Herzgeräusche bei Kindern: Auskultation und Diagnostik

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die AWMF-Leitlinie (S2k) behandelt die strukturierte Abklärung von Herzgeräuschen im Kindes- und Jugendalter. Herzgeräusche sind Ausdruck eines turbulenten Blutflusses und führen bei Eltern häufig zu großer Sorge, weshalb eine rasche diagnostische Einordnung empfohlen wird.

Grundsätzlich werden akzidentelle, funktionelle und organische Herzgeräusche unterschieden. Während akzidentelle Geräusche bei herzgesunden Kindern auftreten und funktionelle Geräusche durch ein erhöhtes Herzzeitvolumen (etwa bei Fieber oder Anämie) bedingt sind, liegt organischen Geräuschen eine pathologische Veränderung zugrunde.

Besonders bei Neugeborenen werden im Rahmen von Routineuntersuchungen häufig Herzgeräusche auskultiert. Laut Leitlinie wird hierbei in etwa einem Drittel der Fälle ein Herzfehler gefunden, wobei meist weniger als zehn Prozent einer weiterführenden Intervention bedürfen.

Klinischer Kontext

Herzgeräusche sind im Kindes- und Jugendalter ein sehr häufiger Befund, der bei bis zu 80 Prozent aller Kinder im Laufe ihrer Entwicklung auftritt. Die überwiegende Mehrheit dieser Geräusche ist akzidentell und hat keinen Krankheitswert. Angeborene Herzfehler, die ein pathologisches Geräusch verursachen, finden sich hingegen nur bei etwa einem Prozent der Neugeborenen.

Akzidentelle Herzgeräusche entstehen meist durch turbulente Blutströmungen im Bereich der Ausflusstrakte oder großen Gefäße bei strukturell gesundem Herzen. Pathologische Geräusche beruhen dagegen auf anatomischen Anomalien wie Klappenstenosen, Klappeninsuffizienzen oder Septumdefekten. Diese strukturellen Veränderungen führen zu veränderten Druckverhältnissen und pathologischen Strömungsmustern.

Die zentrale ärztliche Herausforderung besteht in der sicheren Differenzierung zwischen harmlosen und potenziell lebensbedrohlichen Ursachen. Eine rasche und präzise Einordnung verhindert unnötige Ängste bei den Eltern und stellt gleichzeitig die rechtzeitige Therapie relevanter Herzfehler sicher.

Die Basis der Diagnostik bilden eine ausführliche Anamnese und eine sorgfältige klinische Untersuchung mit Auskultation, Palpation der Pulse und Messung der Sauerstoffsättigung. Bei Verdacht auf eine strukturelle Herzerkrankung ist die Echokardiografie der Goldstandard zur weiteren morphologischen und funktionellen Beurteilung.

Wissenswertes

Akzidentelle Geräusche sind typischerweise leise, systolisch, lageabhängig und oft musikalisch im Klang. Pathologische Geräusche sind häufig lauter, diastolisch oder holosystolisch, strahlen aus und gehen oft mit weiteren Symptomen wie Gedeihstörungen oder Zyanose einher.

Warnzeichen sind unter anderem ein diastolisches Geräusch, ein lautes Geräusch mit Schwirren sowie begleitende Symptome wie Zyanose, pathologische Pulse oder eine unzureichende Gewichtszunahme. Auch eine neu aufgetretene Herzinsuffizienzsymptomatik erfordert eine rasche fachärztliche Abklärung.

Funktionelle Herzgeräusche werden besonders häufig im Vorschul- und frühen Schulalter zwischen dem dritten und achten Lebensjahr diagnostiziert. In Phasen mit erhöhtem Herzzeitvolumen, wie bei Fieber oder Anämie, können sie vorübergehend lauter werden.

Das Elektrokardiogramm ist hilfreich zur Erkennung von Rhythmusstörungen oder Hypertrophiezeichen, kann aber einen strukturellen Herzfehler nicht sicher ausschließen. Bei einem rein akzidentellen Geräusch und ansonsten unauffälligem klinischen Befund ist ein EKG nicht zwingend erforderlich.

Eine echokardiografische Untersuchung ist indiziert, wenn klinisch der Verdacht auf ein pathologisches Geräusch besteht oder Red Flags vorliegen. Sie dient der genauen Darstellung der kardialen Anatomie und Hämodynamik zur Bestätigung oder zum Ausschluss eines angeborenen Herzfehlers.

Das Still-Geräusch ist das häufigste akzidentelle Herzgeräusch im Kindesalter und entsteht vermutlich durch Schwingungen der Sehnenfäden im linken Ventrikel. Es präsentiert sich als leises, musikalisch-schwirrendes früh- bis mittelsystolisches Geräusch, das am besten links parasternal im Liegen hörbar ist.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie ist bei einem Herzgeräusch eines Neugeborenen, einem neu aufgetretenen oder einem sich verändernden Herzgeräusch bis zum Beweis des Gegenteils von einem Herzfehler auszugehen. Zudem wird betont, dass diastolische Herzgeräusche praktisch immer pathologisch sind und einer sofortigen echokardiographischen Abklärung bedürfen.

Häufig gestellte Fragen

Akzidentelle Herzgeräusche treten bei herzgesunden Kindern auf und sind als harmlos einzustufen. Sie sind laut Leitlinie praktisch niemals lauter als Grad 3/6 und erfordern keine Therapie oder körperliche Schonung.

Funktionelle Herzgeräusche entstehen als Strömungsphänomene durch ein erhöhtes Herzzeitvolumen. Die häufigsten Ursachen im Kindesalter sind Fieber, Anämie oder eine Hyperthyreose.

Die Echokardiographie ist der Standard zur Sicherung der Diagnose. Bei eindeutigen funktionellen Befunden und typischen Auskultationsbefunden kann sie jedoch laut Leitlinie in begründeten Einzelfällen entfallen.

Die Leitlinie empfiehlt, dass die apparative Diagnostik durch einen Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit der Schwerpunktbezeichnung Kinderkardiologie durchgeführt wird.

Patienten mit akzidentellen oder funktionellen Herzgeräuschen sind voll leistungsfähig und dürfen uneingeschränkt Sport treiben. Bei organischen Herzgeräuschen richtet sich die Belastbarkeit nach dem zugrunde liegenden Herzfehler.

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Quelle: Abklärung eines Herzgeräusches im Kindes- und Jugendalter (AWMF). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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