IQWiG2009Dermatologie

HBO bei Brandwunden: Evidenz zu Wundheilung und Sepsis

Diese Leitlinie stammt aus 2009 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2009)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht N06-01A evaluiert den Nutzen der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) als adjuvante Behandlung bei Brandwunden. Verbrennungen führen pathophysiologisch zu einer lokalen Hypoxie und einer systemischen Entzündungsreaktion (SIRS).

Durch die beeinträchtigte Sauerstoffversorgung kann es zu einem Absterben von Zellen in der Wundumgebung kommen, was als sogenanntes Nachbrennen bezeichnet wird. Die HBO zielt darauf ab, den Sauerstoffpartialdruck im Gewebe durch das Atmen von reinem Sauerstoff unter Überdruck zu erhöhen.

Hierdurch soll die Ödembildung durch Vasokonstriktion reduziert und die Angioneogenese gefördert werden. Zudem wird eine verbesserte zelluläre Immunabwehr zur Vermeidung von Wundinfektionen postuliert.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht bewertet die Studienlage zur HBO bei Verbrennungen anhand patientenrelevanter Endpunkte. Zur Einordnung der Verbrennungsschwere werden etablierte Klassifikationen herangezogen.

Klassifikation von Verbrennungen

Die Beurteilung der Wunden erfolgt nach der Eindringtiefe der thermischen Schädigung.

GradÄußeres ErscheinungsbildAusheilung
IRötung, Schwellung, SchmerzSpontan ohne Narben
IIaRötung, Blasenbildung (Grund hyperämisch/feucht), SchmerzOhne Narbenbildung
IIbBlässe, Blasenbildung (Grund blass/trocken), SchmerzMit Narbenbildung
IIINekrosen, grauweiß-schwarz, AnalgesieDefektheilung
IVTiefe Nekrosen, grauweiß-schwarz, AnalgesieDefektheilung

Prognostisches Scoring

Zur internationalen Klassifikation der Verbrennungsschwere wird der Abbreviated Burn Severity Index (ABSI) herangezogen. Dieser Score korreliert stark mit der Überlebenswahrscheinlichkeit.

MerkmalAusprägungPunkte
GeschlechtWeiblich / Männlich1 / 0
Alter0-20 / 21-40 / 41-60 / 61-80 / >80 Jahre1 / 2 / 3 / 4 / 5
Verbrannte Fläche<10% / 11-20% / 21-30% / 31-40% / 41-50%1 / 2 / 3 / 4 / 5
Verbrannte Fläche (Forts.)51-60% / 61-70% / 71-80% / 81-90% / >90%6 / 7 / 8 / 9 / 10
InhalationstraumaVorhanden1
TiefeVerbrennung 3. oder 4. Grades1

Bewertung der klinischen Endpunkte

Die Auswertung der identifizierten Studien liefert folgende Ergebnisse zu patientenrelevanten Therapiezielen:

  • Wundheilungszeit: Eine kleine randomisierte Studie zeigte eine Verkürzung der Wundheilungszeit, was jedoch aufgrund methodischer Mängel als nicht sicher belegt gilt.

  • Mortalität: Es konnte kein signifikanter Unterschied zwischen der HBO und der konventionellen Standardtherapie festgestellt werden.

  • Sepsis und Komplikationen: Die Datenlage zur Inzidenz von Sepsis oder Multiorganversagen ist widersprüchlich und lässt keine eindeutigen Schlüsse zu.

Fazit des Berichts

Laut Bericht ist die Evidenzlage zum möglichen Nutzen und Schaden der HBO bei Brandwunden quantitativ und qualitativ mangelhaft.

Es wird festgestellt, dass der therapeutische Stellenwert wissenschaftlich nicht zuverlässig beschreibbar ist. Eine routinemäßige Anwendung lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten.

Kontraindikationen

Der Bericht nennt folgende spezifische und unspezifische Nebenwirkungen sowie Kontraindikationen, die in den Studien zum Ausschluss führten:

  • Reversible Sehstörungen durch direkte Sauerstoffwirkung auf die menschliche Linse

  • Barotraumata am Trommelfell (bis zur Ruptur)

  • Reizungen der Luftröhre und der großen Bronchien

  • Klaustrophobie in der Druckkammer

  • Unbehandelte Neoplasien oder ein bestehender Pneumothorax (als Studien-Ausschlusskriterien)

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Bericht betont, dass die hyperbare Sauerstofftherapie bei Verbrennungen auf einer unzureichenden Studienlage basiert. Es wird darauf hingewiesen, dass die Vermeidung des Nachbrennens zwar pathophysiologisch plausibel erscheint, ein klinischer Nutzen jedoch nicht durch hochwertige randomisierte Studien belegt ist.

Häufig gestellte Fragen

Die Therapie zielt darauf ab, den physikalisch gelösten Sauerstoff im Blutplasma zu erhöhen. Laut Bericht soll dies die Gewebehypoxie vermindern, Ödeme durch Vasokonstriktion reduzieren und die Angioneogenese fördern.

Der IQWiG-Bericht konnte keinen signifikanten Überlebensvorteil durch die zusätzliche Gabe von hyperbarem Sauerstoff feststellen. Die analysierten Studien zeigten keine wesentlichen Unterschiede in der Sterblichkeit.

Eine einzelne kleine Studie deutete auf eine halbierte Wundheilungszeit hin. Der Bericht stuft dieses Ergebnis jedoch aufgrund methodischer Mängel als nicht sicher belegt ein.

Zu den dokumentierten unerwünschten Effekten zählen Barotraumata des Trommelfells, reversible Sehstörungen und tracheobronchiale Reizungen. Zudem wird Klaustrophobie als häufige unspezifische Nebenwirkung genannt.

International wird hierfür häufig der Abbreviated Burn Severity Index (ABSI) verwendet. Dieser Score berücksichtigt Alter, Geschlecht, verbrannte Körperoberfläche, Inhalationstraumata und drittgradige Verbrennungen.

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Quelle: IQWiG N06-01A: Hyperbare Sauerstofftherapie bei Brandwunden (IQWiG, 2009). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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