Coccidioidomykose: Leitlinie zur Therapie (IDSA)
📋Auf einen Blick
- •Die Reiseanamnese (Endemiegebiete wie der Südwesten der USA) ist entscheidend für die Diagnose.
- •Unkomplizierte Pneumonien heilen oft spontan; Antimykotika sind bei schweren Verläufen oder Risikofaktoren indiziert.
- •Asymptomatische pulmonale Rundherde oder Kavitäten erfordern keine antimykotische Therapie.
- •Bei disseminierter Erkrankung sind orale Azole (z. B. Fluconazol) die Therapie der Wahl, bei schweren Verläufen Amphotericin B.
- •Eine Coccidioidomykose-Meningitis erfordert eine lebenslange Azol-Therapie.
Hintergrund
Die Coccidioidomykose (San Joaquin Valley Fever) ist eine systemische Pilzinfektion, die in Teilen der südwestlichen USA, Mexikos sowie Mittel- und Südamerikas endemisch ist. Eine genaue Reiseanamnese ist für die Diagnose essenziell. Die häufigste klinische Manifestation ist eine ambulant erworbene Pneumonie (CAP), die oft mit rheumatologischen oder dermatologischen Symptomen sowie starker Fatigue einhergeht.
Unkomplizierte Coccidioidomykose-Pneumonie
Nicht jeder Patient mit einer primären pulmonalen Coccidioidomykose benötigt eine antimykotische Therapie. Die Entscheidung hängt von der Schwere der Erkrankung und individuellen Risikofaktoren ab.
| Patientenprofil | Empfehlung | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Milde Symptome, klinische Besserung | Beobachtung, Aufklärung, Physiotherapie | stark, niedrig |
| Stark einschränkende Erkrankung | Beginn einer antimykotischen Therapie | stark, niedrig |
| Ausgedehnter Lungenbefall, Diabetes, Gebrechlichkeit | Beginn einer antimykotischen Therapie | stark, niedrig |
- Therapie der Wahl: Orale Azole (z. B. Fluconazol) in einer Dosis von ≥400 mg/Tag für nicht-schwangere Erwachsene (stark, niedrig).
Pulmonale Komplikationen
Der Umgang mit pulmonalen Residuen und Komplikationen erfordert eine differenzierte Herangehensweise:
| Befund | Therapieempfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Asymptomatischer Rundherd | Keine antimykotische Therapie (stark, sehr niedrig) | Ausschluss von Malignität primäres Ziel |
| Asymptomatische Kavität | Keine antimykotische Therapie (stark, niedrig) | Regelmäßige radiologische Kontrollen |
| Symptomatische chronische Kavität | Orale Azole (Fluconazol/Itraconazol) (stark, moderat) | OP erwägen bei Persistenz >2 Jahre (stark, sehr niedrig) |
| Rupturierte Kavität | Orale Azole; rasche Dekortikation/Resektion (stark, sehr niedrig) | Bei Azol-Unverträglichkeit oder multiplen OPs: IV Amphotericin B |
Extrapulmonale und disseminierte Infektionen
Eine hämatogene Streuung erfordert in der Regel eine konsequente medikamentöse und teils chirurgische Intervention.
| Manifestation | Primärtherapie | Alternativen / Eskalation |
|---|---|---|
| Weichteilinfektion | Orale Azole (stark, moderat) | IV Amphotericin B bei Azol-Versagen (stark, moderat) |
| Knochen- und Gelenkinfektion | Orale Azole (stark, niedrig) | IV Amphotericin B bei schwerer/bedrohlicher Erkrankung (stark, niedrig) |
| Vertebrale Infektion | Chirurgisches Konsil für alle Patienten (stark, niedrig) | OP bei Instabilität oder Rückenmarkskompression (stark, niedrig) |
| Meningitis (CM) | Fluconazol 400–1200 mg/Tag (stark, moderat) | Höhere Dosis, anderes Azol oder intrathekales Amphotericin B bei Versagen |
- Meningitis-Diagnostik: Eine Lumbalpunktion wird nur bei ungewöhnlichen/persistierenden Kopfschmerzen, verändertem Bewusstseinszustand, unerklärtem Erbrechen oder neuen fokalen neurologischen Defiziten empfohlen (stark, moderat).
- Meningitis-Therapiedauer: Lebenslange Azol-Therapie bei klinischem Ansprechen (stark, moderat).
Spezielle Patientenpopulationen
Schwangerschaft
- 1. Trimenon: Intravenöses Amphotericin B bei initialer Infektion (stark, moderat). Azole sollten wegen Teratogenität vermieden werden.
- Ab 2. Trimenon: Orale Azole können erwogen werden (stark, niedrig).
- Meningitis im 1. Trimenon: Intrathekales Amphotericin B (stark, moderat).
HIV-Infektion
- Therapieindikation: Bei klinischer Evidenz und CD4-Zellzahl <250 Zellen/µL (stark, moderat).
- Beendigung: Therapie kann abgesetzt werden, wenn die CD4-Zellzahl ≥250 Zellen/µL erreicht (stark, moderat).
- Keine primäre medikamentöse Prophylaxe in Endemiegebieten (stark, moderat).
Organtransplantation
- Therapie: Fluconazol 400 mg/Tag bei stabilen Patienten (stark, niedrig). Bei schweren Verläufen initial Amphotericin B (stark, niedrig).
- Prophylaxe: Für Empfänger in Endemiegebieten ohne aktive Erkrankung wird ein orales Azol für 6–12 Monate empfohlen (stark, niedrig).
💡Praxis-Tipp
Denken Sie bei unklaren ambulant erworbenen Pneumonien (CAP) an die Reiseanamnese (Südwesten der USA, Mittel-/Südamerika). Führen Sie bei neu diagnostizierter Infektion nicht routinemäßig eine Lumbalpunktion durch, es sei denn, es liegen spezifische neurologische Symptome vor.