Migräneprophylaxe: Akupunktur vs. Pharmakotherapie
Hintergrund
Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, die durch mittel- bis schwergradige, oft einseitige Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Zur Prophylaxe werden standardmäßig Medikamente wie Betablocker, Flunarizin, Topiramat oder neuere CGRP-Antikörper eingesetzt.
Die klassische manuelle Akupunktur mit Nadeln stellt ein zentrales Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) dar. Sie wird zunehmend als komplementärmedizinische Option zur Schmerzlinderung und Migräneprophylaxe diskutiert.
Der vorliegende Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht den Nutzen der Akupunktur im Vergleich zu einer medikamentösen Prophylaxe. Die Bewertung basiert auf fünf randomisierten kontrollierten Studien.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert basierend auf der Studienlage folgende Kernaussagen zur Wirksamkeit und Sicherheit der manuellen Akupunktur im Vergleich zur medikamentösen Prophylaxe.
Übersicht der Evidenzbewertung
| Endpunkt | Zeitraum | Evidenzgrad (IQWiG) | Begünstigte Therapie |
|---|---|---|---|
| Kopfschmerzhäufigkeit | 3 bis 4 Monate | Anhaltspunkt für höheren Nutzen | Akupunktur |
| Kopfschmerzintensität | 6 Monate | Kein Anhaltspunkt für Unterschied | - |
| Lebensqualität (SF-36) | 3 bis 4 Monate | Anhaltspunkt für höheren Nutzen | Akupunktur |
| Alltagsaktivitäten (MIDAS) | 3 bis 4 Monate | Anhaltspunkt für höheren Nutzen | Akupunktur |
| Nebenwirkungen | Studienende | Anhaltspunkt für geringeren Schaden | Akupunktur |
Wirksamkeit auf die Migränesymptomatik
Laut Bericht ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der manuellen Akupunktur im Vergleich zur medikamentösen Prophylaxe (Flunarizin, Topiramat, Onabotulinumtoxin A) für den Zeitraum von 3 bis 4 Monaten. Dies betrifft insbesondere die Reduktion von Kopfschmerztagen bei chronischer Migräne.
Für den Zeitpunkt 6 Monate nach Studienbeginn lässt sich laut Bericht kein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen ableiten.
Einschränkungen der Evidenz
Der Bericht weist auf methodische und inhaltliche Limitationen der eingeschlossenen Studien hin:
-
Es liegen keine Daten zum Vergleich mit Betablockern oder neueren CGRP-Antikörpern vor.
-
Die Übertragbarkeit auf den deutschen Versorgungskontext wird als eingeschränkt bewertet.
-
Das Verzerrungspotenzial der Studien wird endpunktübergreifend als hoch eingestuft.
Kontraindikationen
Der Bericht vergleicht das Nebenwirkungsprofil der Akupunktur mit dem der medikamentösen Prophylaxe:
-
Es ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden durch die manuelle Akupunktur.
-
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) traten unter Akupunktur in den Studien nicht auf.
-
Häufige, aber milde Nebenwirkungen der Akupunktur umfassen lokale Blutungen, Hämatome und Schmerzen an den Einstichstellen.
-
Die medikamentösen Vergleichstherapien zeigten häufiger systemische Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Gewichtszunahme, Schwindel oder Verdauungsstörungen.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht weist darauf hin, dass die Akupunktur zwar kurzfristig (3 bis 4 Monate) Vorteile gegenüber älteren Prophylaktika wie Topiramat oder Flunarizin zeigen kann, jedoch vergleichende Daten zu aktuellen Standardtherapien wie Betablockern oder CGRP-Antikörpern fehlen. Es wird betont, dass die Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf den aktuellen deutschen Versorgungsalltag daher limitiert ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gibt es für den Zeitraum von 3 bis 4 Monaten einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der Akupunktur gegenüber bestimmten älteren Medikamenten. Für Zeiträume ab 6 Monaten ließ sich kein Vorteil mehr nachweisen.
Der Bericht beschreibt das Verfahren als nebenwirkungsarm, wobei ein Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden im Vergleich zur Medikation abgeleitet wird. Am häufigsten werden milde lokale Reaktionen wie kleine Blutungen, Hämatome oder Schmerzen an der Einstichstelle beobachtet.
Der vorliegende Bericht identifizierte keine Studien, die manuelle Akupunktur mit neueren CGRP-Antikörpern oder den in Deutschland häufig eingesetzten Betablockern vergleichen. Die Vergleichsmedikamente in den Studien beschränkten sich auf Flunarizin, Topiramat und Onabotulinumtoxin A.
Die in den Bericht eingeschlossenen Studien nutzten heterogene Schemata, meist mit mindestens 12 Sitzungen verteilt über 3 bis 6 Monate. Der Bericht leitet daraus ab, dass sich kein eindeutiges Muster für die optimale Anzahl und Frequenz der Sitzungen definieren lässt.
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Quelle: IQWiG N25-01: Akupunktur zur Prophylaxe bei Migräne (IQWiG, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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