSC (Intensive Care Delirium Screening Checklist): Erfasst acht Items über 24 Stunden, wobei ein Score ab 4 diagnostisch ist.

Prävention

Zur Prävention und Beurteilung wird die Implementierung des ABCDEF-Bündels empfohlen. Dieses umfasst:

  • A: Schmerzbeurteilung und -management

  • B: Spontane Atem- und Aufwachversuche

  • C: Wahl der Sedierung und Analgesie

  • D: Delir-Assessment und -Management

  • E: Frühmobilisation und Training

  • F: Einbindung der Familie

Nicht-medikamentöse Therapie

Die Behandlung der zugrunde liegenden physiologischen Ursache ist von zentraler Bedeutung. Zusätzlich werden folgende Interventionen beschrieben:

  • Korrektur von Elektrolytstörungen und Absetzen auslösender Medikamente

  • Aufrechterhaltung eines normalen Schlaf-Wach-Rhythmus

  • Adressierung sensorischer Einschränkungen (Seh- und Hörhilfen)

  • Förderung von Familienbesuchen und regelmäßige Reorientierung

Medikamentöse Therapie

Es gibt keine Medikamente, die die Dauer eines Delirs nachweislich verkürzen. Zur Symptomkontrolle werden jedoch verschiedene Wirkstoffe eingesetzt:

  • Haloperidol: Häufigste Therapie, besonders beim hyperaktiven Delir.

  • Atypische Antipsychotika: Olanzapin, Risperidon oder Quetiapin als Alternativen.

  • Dexmedetomidin: Kann bei maschinell beatmeten Erwachsenen nützlich sein, wenn ein hyperaktives Delir das Weaning behindert.

  • Kurzwirksame Benzodiazepine: Ausschließlich bei Alkohol- oder Sedativaentzug sowie anfallsbedingtem Delir.

Dosierung

MedikamentDosierungIndikation / Anmerkung
Haloperidol2-10 mg IV (alle 6 h)Besonders bei hyperaktivem Delir
Olanzapin5-10 mg IM (max. 30 mg/Tag)Atypisches Antipsychotikum
Quetiapin50 mg p.o. (max. 400 mg/Tag)Atypisches Antipsychotikum
Risperidon0,5-8 mgAtypisches Antipsychotikum
Dexmedetomidinz. B. 0,1 µg/kg/h (Infusion)Prävention bei maschineller Beatmung

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor spezifischen Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie:

  • QT-Zeit-Verlängerung: Insbesondere bei Haloperidol und Ziprasidon. Ein Ausgangs-EKG wird empfohlen.

  • Extrapyramidale Symptome (EPS): Können als Parkinsonismus, Dystonie oder Akathisie auftreten.

  • Malignes neuroleptisches Syndrom: Eine seltene, aber schwere Komplikation unter Haloperidol.

Zudem wird zur Vorsicht bei der Kombination mit anderen QT-verlängernden Medikamenten (z. B. Antiarrhythmika, Antibiotika, Antiemetika) geraten.

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💡Praxis-Tipp

Das hypoaktive Delir wird im klinischen Alltag häufig übersehen und ist mit einer erhöhten 6-Monats-Mortalität assoziiert. Die Leitlinie betont, dass neu auftretende psychotische Symptome bei älteren Erwachsenen selten eine primäre psychiatrische Erkrankung sind und stets eine Suche nach pharmakologischen oder physiologischen Ursachen erfordern. Physische Fixierungen sollten nur als letztes Mittel, für die kürzestmögliche Zeit und bei spezifischen, die Behandlung gefährdenden Verhaltensweisen eingesetzt werden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie werden validierte Scores wie der CAM-ICU oder die ICDSC empfohlen. Diese können auch bei intubierten Personen zuverlässig angewendet werden.

Es wird zwischen hyperaktivem, hypoaktivem und gemischtem Delir unterschieden. Das gemischte Delir ist mit über 50 % der Fälle am häufigsten.

Die Leitlinie beschreibt, dass kurzwirksame Benzodiazepine ausschließlich bei Alkohol- oder Sedativaentzug nützlich sind. Auch bei einem anfallsbedingten Delir kommen sie zum Einsatz.

Es handelt sich um ein empfohlenes Maßnahmenpaket zur Prävention und Behandlung auf der Intensivstation. Es umfasst unter anderem Schmerzmanagement, Frühmobilisation und die Einbindung der Angehörigen.

Es wird besonders vor einer QT-Zeit-Verlängerung und extrapyramidalen Symptomen gewarnt. Die Leitlinie empfiehlt daher die Anfertigung eines Ausgangs-EKGs.

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Quelle: StatPearls: ICU Delirium (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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