ClariMedClariMed
NICE

Nahrungsmittelallergie bei Kindern: Diagnostik (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die allergiefokussierte Anamnese ist der zwingende erste Schritt vor jeder apparativen Diagnostik.
  • IgE-vermittelte Allergien werden mittels Prick-Test oder spezifischem IgE-Antikörper-Bluttest diagnostiziert.
  • Nicht-IgE-vermittelte Allergien erfordern eine probatorische Eliminationsdiät (2-6 Wochen) mit anschließender Reexposition.
  • Alternative Tests wie Haaranalysen, Kinesiologie oder IgG-Tests werden ausdrücklich nicht empfohlen.
  • Bei Gedeihstörungen, systemischen Reaktionen oder multiplen Allergien sollte eine fachärztliche Überweisung erfolgen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Nahrungsmittelallergien bei Kindern und Jugendlichen (unter 19 Jahren) sind unerwünschte Immunreaktionen auf Nahrungsmittel. Sie werden primär in IgE-vermittelte (meist Soforttyp) und Nicht-IgE-vermittelte (meist verzögerte, T-Zell-vermittelte) Reaktionen unterteilt. Auch Mischformen existieren. Nahrungsmittelintoleranzen (z. B. durch Enzymmangel) sind davon abzugrenzen.

Klinische Symptome

Die Symptomatik unterscheidet sich je nach Pathomechanismus. Bei ausbleibendem Therapieerfolg von atopischen Ekzemen, gastroösophagealem Reflux oder chronischer Obstipation sollte stets an eine Nahrungsmittelallergie gedacht werden.

OrgansystemIgE-vermitteltNicht-IgE-vermittelt
HautPruritus, Erythem, akute Urtikaria, akutes AngioödemPruritus, Erythem, atopisches Ekzem
GastrointestinalAngioödem (Lippen/Zunge/Gaumen), oraler Pruritus, Übelkeit, kolikartige Schmerzen, Erbrechen, DiarrhöReflux, weiche/häufige Stühle, Blut/Schleim im Stuhl, Bauchschmerzen, Säuglingskoliken, Nahrungsverweigerung, Obstipation, perianale Rötung, Blässe/Müdigkeit, Gedeihstörung
RespiratorischObere/untere Atemwegssymptome (Niesen, Rhinorrhoe, Giemen, Atemnot)Untere Atemwegssymptome (Husten, Giemen, Atemnot)
SystemischAnaphylaxie-

Diagnostik

Die allergiefokussierte Anamnese ist der zwingende erste Schritt vor jeder apparativen Diagnostik. Sie erfasst die Atopie-Historie, genaue Symptomdetails (Alter, Geschwindigkeit, Dauer, Schweregrad, Reproduzierbarkeit) und die Ernährungsgeschichte.

IgE-vermittelte Allergie

  • Diagnostik: Prick-Test und/oder spezifische IgE-Antikörper im Blut.
  • Voraussetzung: Prick-Tests dürfen nur bei Vorhandensein einer Notfallausrüstung (Anaphylaxie-Bereitschaft) durchgeführt werden.
  • Kontraindikation: Keine Atopie-Patch-Tests oder orale Provokationen in der Primärversorgung.

Nicht-IgE-vermittelte Allergie

  • Diagnostik: Probatorische Eliminationsdiät für 2–6 Wochen, gefolgt von einer Reexposition.
  • Unterstützung: Hinzuziehung einer Ernährungsfachkraft wird empfohlen.

Überweisungskriterien

Eine Überweisung in die fachärztliche Versorgung sollte unter anderem in folgenden Fällen erwogen werden:

  • Gedeihstörung kombiniert mit gastrointestinalen Symptomen
  • Kein Ansprechen auf eine Einzel-Allergen-Eliminationsdiät
  • Akute systemische oder schwere verzögerte Reaktionen
  • Bestätigte IgE-vermittelte Allergie mit begleitendem Asthma
  • Signifikantes atopisches Ekzem bei Verdacht auf multiple Allergien
  • Anhaltender elterlicher Verdacht trotz fehlender Anamnese oder negativer Tests

Nicht empfohlene Verfahren

Die Leitlinie rät ausdrücklich von folgenden alternativen Diagnoseverfahren ab:

  • Vega-Test
  • Angewandte Kinesiologie
  • Haaranalyse
  • Serum-spezifische IgG-Testung

💡Praxis-Tipp

Führen Sie niemals Allergietests ohne vorherige allergiefokussierte Anamnese durch. Bei Verdacht auf eine Nicht-IgE-vermittelte Allergie ist die 2- bis 6-wöchige Eliminationsdiät mit anschließender Reexposition der diagnostische Goldstandard in der Primärversorgung.

Häufig gestellte Fragen

IgE-vermittelte Reaktionen treten meist sofort auf (z.B. Urtikaria, Anaphylaxie). Nicht-IgE-vermittelte Reaktionen zeigen sich verzögert, oft mit gastrointestinalen Symptomen oder atopischem Ekzem.
Die Leitlinie rät ausdrücklich von der Verwendung serum-spezifischer IgG-Tests zur Diagnose von Nahrungsmittelallergien ab.
Unter anderem bei Gedeihstörungen, akuten systemischen Reaktionen, schwerem Asthma bei bestätigter IgE-Allergie oder wenn multiple Allergien vermutet werden.
Nein, die Leitlinie empfiehlt, orale Provokationstests zur Diagnose IgE-vermittelter Allergien nicht in der Primärversorgung durchzuführen.

Verwandte Leitlinien