Hyperbare Sauerstofftherapie bei Brandwunden: IQWiG
Hintergrund
Die Behandlung von Brandwunden richtet sich nach dem Ausmaß der Gewebeschädigung und dem Allgemeinzustand. In der Initialphase schwerer Verbrennungen stehen die Flüssigkeitstherapie und die Schmerzbehandlung im Vordergrund.
Die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) wird als mögliches adjuvantes Verfahren diskutiert. Hierbei atmen die Betroffenen reinen Sauerstoff unter erhöhtem Umgebungsdruck (meist 2 bis 3 bar) in einer speziellen Druckkammer ein.
Ziel der HBO ist es, die Sauerstoffversorgung im Gewebe zu maximieren und dadurch ein weiteres Absterben von Zellen zu verhindern. Zudem wird pathophysiologisch ein positiver Effekt auf die Ödemrückbildung und die Infektionsabwehr vermutet.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht evaluiert den Nutzen der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) bei Verbrennungswunden und formuliert folgende Kernaussagen:
Evidenzbewertung der Therapie
Laut Bericht ist die Evidenzlage zum möglichen Nutzen und Schaden der HBO bei Brandwunden mangelhaft. Es wird festgestellt, dass der therapeutische Stellenwert wissenschaftlich nicht zuverlässig beschreibbar ist.
Die eingeschlossenen Studien weisen gemäß der Bewertung grobe methodische Mängel auf. In den untersuchten Endpunkten wie Mortalität zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede zur alleinigen Standardtherapie.
Klassifikation von Verbrennungen
Die Einschätzung der Verbrennungsschwere ist für die Therapieplanung essenziell. Der Bericht führt folgende Gradeinteilung auf:
| Grad | Äußeres Erscheinungsbild | Ausheilung |
|---|---|---|
| I | Rötung, Schwellung, Schmerz | Spontan ohne Narben |
| IIa | Rötung, Blasenbildung (feucht), Schmerz | Ohne Narbenbildung |
| IIb | Blässe, Blasenbildung (trocken), Schmerz | Mit Narbenbildung |
| III | Nekrosen, grauweiß-schwarz, Analgesie | Defektheilung |
| IV | Tiefe Nekrosen, grauweiß-schwarz, Analgesie | Defektheilung |
Prognostisches Scoring
Zur internationalen Klassifikation der Verbrennungsschwere wird der Abbreviated Burn Severity Index (ABSI) herangezogen. Dieser Score korreliert stark mit der Überlebenswahrscheinlichkeit und den Komplikationsraten.
| Parameter | Relevante Faktoren für die Punktevergabe |
|---|---|
| Geschlecht | Weibliches Geschlecht ergibt Zusatzpunkte |
| Alter | Steigende Punktzahl mit zunehmendem Lebensalter |
| Verbrannte Körperoberfläche | Gestaffelte Punkte je nach Prozentanteil (TBSA) |
| Begleitverletzungen | Vorliegen eines Inhalationstraumas |
| Verbrennungstiefe | Vorliegen von Verbrennungen 3. oder 4. Grades |
Mögliche Nebenwirkungen der HBO
Obwohl schwere Nebenwirkungen selten sind (unter 0,1 %), listet der Bericht folgende mögliche Komplikationen der HBO auf:
-
Reversible Sehstörungen durch direkte Sauerstoffwirkung auf die Linse
-
Tracheobronchiale Reizungen und gelegentlich Krampfanfälle
-
Barotraumen am Trommelfell bis hin zur Ruptur
-
Klaustrophobie als unspezifische Nebenwirkung
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht lässt sich aus der aktuellen Studienlage kein verlässlicher Nutzen für den routinemäßigen Einsatz der hyperbaren Sauerstofftherapie bei Brandwunden ableiten. Es wird impliziert, dass die etablierte Standardtherapie mit chirurgischem Debridement, Volumengabe und Infektionskontrolle weiterhin die unangefochtene Grundlage der Verbrennungsmedizin bildet.
Häufig gestellte Fragen
Laut Bericht erfolgt die Klassifikation üblicherweise anhand des Abbreviated Burn Severity Index (ABSI). Dieser Score berücksichtigt Faktoren wie Alter, verbrannte Körperoberfläche und das Vorliegen eines Inhalationstraumas.
Der IQWiG-Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Evidenzlage quantitativ und qualitativ mangelhaft ist. Ein möglicher Nutzen oder Schaden der Therapie lässt sich wissenschaftlich derzeit nicht zuverlässig belegen.
In der praktischen Anwendung sind laut Bericht Drücke von 2 bis 3 bar (Atmosphären absolut) üblich. Die Behandelten atmen dabei in einer Druckkammer reinen Sauerstoff über eine Maske oder ein Kopfzelt ein.
Es wird beschrieben, dass es zu reversiblen Sehstörungen, Barotraumen am Trommelfell oder Klaustrophobie kommen kann. Schwere Nebenwirkungen treten dem Bericht zufolge jedoch in weniger als 0,1 Prozent der Fälle auf.
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Quelle: IQWiG N06-01A: Hyperbare Sauerstofftherapie bei Brandwunden (IQWiG, 2009). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.