Haemophilus influenzae (Hib): Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: RKI/STIKO|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Haemophilus influenzae (Hi) ist ein gramnegatives Bakterium, das in bekapselten (Typen a bis f) und unbekapselten Stämmen (NTHi) auftritt. Der RKI-Ratgeber betont, dass NTHi heutzutage der häufigste Auslöser invasiver Infektionen ist, während der Typ b (Hib) dank der Standardimpfung selten geworden ist.

Invasive Hi-Erkrankungen manifestieren sich laut RKI am häufigsten als Sepsis, Meningitis oder Pneumonie. Bei Kindern ist zudem die rasch lebensbedrohliche Epiglottitis gefürchtet, während bei Meningitiden ein hohes Risiko für neurologische Folgeschäden besteht.

Schwangere weisen ein deutlich erhöhtes Risiko für invasive NTHi-Infektionen auf. Dies kann zu einer mütterlichen Sepsis sowie zu schweren Schwangerschaftskomplikationen wie Frühgeburt oder Abort führen.

Klinischer Kontext

Epidemiologie: Haemophilus influenzae ist ein weltweit vorkommendes gramnegatives Bakterium, das vor allem den Respirationstrakt besiedelt. Invasive Infektionen betreffen historisch vor allem Säuglinge und Kleinkinder, wobei durch die flächendeckende Hib-Impfung ein deutlicher Rückgang verzeichnet wurde. Heutzutage treten schwere Verläufe zunehmend bei älteren Erwachsenen oder immunsupprimierten Personen durch nicht-typisierbare Stämme auf. Pathophysiologie: Die Erreger werden primär über Tröpfcheninfektion übertragen und kolonisieren die Schleimhäute des Nasenrachenraums. Bei einer invasiven Infektion durchbrechen die Bakterien die lokale Schleimhautbarriere und gelangen in die Blutbahn, was zu einer systemischen Ausbreitung führt. Bekapselte Stämme, insbesondere Typ b, besitzen durch ihre Polysaccharidkapsel einen ausgeprägten Schutz vor Phagozytose. Klinische Bedeutung: Invasive H.-influenzae-Infektionen sind hochgradig lebensbedrohlich und erfordern eine sofortige medizinische Intervention. Zu den klassischen Manifestationen gehören Meningitis, Epiglottitis, Sepsis sowie schwere Pneumonien und septische Arthritiden. Eine rasche antibiotische Therapie ist entscheidend, um die hohe Letalität und drohende neurologische Folgeschäden zu minimieren. Diagnostische Grundlagen: Die Diagnose einer invasiven Infektion wird durch den direkten Erregernachweis aus normalerweise sterilen Körpermaterialien wie Blut, Liquor oder Gelenkpunktat gesichert. Kulturelle Verfahren auf Kochblutagar sowie molekularbiologische Methoden wie die PCR kommen standardmäßig zum Einsatz. Ein begleitendes Antibiogramm ist aufgrund zunehmender Resistenzen, etwa durch Beta-Laktamase-Bildung, unerlässlich.

Wissenswertes

Die kalkulierte Initialtherapie bei schweren invasiven Infektionen erfolgt meist mit Cephalosporinen der dritten Generation wie Ceftriaxon oder Cefotaxim. Bei unkomplizierteren Atemwegsinfektionen wird häufig Amoxicillin eingesetzt, wobei auf eine mögliche Beta-Laktamase-Bildung des Erregers geachtet werden muss. In solchen Fällen ist die Kombination mit einem Beta-Laktamase-Inhibitor indiziert.

Die genaue Inkubationszeit ist nicht exakt definiert, da das Bakterium oft als asymptomatischer Kolonisator im Nasenrachenraum verweilt. Bei einer akuten Tröpfcheninfektion mit anschließender Erkrankung geht man in der Regel von einer kurzen Spanne von etwa zwei bis fünf Tagen aus.

Das höchste Risiko tragen ungeimpfte Säuglinge und Kleinkinder unter fünf Jahren. Zudem sind ältere Menschen ab 65 Jahren sowie Personen mit Immundefekten, Asplenie oder chronischen Grunderkrankungen besonders anfällig für schwere Verläufe.

In Deutschland besteht eine namentliche Meldepflicht beim direkten Nachweis von Haemophilus influenzae aus Liquor oder Blut. Dies dient der epidemiologischen Überwachung und der frühzeitigen Erkennung von Ausbrüchen, insbesondere im Hinblick auf den Impfstatus bei Typ b.

Bekapselte Stämme, eingeteilt in die Serotypen a bis f, verursachen durch ihren Phagozytoseschutz häufiger schwere invasive Infektionen wie Meningitis oder Sepsis. Unbekapselte, nicht-typisierbare Stämme lösen hingegen meist lokale Schleimhautinfektionen wie Otitis media oder Sinusitis aus, können aber bei Immunschwäche ebenfalls invasiv werden.

Bei engen Kontaktpersonen von Patienten mit einer invasiven Hib-Infektion wird häufig Rifampicin zur Eradikation der Erreger aus dem Nasenrachenraum eingesetzt. Dies betrifft insbesondere Haushaltskontakte mit ungeimpften oder unvollständig geimpften Kleinkindern, um sekundäre Erkrankungsfälle zu verhindern.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Es wird darauf hingewiesen, dass gängige PCR-Formate, die nur Gene des Kapsel-Locus amplifizieren, ausschließlich bekapselte Stämme (wie Hib) detektieren. Da heutzutage unbekapselte Stämme (NTHi) die häufigsten Auslöser invasiver Infektionen sind, schließt eine negative Kapsel-PCR eine Infektion nicht sicher aus.

Häufig gestellte Fragen

Laut RKI besteht eine Ansteckungsfähigkeit, solange die Bakterien nachweisbar sind. Nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie gelten Patienten nach 24 Stunden als nicht mehr infektiös.

Die Leitlinie empfiehlt Cephalosporine der 3. Generation, wie Cefotaxim oder Ceftriaxon, als Mittel der Wahl. Ampicillin sollte aufgrund möglicher Resistenzen nur nach vorheriger Sensibilitätsprüfung eingesetzt werden.

Eine Chemoprophylaxe wird nur bei Kontakten zu Hib-Fällen empfohlen. Sie ist indiziert für enge Kontaktpersonen, wenn im Haushalt ungeimpfte Kinder unter 5 Jahren oder immunsupprimierte Personen leben.

Der RKI-Ratgeber rät vom routinemäßigen Einsatz von Latex-Agglutinations-Schnelltests aus Liquor ab. Diese bieten aufgrund begrenzter Sensitivität und Spezifität keinen Vorteil gegenüber der Direktmikroskopie.

Eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen ist frühestens 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie möglich. Dies setzt ein entsprechendes ärztliches Urteil voraus, dass keine Weiterverbreitung mehr zu befürchten ist.

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Quelle: RKI-Ratgeber: Haemophilus influenzae, invasive Infektion (RKI/STIKO). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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