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Delir-Management: Leitlinie zu Prävention & Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Risikopatienten (Alter ab 65, Demenz, Hüftfraktur, schwere Krankheit) benötigen innerhalb von 24 Stunden ein multimodales Präventionsbündel.
  • Zur Diagnostik wird standardmäßig der 4AT-Score empfohlen, auf Intensivstationen der CAM-ICU oder ICDSC.
  • Hypoaktives Delir wird häufig übersehen und erfordert besondere Aufmerksamkeit bei Symptomen wie Rückzug oder reduzierter Mobilität.
  • Bei schwerer Agitation und Gefährdung kann nach erfolgloser Deeskalation kurzzeitig Haloperidol (max. 1 Woche) eingesetzt werden.
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Hintergrund

Ein Delir (akuter Verwirrtheitszustand) ist ein klinisches Syndrom, das durch eine akute und fluktuierende Störung von Bewusstsein, Kognition oder Wahrnehmung gekennzeichnet ist. Es entwickelt sich meist innerhalb von 1 bis 2 Tagen. Die Prävalenz liegt auf internistischen Stationen bei 20–30 % und postoperativ bei 10–50 %.

Man unterscheidet verschiedene Subtypen, wobei Mischformen möglich sind:

SubtypKlinische Merkmale
HyperaktivGesteigerte Erregung, Unruhe, Agitation, Aggressivität
HypoaktivRückzug, verminderte Reaktionen, Schläfrigkeit, reduzierte Mobilität

Hypoaktive Delirien werden im klinischen Alltag besonders häufig übersehen.

Risikofaktoren

Bei Aufnahme ins Krankenhaus oder Pflegeheim muss jeder Patient auf folgende Risikofaktoren gescreent werden. Liegt mindestens einer vor, gilt der Patient als gefährdet:

  • Alter ab 65 Jahre
  • Kognitive Einschränkung oder bekannte Demenz
  • Aktuelle Hüftfraktur
  • Schwere akute Erkrankung (klinische Verschlechterung)

Prävention: Multimodales Bündel

Für Risikopatienten muss innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme ein maßgeschneidertes, multimodales Präventionsbündel durch ein geschultes Team gestartet werden. Verlegungen innerhalb der Klinik sollten strikt vermieden werden.

RisikobereichPräventive Maßnahmen
KognitionAusreichende Beleuchtung, sichtbare Uhren/Kalender, Reorientierung im Gespräch, kognitive Stimulation, Besuche fördern
HydratationAusreichende Flüssigkeitszufuhr sicherstellen, ggf. s.c. oder i.v. Flüssigkeit
HypoxieO2-Sättigung optimieren. Achtung: Pulsoxymeter können Werte bei dunkler Hautfarbe überschätzen
InfektionenUnnötige Katheter vermeiden, Infektionen zügig behandeln
ImmobilitätFrühmobilisation, Gehhilfen bereitstellen, aktive Bewegungsübungen (auch bei Bettlägerigkeit)
SchmerzSchmerzerfassung (auch non-verbal), adäquate Analgesie
PolypharmazieMedikamenten-Review durchführen
SensorikHörgeräte und Sehhilfen nutzen, Cerumen (Ohrenschmalz) entfernen
SchlafPflegerische/medizinische Maßnahmen nachts vermeiden, Lärm reduzieren

Diagnostik und Assessment

Patienten müssen mindestens einmal täglich auf Veränderungen beobachtet werden (z. B. Konzentration, Halluzinationen, Mobilität, Sozialverhalten). Bei Auffälligkeiten ist ein formelles Assessment durchzuführen:

SettingEmpfohlenes Assessment-Tool
Normalstation / Pflegeheim4AT
Intensivstation / AufwachraumCAM-ICU oder ICDSC

Die endgültige Diagnose sollte durch eine erfahrene medizinische Fachkraft gestellt werden. Wichtig: Ist die Unterscheidung zwischen Delir und Demenz unklar, wird primär das Delir behandelt.

Therapie und Management

Die wichtigste Maßnahme bei einem manifesten Delir ist die Identifikation und Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen. Begleitend müssen eine effektive Kommunikation und Reorientierung erfolgen.

Umgang mit agitierten Patienten

  • Primär: Verbale und non-verbale Deeskalationstechniken anwenden.
  • Medikamentös: Nur wenn der Patient stark belastet ist oder eine Gefahr für sich/andere darstellt und Deeskalation ineffektiv war.
  • Haloperidol: Kurzzeitig (in der Regel für 1 Woche oder weniger) in der niedrigsten klinisch wirksamen Dosis. Vorsicht vor kardialen und neurologischen Nebenwirkungen (besonders bei Morbus Parkinson oder Lewy-Körperchen-Demenz).

Klingt das Delir nicht ab, müssen die Ursachen neu evaluiert und der Patient auf eine mögliche Demenz untersucht werden.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie gezielt auf das hypoaktive Delir, das sich durch Rückzug, verlangsamte Reaktionen und Appetitlosigkeit äußert und im Klinikalltag häufig übersehen wird. Bei unklarer Unterscheidung zwischen Delir und Demenz behandeln Sie primär immer das Delir.

Häufig gestellte Fragen

Patienten ab 65 Jahren, mit bekannter Demenz oder kognitiver Einschränkung, akuter Hüftfraktur oder schwerer akuter Erkrankung.
Auf Normalstationen und in Pflegeheimen wird der 4AT empfohlen. Auf Intensivstationen oder im Aufwachraum sollten der CAM-ICU oder ICDSC verwendet werden.
Nur bei starker Belastung oder Eigen-/Fremdgefährdung, wenn verbale und non-verbale Deeskalationstechniken versagt haben. Es sollte maximal für eine Woche in der niedrigsten wirksamen Dosis gegeben werden.
Pulsoxymeter können die Sauerstoffsättigung über- oder unterschätzen. Eine Überschätzung wird insbesondere bei Patienten mit dunkler Hautfarbe beobachtet.

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