Vertebrale Osteomyelitis (NVO): IDSA-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Die Diagnose einer NVO sollte bei neuem Rückenschmerz kombiniert mit Fieber, erhöhten Entzündungswerten oder Bakteriämie erwogen werden.
- •Das MRT der Wirbelsäule ist die Bildgebung der Wahl.
- •Vor Beginn einer empirischen Antibiose sollten 2 Blutkultur-Sets abgenommen und, falls negativ, eine bildgesteuerte Biopsie durchgeführt werden.
- •Die Standard-Therapiedauer der bakteriellen NVO beträgt 6 Wochen.
- •Ein routinemäßiges Verlaufs-MRT wird bei gutem klinischen Ansprechen nicht empfohlen.
Hintergrund
Die native vertebrale Osteomyelitis (NVO) bei Erwachsenen entsteht meist durch hämatogene Streuung in den Bandscheibenraum. Da die Symptome anfangs oft degenerativen Prozessen ähneln, verzögert sich die Diagnose häufig um mehrere Monate. Der mit Abstand häufigste Erreger ist Staphylococcus aureus.
Klinische Diagnostik
An eine NVO sollte zwingend gedacht werden bei Patienten mit:
- Neuem oder sich verschlechterndem Rücken- oder Nackenschmerz und Fieber
- Neuem Rückenschmerz und erhöhten Entzündungsparametern (BSG oder CRP)
- Rückenschmerz und einer Bakteriämie (insbesondere S. aureus) oder infektiösen Endokarditis
- Fieber und neuen neurologischen Symptomen
Bildgebung und Labor
| Diagnostik | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| MRT der Wirbelsäule | Mittel der Wahl | Höchste Sensitivität zur Frühdiagnostik |
| Alternative Bildgebung | Bei MRT-Kontraindikation | Gallium/Tc99-Knochenszintigraphie, CT oder PET-CT |
| Blutkulturen | Obligat | 2 Sets (aerob und anaerob) vor Antibiotikagabe |
| Entzündungsparameter | Obligat | BSG und CRP als Ausgangswerte |
Biopsie und Erregernachweis
Eine bildgesteuerte Aspirationsbiopsie wird empfohlen, wenn Blutkulturen oder Serologien keinen Erreger nachweisen konnten.
- Ausnahme: Bei nachgewiesener Bakteriämie mit S. aureus, S. lugdunensis oder Brucella spp. und passender Bildgebung ist in der Regel keine Biopsie nötig.
- Zeitpunkt: Die kalkulierte Antibiose sollte bis zur Biopsie pausiert werden, um die Kulturausbeute zu erhöhen.
- Notfall: Bei hämodynamischer Instabilität, Sepsis oder progredienten neurologischen Ausfällen muss sofort eine empirische Antibiose und ggf. eine chirurgische Intervention erfolgen.
Therapie
Die definitive Therapie richtet sich nach dem Antibiogramm. Eine empirische Therapie sollte Staphylokokken (inkl. MRSA), Streptokokken und gramnegative Stäbchen abdecken.
| Erreger / Situation | Therapiedauer | Bemerkung |
|---|---|---|
| Bakterielle NVO | 6 Wochen | Parenteral oder hoch bioverfügbar oral |
| Brucella spp. | 3 Monate | Längere Therapiedauer zwingend erforderlich |
OP-Indikationen
Eine chirurgische Intervention (Debridement/Stabilisierung) ist indiziert bei:
- Progredienten neurologischen Defiziten
- Progredienter Deformität oder spinaler Instabilität
- Persistierender oder rezidivierender Bakteriämie trotz adäquater Antibiose
- Schmerzexazerbation trotz adäquater medizinischer Therapie
Verlaufs- und Therapiekontrolle
- Labor: Kontrolle von BSG und CRP nach ca. 4 Wochen Therapie.
- Bildgebung: Ein routinemäßiges Verlaufs-MRT bei gutem klinischem Ansprechen wird ausdrücklich nicht empfohlen, da radiologische Veränderungen der klinischen Besserung oft hinterherhinken.
- Ein Verlaufs-MRT ist nur bei schlechtem klinischen Ansprechen (Verdacht auf Therapieversagen) indiziert, um epidurale oder paraspinale Weichteilveränderungen zu beurteilen.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei gutem klinischen und laborchemischen Ansprechen auf ein routinemäßiges Verlaufs-MRT. Radiologische Entzündungszeichen können noch Monate nach erfolgreicher Ausheilung persistieren und verleiten oft zu unnötigen Therapieverlängerungen.