Hepatische Enzephalopathie: Ammoniaksenkende Therapie
Hintergrund
Die hepatische Enzephalopathie (HE) ist eine häufige Komplikation der Leberzirrhose, die mit einer hohen Morbidität und Mortalität einhergeht. Das klinische Bild reicht von minimalen Auffälligkeiten in psychometrischen Tests bis hin zu offensichtlichen neuropsychiatrischen Symptomen.
Obwohl die genaue Pathogenese des Syndroms nicht vollständig geklärt ist, spielt Ammoniak eine zentrale Rolle. Zu den Medikamenten, die spezifisch auf Ammoniak abzielen, gehören Natriumbenzoat, Glycerolphenylbutyrat, Ornithinphenylacetat, AST-120 und Polyethylenglykol (PEG).
Dieser Artikel basiert auf einem Cochrane Review aus dem Jahr 2019. Es wurden elf randomisierte klinische Studien mit insgesamt 943 Teilnehmenden ausgewertet, um die Wirksamkeit dieser Substanzen zu beurteilen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review liefert folgende Erkenntnisse zur Wirksamkeit ammoniaksenkender Therapien bei hepatischer Enzephalopathie:
Klinische Endpunkte und Mortalität
Laut Review gibt es unzureichende Evidenz, um den Effekt dieser Pharmakotherapien auf die Prävention und Behandlung der HE abschließend zu beurteilen. In den untersuchten Studien zeigten sich keine signifikanten Auswirkungen auf die Mortalität im Vergleich zu Placebo oder nicht-resorbierbaren Disacchariden (Lactulose).
Auch bezüglich schwerer oder leichter unerwünschter Ereignisse konnte kein Unterschied festgestellt werden. Die Autoren betonen, dass die Sicherheit der Evidenz für alle Endpunkte als sehr niedrig eingestuft wurde, da die meisten Studien ein hohes Verzerrungsrisiko aufwiesen.
Effekte auf die hepatische Enzephalopathie
Für einzelne Substanzen wurden in isolierten Studien positive klinische Effekte auf die HE beobachtet:
-
Glycerolphenylbutyrat zeigte einen positiven Effekt im Vergleich zu Placebo (Number Needed to Treat: 6)
-
Polyethylenglykol (PEG) zeigte einen positiven Effekt im Vergleich zu Lactulose (Number Needed to Treat: 4)
-
Für Natriumbenzoat, Ornithinphenylacetat und AST-120 ließen sich keine signifikanten klinischen Vorteile nachweisen
Senkung des Blutammoniakspiegels
Die untersuchten Medikamente haben das Potenzial, den Blutammoniakspiegel im Vergleich zu Placebo zu senken. Im direkten Vergleich mit der Standardtherapie (Lactulose/Lactitol) ergab sich jedoch kein signifikanter Unterschied.
| Substanz | Effekt auf Blutammoniak (vs. Placebo) | Effekt auf Blutammoniak (vs. Lactulose) | Klinischer Effekt auf HE |
|---|---|---|---|
| Glycerolphenylbutyrat | Signifikante Senkung | Keine Daten im Review | Positiv (vs. Placebo) |
| Polyethylenglykol (PEG) | Keine Daten im Review | Kein signifikanter Unterschied | Positiv (vs. Lactulose) |
| Natriumbenzoat | Signifikante Senkung | Kein signifikanter Unterschied | Kein Nachweis |
| AST-120 | Signifikante Senkung | Kein signifikanter Unterschied | Kein Nachweis |
| Ornithinphenylacetat | Signifikante Senkung | Keine Daten im Review | Kein Nachweis |
💡Praxis-Tipp
Obwohl ammoniaksenkende Medikamente wie Natriumbenzoat oder AST-120 den Blutammoniakspiegel im Vergleich zu Placebo effektiv senken können, übersetzt sich dies laut Cochrane Review nicht zwingend in einen klinischen Nutzen. Es wird darauf hingewiesen, dass im direkten Vergleich mit Lactulose keine Überlegenheit bezüglich der Ammoniaksenkung oder der Mortalität nachgewiesen werden konnte. Die Evidenzlage ist insgesamt sehr schwach, weshalb der routinemäßige Einsatz dieser spezifischen Substanzen kritisch zu hinterfragen ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine Evidenz dafür, dass spezifisch ammoniaksenkende Medikamente die Mortalität reduzieren. Weder im Vergleich zu Placebo noch zu Lactulose konnte ein Überlebensvorteil festgestellt werden.
Der Review beschreibt einen positiven klinischen Effekt von PEG auf die hepatische Enzephalopathie im Vergleich zu Lactulose. Die Number Needed to Treat (NNTB) lag in den untersuchten Studien bei 4, jedoch ist die Gesamtevidenz von sehr niedriger Qualität.
Substanzen wie Glycerolphenylbutyrat, Ornithinphenylacetat und AST-120 können den Blutammoniakspiegel im Vergleich zu Placebo signifikant senken. Im direkten Vergleich mit Lactulose zeigte sich jedoch kein signifikanter Unterschied in der Ammoniaksenkung.
Die Auswertung der Studien ergab keine Hinweise auf vermehrte schwere oder leichte unerwünschte Ereignisse durch die untersuchten Medikamente. Das Risiko für Nebenwirkungen unterschied sich nicht signifikant von Placebo oder Lactulose.
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Quelle: Cochrane Review: Pharmacotherapies that specifically target ammonia for the prevention and treatment of hepatic encephalopathy in adults with cirrhosis (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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