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Infectious Diseases Society of America (IDSA)2025InfektiologieInfection Control

Sterilisation & HLD von Medizinprodukten: Leitlinie (SHEA)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Infectious Diseases Society of America (IDSA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die strikte Einhaltung der Herstelleranweisungen (MIFUs) ist zwingend erforderlich.
  • Die Point-of-Use-Behandlung muss sofort erfolgen, um das Antrocknen von Verunreinigungen zu verhindern.
  • Automatisierte HLD-Prozesse sind manuellen Verfahren aufgrund höherer Zuverlässigkeit vorzuziehen.
  • Routine-Kulturen zur Überprüfung der HLD-Wirksamkeit werden nicht empfohlen.
  • Für Hochrisiko-Endoskope sollten bevorzugt Einwegkomponenten oder sterile Einweg-Geräte verwendet werden.
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Hintergrund

Die korrekte Aufbereitung von Medizinprodukten ist essenziell zur Vermeidung nosokomialer Infektionen. Die Leitlinie basiert auf der etablierten Spaulding-Klassifikation, welche die Art der Aufbereitung an das Infektionsrisiko koppelt. Die strikte Einhaltung der Herstelleranweisungen (MIFUs - Manufacturer's Instructions for Use) ist für alle Schritte bindend.

KategorieDefinitionAufbereitung
KritischKontakt mit sterilem Gewebe oder GefäßsystemSterilisation
SemikritischKontakt mit Schleimhäuten oder nicht-intakter HautSterilisation oder High-Level-Desinfektion (HLD)
Nicht-kritischKontakt mit intakter HautLow-Level-Desinfektion

Point-of-Use-Behandlung und Transport

Die Vorbereitung zur Reinigung beginnt direkt am Einsatzort (Point-of-Use).

  • Sofortige Behandlung: Unmittelbar nach der Nutzung durchführen, um das Antrocknen von Schmutz und Biofilmbildung zu verhindern.
  • Feuchtigkeit erhalten: Instrumente müssen bis zur eigentlichen Reinigung feucht gehalten werden (z.B. durch spezielle Gele oder Tücher).
  • Keine Fixantien: Alkohol oder andere fixierende Substanzen dürfen nicht verwendet werden.
  • Transport: Kontaminierte Instrumente müssen in geschlossenen, flüssigkeitsdichten und stichfesten Behältern transportiert werden.

Reinigung und Vorbereitung

Die Reinigung ist der wichtigste Schritt vor der Sterilisation oder HLD. Verbleibende organische Reste können den Sterilisationsprozess blockieren.

  • Manuelle Reinigung: Demontage und Reinigung gemäß MIFU.
  • Maschinelle Reinigung: Nach der manuellen Vorreinigung sollten bevorzugt mechanische Reinigungs- und Desinfektionsgeräte (RDG), ggf. mit Ultraschall, genutzt werden.
  • Wasserqualität: Muss den Vorgaben der MIFU entsprechen. Routinemäßige Wasseruntersuchungen am Point-of-Use werden nicht empfohlen (außer bei Ausbrüchen).

Sterilisation und Monitoring

Die Wirksamkeit der Sterilisation muss kontinuierlich überwacht werden.

Indikator-TypAnwendungBemerkung
PhysikalischBei jeder SterilisationÜberprüfung von Zeit, Temperatur, Druck
ChemischBei jeder SterilisationTyp 5 Indikatoren zwingend bei Implantaten
BiologischRegelmäßig (z.B. wöchentlich/täglich)Zwingend bei jeder Charge mit Implantaten

Verhalten bei Fehlern: Bei einem positiven biologischen Indikator müssen alle betroffenen Instrumente bis zum letzten negativen Testergebnis zurückgerufen und neu aufbereitet werden.

Immediate Use Steam Sterilization (IUSS)

Die IUSS (früher "Blitzsterilisation") ist nicht für den Routinegebrauch zugelassen.

  • Darf nur als letzter Ausweg genutzt werden (z.B. intraoperative Kontamination eines einmaligen Instruments).
  • Voraussetzung: Das Instrument ist hitzestabil, die MIFU erlaubt IUSS und ein validierter IUSS-Container wird verwendet.

High-Level-Desinfektion (HLD)

Die HLD eliminiert vegetative Bakterien, Viren und Pilze, jedoch nicht zwingend alle bakteriellen Sporen.

  • Automatisierung: Automatisierte HLD-Prozesse sind manuellen Verfahren vorzuziehen, da sie reproduzierbarer sind und das Personal weniger Chemikalien aussetzen.
  • Ultraschallsonden: Sonden für Eingriffe an intakter Haut (z.B. ZVK-Anlage, Parazentese) benötigen keine HLD. Eine Low-Level-Desinfektion ist ausreichend.
  • Schutzhüllen: Die Verwendung von Schutzhüllen (z.B. bei transvaginalem Ultraschall) ersetzt nicht die Notwendigkeit einer HLD, sofern die MIFU dies nicht explizit anders vorgibt.

Spezielle Anforderungen für Endoskope

Luminale Instrumente wie Endoskope stellen ein besonders hohes Risiko für Aufbereitungsfehler dar.

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
SpülungPositiver Druck erforderlichPassiver Fluss reicht nicht aus
TrocknungInstrumentenluft oder HEPA-LuftZwingend erforderlich, auch bei sofortiger Wiederverwendung
LagerungVertikal oder horizontal im SchrankSchrank muss sauber und trocken sein

Umgang mit Simethicon und Gleitmitteln:

  • Bevorzugt wasserlösliche Mittel verwenden.
  • Simethicon auf das absolute Minimum reduzieren.
  • Simethicon direkt in den Arbeitskanal injizieren, nicht in die Spülwasserflasche.

Alternativen zur HLD und Überwachung

Aufgrund wiederholter Ausbrüche durch kontaminierte Duodenoskope empfiehlt die Leitlinie:

  • Einweg-Komponenten: Bevorzugte Nutzung von Endoskopen mit sterilen Einweg-Endkappen oder vollständig sterilen Einweg-Endoskopen, wenn die sichere Aufbereitung nicht gewährleistet werden kann.
  • Routine-Kulturen: Werden zur Überprüfung der HLD nicht routinemäßig empfohlen.
  • Tracking: Hochrisiko-Instrumente (z.B. Duodenoskope, Bronchoskope) sollten elektronisch bis auf Patientenebene nachverfolgt werden.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie bei Endoskopien so wenig Simethicon wie möglich und injizieren Sie es direkt in den Arbeitskanal statt in die Spülwasserflasche. Trocknen Sie Endoskop-Lumen nach der HLD immer mit HEPA-gefilterter Luft, auch wenn das Gerät sofort wieder eingesetzt wird.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Da intakte Haut eine ausreichende Barriere darstellt, ist eine Low-Level-Desinfektion gemäß Spaulding-Klassifikation ausreichend.
Nein. Auch bei Verwendung einer Schutzhülle muss eine HLD durchgeführt werden, da Hüllen perforieren können (Ausnahme: Die MIFU erlaubt explizit etwas anderes).
Nein, die Leitlinie empfiehlt keine routinemäßigen mikrobiologischen Kulturen zur Überprüfung der HLD-Wirksamkeit.
Nur als letzter Ausweg in Notfällen, z.B. bei intraoperativer Kontamination eines Instruments, für das kein Ersatz verfügbar ist. Sie ist nicht für den Routinebetrieb zugelassen.
Es gibt keine evidenzbasierte maximale Dauer. Einrichtungen sollten eine eigene Risikobewertung durchführen, sofern die Herstelleranweisung (MIFU) keine feste Zeit vorgibt.

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