ClariMedClariMed
Infectious Diseases Society of America (IDSA)2025InfektiologieGeriatricsInfection Control

Infektionsprävention in Pflegeheimen: Leitlinie (SHEA/APIC)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Infectious Diseases Society of America (IDSA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Pflegeheime mit >100 Betten oder Beatmungs-/Dialysepatienten benötigen mindestens eine Vollzeitkraft (1,0 VK) für die Infektionsprävention (IP).
  • Eine jährliche IPC-Risikobewertung auf Bewohner-, Prozess- und Einrichtungsebene ist obligatorisch.
  • Für die Surveillance von Pflegeheim-Infektionen sollen standardisierte Definitionen (z. B. McGeer-Kriterien) verwendet werden.
  • Bei Verlegungen muss eine strukturierte Kommunikation über MDRO-Besiedlung, Devices und Impfstatus erfolgen.
  • Regelmäßige, kompetenzbasierte Schulungen und Audits (z. B. Händehygiene, PSA-Nutzung) sind für das gesamte Personal erforderlich.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die medizinische Komplexität in Pflegeheimen nimmt stetig zu. Bewohner haben durch invasive Devices, Antibiotikatherapien und Wunden ein hohes Risiko für nosokomiale Infektionen und die Besiedlung mit multiresistenten Erregern (MDROs). Die Leitlinie definiert strukturelle und praktische Anforderungen an das Infektionspräventions- und Kontrollprogramm (IPC).

Personal und Ressourcen

Die Leitung des IPC-Programms obliegt einer spezialisierten Fachkraft für Infektionsprävention (Infection Preventionist, IP). Der Personalbedarf richtet sich nach Einrichtungsgröße und Leistungsangebot:

Einrichtungsgröße / ProfilEmpfohlene IP-Stellenanteile
> 100 Betten ODER Beatmung/Hämodialyse vor OrtMindestens 1,0 Vollzeitäquivalent (VK)
< 100 Betten OHNE Beatmung/HämodialyseMindestens 0,5 Vollzeitäquivalent (VK)
  • Die IP muss spezifisch geschult sein und kontinuierlich fortgebildet werden.
  • Sie berichtet direkt an die medizinische und administrative Leitung und ist Mitglied im Qualitätssicherungs-Ausschuss (QAA).

Jährliche Risikobewertung

Eine jährliche IPC-Risikobewertung ist erforderlich, um Ressourcen gezielt einzusetzen. Sie umfasst drei Ebenen:

EbeneBeispiele für Risikofaktoren
BewohnerebeneBeatmung, Dauerkatheter, Wunden, Demenz (eingeschränkte Hygiene)
ProzessebeneAdhärenz bei Händehygiene, PSA-Nutzung, Impfquoten, Device-Handling
EinrichtungsebeneGeografische Lage, Gebäudeinfrastruktur (Wasser, Lüftung), Laborzugang

Surveillance von Infektionen

  • Es müssen standardisierte Definitionen (z. B. McGeer-Kriterien) für die Erfassung von healthcare-assoziierten Infektionen (HAIs) verwendet werden.
  • Priorisierte Surveillance-Ziele umfassen C. difficile, katheterassoziierte Harnwegsinfektionen (CAUTI), Impfquoten und Antimicrobial Stewardship.

Präventionsmaßnahmen und Hygiene

Händehygiene und PSA

  • Alkoholische Händedesinfektionsmittel (ABHS) müssen leicht zugänglich am Point-of-Care und an Zimmereingängen platziert sein.
  • Die korrekte Nutzung von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) muss durch regelmäßige Audits und direktes Feedback überprüft werden.

Umgebungsreinigung und Devices

  • Für die Bewertung der Umgebungsreinigung sollen objektive Methoden (z. B. direkte Beobachtung, Fluoreszenzmarker, ATP-Biolumineszenz) genutzt werden.
  • Bei medizinischen Geräten (z. B. ZVK, Dauerkatheter) muss die Indikation regelmäßig überprüft und das Device so früh wie möglich entfernt werden.

Schnittstellenmanagement

Verlegungen

Bei der Verlegung von Bewohnern (z. B. ins Krankenhaus) ist eine strukturierte Kommunikation essenziell. Folgende Informationen müssen übermittelt werden:

  • MDRO-Kolonisation oder -Infektion
  • Aktuelle mikrobiologische Befunde und Antibiogramme
  • Notwendigkeit von Isolierungsmaßnahmen (Transmission-Based Precautions)
  • Vorhandensein von Devices, Wunden oder Durchfall
  • Impfstatus (z. B. Influenza, Pneumokokken, COVID-19)

Facility Management

Die IP muss eng mit dem Facility Management zusammenarbeiten, insbesondere bei:

  • Wassermanagement: Prävention von Legionella spp. durch Temperatur- und Desinfektionskontrollen.
  • Lüftungssystemen (HVAC): Reduktion der Übertragung viraler Atemwegserreger.
  • Baumaßnahmen: Risikominimierung bei Renovierungen.

Ausbruchsmanagement und Personalgesundheit

  • Präsentismus vermeiden: Es bedarf klarer Regelungen, die es dem Personal ermöglichen, bei Krankheitssymptomen zu Hause zu bleiben.
  • Impfungen: Multimodale Kampagnen sollen die Impfquoten (z. B. Influenza, COVID-19) beim Personal steigern.
  • Bei Ausbrüchen muss eine frühzeitige Diagnostik (Point-of-Care) erfolgen und umgehend eine empirische Isolierung eingeleitet werden.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie 'Just-in-time'-Feedback ein: Korrigieren Sie Fehler bei der Händehygiene oder PSA-Nutzung direkt und wertschätzend in der konkreten Pflegesituation, anstatt nur aggregierte Daten in Meetings zu präsentieren. Nutzen Sie zudem standardisierte Übergabebögen bei Verlegungen ins Krankenhaus, um den MDRO-Status und liegende Devices lückenlos zu kommunizieren.

Häufig gestellte Fragen

Für Einrichtungen mit mehr als 100 Betten oder Beatmungs-/Dialysepatienten wird mindestens eine Vollzeitkraft (1,0 VK) empfohlen. Kleinere Heime benötigen mindestens 0,5 VK.
Die Leitlinie empfiehlt die Nutzung standardisierter Definitionen, wie beispielsweise der McGeer-Kriterien für Langzeitpflegeeinrichtungen.
Es sollten objektive Methoden wie direkte Beobachtung, Fluoreszenzmarker oder ATP-Biolumineszenz eingesetzt werden, da rein visuelle Kontrollen unzureichend sind.
Zwingend zu übermitteln sind MDRO-Status, aktuelle Kulturen, Isolierungsbedarf, liegende Devices, Wunden, Durchfall, Antibiotikatherapien und der Impfstatus.

Verwandte Leitlinien