SBP-Prophylaxe bei Leberzirrhose: Cochrane Review
Hintergrund
Die spontan bakterielle Peritonitis (SBP) ist für etwa 2,5 % aller Krankenhauseinweisungen bei Personen mit Leberzirrhose verantwortlich. Sie geht mit einer signifikanten kurzfristigen Mortalität einher.
Die Antibiotikaprophylaxe stellt die wichtigste präventive Maßnahme für Hochrisikopersonen dar. Dem potenziellen Nutzen steht jedoch das Risiko der Entwicklung schwer behandelbarer, arzneimittelresistenter Infektionen gegenüber.
Ein systematischer Cochrane Review (2020) untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener prophylaktischer Antibiotikatherapien. Der Review schloss Studien aus, bei denen die Teilnehmer:
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Zuvor eine Lebertransplantation erhalten hatten
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Antibiotika zur Behandlung einer akuten SBP erhielten
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Antibiotika für andere Zwecke einnahmen
Empfehlungen
Der Cochrane Review (2020) analysierte 29 randomisierte klinische Studien mit neun verschiedenen Antibiotika-Regimen im Vergleich zu keiner aktiven Intervention.
Mortalität und SBP-Inzidenz
Es gibt keine Evidenz für einen Unterschied zwischen den untersuchten Antibiotika und keiner Intervention in Bezug auf die Mortalität oder die Anzahl schwerer unerwünschter Ereignisse (sehr niedrige Evidenzqualität). Aufgrund breiter Konfidenzintervalle können klinisch bedeutsame Unterschiede jedoch nicht sicher ausgeschlossen werden.
Laut der Analyse zeigt sich auch keine Evidenz für Unterschiede bei der Entwicklung einer SBP, der Rate an Lebertransplantationen oder dem Anteil von Personen mit jeglichen unerwünschten Ereignissen.
Vergleich der Antibiotika-Regime
Bei der Betrachtung spezifischer Endpunkte pro Person zeigten sich bei einigen Substanzen Unterschiede im Vergleich zu keiner Intervention (niedrige Evidenzqualität). Die Ergebnisse für die auffälligen Regime stellen sich wie folgt dar:
| Intervention | Unerwünschte Ereignisse (pro Person) | Dekompensationsereignisse |
|---|---|---|
| Norfloxacin | Geringere Rate | Keine Evidenz für Unterschied |
| Sulfamethoxazol + Trimethoprim | Geringere Rate | Keine Evidenz für Unterschied |
| Rifaximin | Keine Evidenz für Unterschied | Weniger Ereignisse |
| Norfloxacin + Neomycin | Keine Evidenz für Unterschied | Weniger Ereignisse |
| Andere untersuchte Antibiotika | Keine Evidenz für Unterschied | Keine Evidenz für Unterschied |
Fazit der Autoren
Die Autoren schlussfolgern, dass eine erhebliche Unsicherheit darüber besteht, ob eine Antibiotikaprophylaxe bei Leberzirrhose und Aszites überhaupt vorteilhaft ist.
Ebenso bleibt unklar, welches Antibiotikum den größten Nutzen bietet. Die fehlende Korrelation der Endpunkte lässt auf spärliche Daten und selektiven Publikationsbias schließen.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review verdeutlicht, dass der Nutzen einer Antibiotikaprophylaxe zur Verhinderung einer SBP aufgrund sehr niedriger Evidenzqualität stark unsicher ist. Dem potenziellen Nutzen muss das Risiko der Entwicklung schwer behandelbarer, arzneimittelresistenter Infektionen gegenübergestellt werden. Eine routinemäßige Überlegenheit eines bestimmten Antibiotikums lässt sich aus den aktuellen Daten nicht ableiten.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review untersuchte neun Regimes, darunter Ciprofloxacin, Norfloxacin, Rifaximin und Sulfamethoxazol plus Trimethoprim. Es konnte jedoch nicht abschließend geklärt werden, welches Antibiotikum am wirksamsten ist.
Laut der Meta-Analyse gibt es keine Evidenz dafür, dass die prophylaktische Gabe von Antibiotika die Mortalität im Vergleich zu keiner Intervention senkt. Die Evidenzqualität für diesen Endpunkt wird als sehr niedrig eingestuft.
Die Subgruppenanalysen des Reviews zeigten keine Evidenz für Unterschiede in der Wirksamkeit. Dies galt unabhängig davon, ob die Prophylaxe primär oder sekundär erfolgte.
Die Datenlage zu unerwünschten Ereignissen ist unzureichend. Es zeigte sich lediglich eine geringere Anzahl von unerwünschten Ereignissen pro Person unter Norfloxacin und Sulfamethoxazol plus Trimethoprim im Vergleich zu keiner Intervention.
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Quelle: Cochrane Review: Antibiotic prophylaxis to prevent spontaneous bacterial peritonitis in people with liver cirrhosis: a network meta-analysis (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.