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Chronische Hepatitis B: Leitlinie zur Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die transiente Elastographie ist der initiale Test zur Fibrose-Beurteilung; bei Werten ab 11 kPa kann eine Therapie ohne Biopsie gestartet werden.
  • Abnormale ALT-Werte sind strenger definiert: ≥ 30 IU/L bei Männern und ≥ 19 IU/L bei Frauen.
  • Eine antivirale Therapie ist in der Regel ab einer Viruslast von > 2000 IU/ml in Kombination mit erhöhter ALT oder nachgewiesener Fibrose indiziert.
  • Peginterferon alfa-2a (48 Wochen) ist die Erstlinientherapie bei kompensierter Lebererkrankung.
  • Bei dekompensierter Zirrhose ist Peginterferon kontraindiziert; hier kommen Entecavir oder Tenofovir zum Einsatz.
  • Ein 6-monatiges HCC-Screening (Ultraschall und AFP) wird bei signifikanter Fibrose oder Zirrhose empfohlen.
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Hintergrund

Die chronische Hepatitis B erfordert eine präzise Evaluation des Krankheitsstadiums, um den optimalen Zeitpunkt für eine antivirale Therapie zu bestimmen. Ziel ist es, das Fortschreiten zu Zirrhose, Leberversagen und hepatozellulärem Karzinom (HCC) zu verhindern.

Diagnostik und Überweisung

Erwachsene mit positivem HBsAg sollten an einen Spezialisten (Hepatologe, Gastroenterologe oder Infektiologe) überwiesen werden. Zuvor sind in der Primärversorgung folgende Basis-Tests durchzuführen:

  • HBeAg und Anti-HBe-Status
  • HBV-DNA-Level (Viruslast)
  • Koinfektions-Screening: Anti-HBc IgM, Anti-HCV, Anti-HDV, Anti-HIV, Anti-HAV IgG
  • Labor: ALT, AST, GGT, Bilirubin, Albumin, Globuline, Blutbild, Quick-Wert
  • HCC-Screening: Leber-Ultraschall und Alpha-Fetoprotein (AFP)

Beurteilung der Lebererkrankung

Die transiente Elastographie wird als initialer nicht-invasiver Test zur Beurteilung der Leberfibrose empfohlen.

Elastographie-ScoreInterpretation & Maßnahme
≥ 11 kPaZirrhose sehr wahrscheinlich. Antivirale Therapie ohne Leberbiopsie beginnen.
6 - 10 kPaFibrosegrad unklar. Leberbiopsie zur Bestätigung erwägen.
< 6 kPaSignifikante Fibrose unwahrscheinlich. Biopsie nur bei Alter < 30, HBV-DNA > 2000 IU/ml und abnormer ALT.

Indikation zur antiviralen Therapie

Die Indikation richtet sich nach Viruslast, Leberwerten und Fibrosegrad. Abnormale ALT-Werte sind definiert als ≥ 30 IU/L bei Männern und ≥ 19 IU/L bei Frauen (jeweils in 2 Tests im Abstand von 3 Monaten).

PatientengruppeKriterien für Therapiebeginn
Alter ≥ 30 JahreHBV-DNA > 2000 IU/ml und abnormale ALT
Alter < 30 JahreHBV-DNA > 2000 IU/ml und abnormale ALT und Nachweis von Fibrose/Nekroinflammation
Unabhängig vom AlterHBV-DNA > 20.000 IU/ml und abnormale ALT
ZirrhoseNachweisbare HBV-DNA (unabhängig von ALT oder HBeAg-Status)

Therapiestrategien bei kompensierter Lebererkrankung

Adefovir dipivoxil wird für die Behandlung nicht empfohlen.

StufeTherapieBemerkung
1. WahlPeginterferon alfa-2a48-wöchige Therapie. Stopp nach 24 Wochen erwägen, falls HBV-DNA-Abfall < 2 log10 IU/ml.
2. WahlTenofovir disoproxil ODER EntecavirBei Non-Response, Relaps oder Kontraindikation gegen Peginterferon.

Hinweis: Bei dekompensierter Lebererkrankung ist Peginterferon alfa-2a kontraindiziert. Hier ist Entecavir (oder Tenofovir bei Lamivudin-Resistenz) die 1. Wahl.

Schwangerschaft und Stillzeit

  • Schwangere mit HBV-DNA > 10^7 IU/ml im 3. Trimenon sollten Tenofovir disoproxil erhalten, um das Transmissionsrisiko auf das Kind zu senken.
  • Die Therapie wird in der Regel 4 bis 12 Wochen nach der Geburt beendet.
  • Stillen ist sicher und ohne Transmissionsrisiko, sofern das Neugeborene leitliniengerecht immunisiert wurde.

Prophylaxe bei Immunsuppression

Vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie (z.B. Chemotherapie, Organtransplantation) muss der HBsAg- und Anti-HBc-Status geprüft werden.

  • HBsAg-positiv: Prophylaxe mit Entecavir oder Tenofovir (Start vor Immunsuppression, bis mind. 6 Monate nach Beendigung).
  • HBsAg-negativ, Anti-HBc-positiv (unter B-Zell-depletierender Therapie wie Rituximab): Prophylaxe mit Lamivudin.

HCC-Surveillance

Ein regelmäßiges Screening auf ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) mittels Ultraschall und AFP-Bestimmung alle 6 Monate ist indiziert bei:

  • Patienten mit signifikanter Fibrose (METAVIR ≥ F2 oder Ishak ≥ 3)
  • Patienten mit Zirrhose
  • Patienten > 40 Jahre mit positiver Familienanamnese für HCC und HBV-DNA ≥ 20.000 IU/ml (auch ohne signifikante Fibrose).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die transiente Elastographie als primäres Tool zur Fibrose-Einschätzung: Bei Werten ≥ 11 kPa können Sie direkt und ohne Leberbiopsie eine antivirale Therapie einleiten.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie definiert abnormale ALT-Werte strenger als üblich: ≥ 30 IU/L bei Männern und ≥ 19 IU/L bei Frauen.
Eine Biopsie sollte erwogen werden, wenn die transiente Elastographie unklare Werte zwischen 6 und 10 kPa liefert, um den genauen Fibrosegrad zu bestimmen.
Nein, bei dekompensierter Lebererkrankung ist Peginterferon alfa-2a kontraindiziert. Hier kommen Entecavir oder Tenofovir zum Einsatz.
Bei einer hohen Viruslast (> 10^7 IU/ml) im 3. Trimenon wird Tenofovir disoproxil empfohlen, um die Übertragung auf das Kind zu verhindern.
Patienten mit signifikanter Fibrose (METAVIR ≥ F2) oder Zirrhose sollten alle 6 Monate mittels Ultraschall und AFP-Bestimmung gescreent werden.

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