Darmkrebs-Screening: USPSTF-Leitlinie (2021)
📋Auf einen Blick
- •Das Darmkrebs-Screening wird für alle Erwachsenen mit durchschnittlichem Risiko ab 45 Jahren empfohlen (zuvor ab 50 Jahren).
- •Für Erwachsene zwischen 50 und 75 Jahren besteht ein hoher Nettonutzen für das Screening (Empfehlungsgrad A).
- •Für die Altersgruppe 45 bis 49 Jahre besteht ein moderater Nettonutzen (Empfehlungsgrad B).
- •Bei Personen zwischen 76 und 85 Jahren sollte die Entscheidung zum Screening individuell getroffen werden (Empfehlungsgrad C).
- •Jeder auffällige stuhlbasierte oder bildgebende Screening-Test muss zwingend durch eine Koloskopie abgeklärt werden.
Hintergrund
Das kolorektale Karzinom ist eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen. Da die Inzidenz bei jüngeren Erwachsenen (insbesondere in der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen) in den letzten Jahren gestiegen ist, hat die US Preventive Services Task Force (USPSTF) ihre Leitlinie von 2016 aktualisiert. Die wichtigste Neuerung ist die Vorverlegung des Screening-Beginns auf 45 Jahre für asymptomatische Erwachsene mit durchschnittlichem Risiko.
Empfehlungen nach Altersgruppen
Die USPSTF teilt ihre Empfehlungen basierend auf dem Alter und dem ermittelten Nettonutzen ein:
| Altersgruppe | Empfehlung | Nettonutzen |
|---|---|---|
| 45 bis 49 Jahre | Screening anbieten (Grad B) | Moderat |
| 50 bis 75 Jahre | Routinemäßiges Screening (Grad A) | Substanziell |
| 76 bis 85 Jahre | Individuelle Entscheidung (Grad C) | Gering (abhängig von Komorbiditäten und Lebenserwartung) |
| > 85 Jahre | Kein Screening mehr | Kein Überlebensvorteil zu erwarten |
Hinweis: Diese Empfehlungen gelten für asymptomatische Erwachsene ohne familiäre Vorbelastung für genetische Syndrome (wie Lynch-Syndrom) oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
Empfohlene Screening-Verfahren und Intervalle
Die Leitlinie bewertet verschiedene stuhlbasierte und direkte Visualisierungsverfahren als effektiv. Es gibt keine präferierte Methode; die Wahl sollte nach Patientenpräferenz und Verfügbarkeit getroffen werden.
| Screening-Methode | Empfohlenes Intervall | Bemerkung |
|---|---|---|
| Stuhlbasierte Tests | ||
| FIT (Fäkaler immunchemischer Test) | Jedes Jahr | Hohe Sensitivität, keine Diätvorschriften |
| Hochsensitiver gFOBT | Jedes Jahr | Erfordert 3 Stuhlproben und Diätvorschriften |
| sDNA-FIT (Multitarget-Stuhl-DNA) | Alle 1 bis 3 Jahre | Höhere Sensitivität als FIT, aber geringere Spezifität (mehr falsch-positive Ergebnisse) |
| Direkte Visualisierung | ||
| Koloskopie | Alle 10 Jahre | Längstes Intervall, erfordert Darmvorbereitung und Sedierung |
| CT-Kolonographie | Alle 5 Jahre | Keine Sedierung nötig, kann extrakolonische Befunde zeigen |
| Flexible Sigmoidoskopie | Alle 5 Jahre | Untersucht nur das Rektum und den absteigenden Teil des Kolons |
| Sigmoidoskopie + FIT | Sigmoidoskopie alle 10 Jahre + FIT jährlich | Kombination bietet ähnlichen Nutzen wie Koloskopie |
Wichtig: Jeder auffällige Befund in einem stuhlbasierten Test, einer CT-Kolonographie oder einer flexiblen Sigmoidoskopie muss zwingend durch eine Koloskopie abgeklärt werden, um den Nutzen des Screenings zu gewährleisten. Serumbasierte Tests, Urintests oder die Kapselendoskopie werden aufgrund unzureichender Evidenz nicht empfohlen.
Spezifische Patientengruppen
- Schwarze Erwachsene: Diese Gruppe weist die höchste Inzidenz und Mortalität für kolorektale Karzinome auf. Die USPSTF empfiehlt auch hier den Screening-Beginn ab 45 Jahren und betont die Wichtigkeit, den Zugang zu qualitativ hochwertigem Screening und Follow-up in dieser Population sicherzustellen.
- Personen mit erhöhtem Risiko: Alter ist der wichtigste Risikofaktor. Weitere Faktoren sind männliches Geschlecht, familiäre Vorbelastung, Adipositas, Diabetes, langjähriges Rauchen und ungesunder Alkoholkonsum. Das Screening wird jedoch allen Erwachsenen ab 45 Jahren angeboten, unabhängig vom Vorliegen dieser zusätzlichen Risikofaktoren.
Risiken und Komplikationen
Die primären Risiken des Screenings entstehen durch die Koloskopie (entweder als primäres Screening oder als Follow-up).
- Blutungen und Perforationen: Die Raten für schwere Blutungen liegen bei ca. 14,6 pro 10.000 Screening-Koloskopien, für Perforationen bei 3,1 pro 10.000. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.
- CT-Kolonographie: Strahlenbelastung (0,8 bis 5,3 mSv) und extrakolonische Zufallsbefunde (bei 1,3 % bis 11,4 % der Untersuchungen), die weitere Abklärungen nach sich ziehen können.
💡Praxis-Tipp
Bieten Sie das Darmkrebs-Screening nun routinemäßig bereits ab 45 Jahren an. Klären Sie Patienten darüber auf, dass bei einem positiven Stuhltest zwingend eine Koloskopie folgen muss.