Körperliche Fixierung (FEM): Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Körperliche Fixierungen (wie Bettgitter oder Gurte) werden in der Langzeitpflege häufig eingesetzt, meist um Stürze zu vermeiden. Der vorliegende Cochrane Review zeigt jedoch, dass diese Maßnahmen Stürze nicht effektiv verhindern und stattdessen zu negativen Folgen wie verminderter Mobilität oder direkten Verletzungen führen können.
Aus diesem Grund empfehlen Leitlinien zunehmend eine pflegerische Umgebung, die auf freiheitsentziehende Maßnahmen verzichtet. Der Review untersucht verschiedene Interventionsansätze, um den Einsatz von Fixierungen bei älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen zu reduzieren.
Dabei werden vor allem komplexe organisatorische Maßnahmen, einfache Schulungsprogramme für das Personal sowie die Bereitstellung von Informationen zum individuellen Sturzrisiko miteinander verglichen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Evidenzlage folgende Kernaussagen zur Wirksamkeit unterschiedlicher Interventionen.
Zur Übersicht der verschiedenen Ansätze und ihrer Effekte:
| Interventionstyp | Auswirkungen auf Fixierungsraten | Auswirkungen auf Stürze | Vertrauenswürdigkeit der Evidenz |
|---|---|---|---|
| Organisatorische Maßnahmen | Wahrscheinliche Reduktion (insb. Gurte) | Kein oder geringer Unterschied | Moderat bis Niedrig |
| Einfache Schulungsmaßnahmen | Uneinheitlich / Unklar | Kein oder geringer Unterschied | Sehr niedrig bis Niedrig |
| Sturzrisiko-Informationen | Kein oder geringer Unterschied | Kein oder geringer Unterschied | Niedrig |
Organisatorische Maßnahmen
Komplexe organisatorische Maßnahmen, die auf die Umsetzung einer Richtlinie zur minimalen Einschränkung abzielen, stellen laut Review den vielversprechendsten Ansatz dar. Diese beinhalten meist die Schulung von Multiplikatoren (Champions) sowie Veränderungen der institutionellen Pflegekultur.
Die Autoren fassen folgende Effekte zusammen:
-
Die Anzahl der Bewohner mit mindestens einer körperlichen Fixierung wird wahrscheinlich reduziert (moderate Vertrauenswürdigkeit).
-
Der Einsatz von Gurten zur Ruhigstellung wird wahrscheinlich stark verringert (moderate Vertrauenswürdigkeit).
-
Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Reduktion von Fixierungen zu einem Anstieg von Stürzen oder sturzbedingten Verletzungen führt.
Einfache Schulungsmaßnahmen
Interventionen, die sich ausschließlich auf die Aufklärung und Schulung des Pflegepersonals beschränken, ohne organisatorische Veränderungen einzubinden, scheinen ineffektiv zu sein.
-
Die Evidenz zur Reduktion von Fixierungen durch reine Schulungen ist uneinheitlich und sehr unsicher.
-
Es zeigt sich wahrscheinlich kein Unterschied in der Intensität der Fixierungsmaßnahmen.
Sturzrisiko-Informationen
Die alleinige Bereitstellung von Informationen über das individuelle Sturzrisiko der Bewohner an das Pflegepersonal führt laut Review zu keinem oder nur einem geringen Unterschied bei der Anwendung von Fixierungen.
💡Praxis-Tipp
Der Review betont, dass körperliche Fixierungen nicht vor Stürzen schützen, sondern das Sturzrisiko sogar erhöhen können. Es wird hervorgehoben, dass eine erfolgreiche Reduktion von Fixierungen in Pflegeeinrichtungen nicht allein durch Personalschulungen erreicht wird, sondern einen institutionellen Kulturwandel erfordert.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass eine Reduktion körperlicher Fixierungen nicht mit einem Anstieg von Stürzen oder sturzbedingten Verletzungen einhergeht. Fixierungen werden nicht als wirksames Mittel zur Sturzprävention bewertet.
Laut Review sind komplexe organisatorische Maßnahmen am wirksamsten. Diese kombinieren Personalschulungen mit der Ausbildung von Multiplikatoren und zielen auf eine Änderung der gesamten Pflegekultur ab.
Die Autoren schlussfolgern, dass einfache Aufklärungsmaßnahmen ohne einen begleitenden organisatorischen Ansatz ineffektiv zu sein scheinen. Die Evidenz zeigt hier keine verlässliche Reduktion der Fixierungsraten.
Ja, der Review schließt Bettgitter explizit in die Definition von körperlichen Fixierungen ein. Sie stellen in Pflegeheimen die am häufigsten verwendete Methode der freiheitsentziehenden Maßnahmen dar.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for preventing and reducing the use of physical restraints for older people in all long-term care settings (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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