SIGN2016Onkologie

Kolorektales Karzinom: Diagnostik, Therapie & Nachsorge

Diese Leitlinie stammt aus 2016 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2016)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das kolorektale Karzinom gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen und ist eine der führenden krebsbedingten Todesursachen. Die SIGN-Leitlinie 126 fasst die aktuelle Evidenz zu Prävention, Diagnostik und Management der Erkrankung zusammen.

Obwohl die Inzidenz- und Mortalitätsraten in den letzten Jahren gesunken sind, stellen Lebensstilfaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und Alkoholkonsum weiterhin signifikante Risiken dar.

Ein multidisziplinärer Ansatz ist für die effektive Behandlung essenziell. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen chirurgischen, onkologischen und pathologischen Fachbereichen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management des Kolorektalkarzinoms:

Prävention und Screening

  • Beibehaltung eines normalen Body-Mass-Index und regelmäßige körperliche Aktivität (Evidenzgrad D).

  • Begrenzung des Verzehrs von rotem Fleisch auf unter 500 g pro Woche und Verzicht auf verarbeitetes Fleisch (Evidenzgrad D).

  • Durchführung eines populationsbasierten Screenings mittels quantitativem fäkalem immunochemischem Test (FIT) (Evidenzgrad A).

Überweisung und Diagnostik

  • Personen über 40 Jahre mit neu aufgetretenen, anhaltenden oder wiederkehrenden rektalen Blutungen sollten zur weiteren Abklärung überwiesen werden (Evidenzgrad B).

  • Bei allen symptomatischen Personen wird ein Blutbild empfohlen, um eine Eisenmangelanämie auszuschließen (Evidenzgrad B).

  • Die Koloskopie wird als hochsensitive Methode zur Diagnose, Biopsie und Polypektomie empfohlen (Evidenzgrad D). Alternativ kann eine CT-Kolonographie erfolgen (Evidenzgrad C).

  • Für das initiale Staging wird ein kontrastmittelverstärktes CT von Thorax, Abdomen und Becken empfohlen (Evidenzgrad D). Bei Rektumkarzinomen ist ein MRT zur lokalen Stadieneinteilung indiziert (Evidenzgrad C).

Chirurgische Therapie

  • Bei Rektumkarzinomen wird eine totale mesorektale Exzision (TME) empfohlen, sofern eine radikale Operation möglich ist (Evidenzgrad C).

  • Bei Kolonkarzinomen wird eine radikale Resektion mit kompletter mesokolischer Exzision und zentraler Gefäßligatur empfohlen (Evidenzgrad C).

  • Eine präoperative mechanische Darmreinigung wird spezifisch für Personen empfohlen, die sich einer restaurativen Rektumresektion unterziehen (Evidenzgrad B).

Medikamentöse und radiologische Therapie

  • Eine adjuvante Chemotherapie wird bei einem Kolorektalkarzinom im Stadium III empfohlen (Evidenzgrad A).

  • Bei metastasiertem Kolorektalkarzinom sollte die Therapiestrategie interdisziplinär festgelegt werden, wobei Kombinationschemotherapien (z. B. mit Oxaliplatin oder Irinotecan) bevorzugt werden (Evidenzgrad A).

  • Bei Rektumkarzinomen mit moderatem Lokalrezidivrisiko kann eine präoperative Kurzzeit-Radiotherapie (25 Gy in 5 Fraktionen) erwogen werden (Evidenzgrad A).

Überwachung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Die Leitlinie stratifiziert die Überwachungsintervalle bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn nach 10 Jahren Krankheitsdauer wie folgt:

RisikogruppeBeschreibungÜberwachungsintervall
Geringes RisikoAusgedehnte Colitis ohne aktive Entzündung, linksseitige Colitis oder Crohn-Colitis (<50% des Kolons)Koloskopie alle 5 Jahre
Mittleres RisikoAusgedehnte Colitis mit milder Entzündung, post-entzündliche Polypen oder familiäre VorbelastungKoloskopie alle 3 Jahre
Hohes RisikoAusgedehnte Colitis mit mittelschwerer/schwerer Entzündung, Strikturen, Dysplasien oder primär sklerosierende CholangitisJährliche Koloskopie

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät vom Einsatz einer Hormonersatztherapie (HRT) zur spezifischen Prävention des Kolorektalkarzinoms ab (Evidenzgrad B).

Es wird davor gewarnt, Stents als Überbrückung zur Operation bei Personen einzusetzen, die für eine sofortige Resektion geeignet sind. Dies sollte laut Leitlinie nur im Rahmen von randomisierten kontrollierten Studien erfolgen, da ein Risiko für Kolonperforationen besteht.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein negativer Tastbefund bei der digital-rektalen Untersuchung schließt ein Kolorektalkarzinom nicht aus und darf eine notwendige Überweisung bei Vorliegen von Warnsymptomen wie rektalen Blutungen nicht verzögern. Die Leitlinie betont zudem, dass eine präoperative mechanische Darmreinigung bei elektiven Eingriffen nur noch bei restaurativen Rektumresektionen einen belegten Nutzen zeigt.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine Überweisung zur weiteren Abklärung bei allen Personen über 40 Jahren empfohlen, die neu aufgetretene, anhaltende oder wiederkehrende rektale Blutungen aufweisen. Bei jüngeren Personen mit transienten Symptomen kann zunächst eine abwartende Haltung eingenommen werden.

Für das lokale Staging eines Rektumkarzinoms empfiehlt die Leitlinie primär eine MRT-Untersuchung des Beckens. Zur Beurteilung von Fernmetastasen sollte ergänzend ein kontrastmittelverstärktes CT von Thorax, Abdomen und Becken durchgeführt werden.

Die Überwachungsintervalle richten sich nach dem Risikoprofil. Bei ein bis zwei kleinen Adenomen (<1 cm) reicht laut Leitlinie eine Kontrolle nach fünf Jahren, während bei multiplen (≥5) oder großen Adenomen (≥1 cm) eine jährliche Kontrolle empfohlen wird.

Die Leitlinie stellt fest, dass die Entscheidung für eine adjuvante Chemotherapie im Stadium II individuell abgewogen werden muss. Dabei sollten das Alter, Begleiterkrankungen und pathologische Risikofaktoren wie eine T4-Infiltration oder eine extramurale Gefäßinvasion berücksichtigt werden.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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