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European Resuscitation Council (ERC)A2021IntensivmedizinNeurologieKardiologie

Post-Reanimationsbehandlung: Leitlinie (ERC/ESICM)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf European Resuscitation Council (ERC) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Zieltemperaturmanagement (TTM) wird mit einer konstanten Temperatur zwischen 32 °C und 36 °C für mindestens 24 Stunden empfohlen.
  • Hypoxämie und Hyperoxämie sind zu vermeiden; das Ziel ist eine Sauerstoffsättigung (SpO2) von 94-98 %.
  • Die routinemäßige neurologische Prognostizierung erfolgt multimodal und frühestens 72 Stunden nach ROSC.
  • Eine routinemäßige medikamentöse Anfallsprophylaxe wird nicht empfohlen, klinische Anfälle sollten jedoch therapiert werden.
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Hintergrund

Das Post-Cardiac-Arrest-Syndrom umfasst den hypoxisch-ischämischen Hirnschaden, die myokardiale Dysfunktion, die systemische Ischämie-/Reperfusionsantwort und die auslösende Pathologie. Die Post-Reanimationsbehandlung beginnt unmittelbar nach dem Return of Spontaneous Circulation (ROSC). Erwachsene Patienten mit nicht-traumatischem Out-of-Hospital Cardiac Arrest (OHCA) sollten in ein spezialisiertes Cardiac Arrest Center transportiert werden.

Atemwege und Beatmung

Nach ROSC muss die Oxygenierung und Ventilation engmaschig überwacht und gesteuert werden, um sekundäre Hirnschäden zu vermeiden.

ParameterZielwert / EmpfehlungBemerkung
SpO294-98 %Hypoxämie und Hyperoxämie strikt vermeiden
PaO210-13 kPa (75-100 mmHg)100 % O2 nur bis zur zuverlässigen Messung
PaCO24,5-6,0 kPa (35-45 mmHg)Normokapnie anstreben, Hypokapnie vermeiden
Tidalvolumen6-8 ml/kgLungenprotektive Beatmung (Idealgewicht)

Kreislauf und Hämodynamik

Eine frühe Echokardiographie wird für alle Patienten empfohlen, um kardiale Pathologien und myokardiale Dysfunktionen zu erkennen.

Maßnahme / ParameterEmpfehlung
Blutdruck (MAP)Ziel-MAP für adäquate Urinausscheidung (>0,5 ml/kg/h) und sinkendes Laktat. Hypotonie (<65 mmHg) strikt vermeiden.
KoronarangiographieSofort bei ST-Hebung (STEMI) oder hämodynamischer Instabilität. Bei stabilem OHCA ohne ST-Hebung eher verzögert.
VasopressorenNoradrenalin als Mittel der ersten Wahl bei Hypotonie.
SteroideKeine routinemäßige Gabe nach Herzstillstand.

Temperaturmanagement (TTM)

Das Targeted Temperature Management (TTM) wird für Erwachsene nach OHCA oder In-Hospital Cardiac Arrest (IHCA) empfohlen, die nach ROSC komatös bleiben (unabhängig vom initialen Rhythmus).

  • Zieltemperatur: Konstant zwischen 32 °C und 36 °C
  • Dauer: Mindestens 24 Stunden
  • Fiebervermeidung: Vermeidung von Fieber (>37,7 °C) für mindestens 72 Stunden nach ROSC bei komatösen Patienten.
  • Prähospital: Keine routinemäßige Kühlung mit schnellen Infusionen großer Mengen kalter IV-Flüssigkeit.

Neurologische Prognostizierung

Die Prognostizierung erfordert eine multimodale Strategie und darf erst nach Ausschluss von Störfaktoren (Sedierung, Hypothermie) erfolgen. Bei einem komatösen Patienten (Motorik-Score <= 3) 72 Stunden nach ROSC ist eine schlechte Prognose wahrscheinlich, wenn zwei oder mehr der folgenden Prädiktoren vorliegen:

PrädiktorZeitpunktKriterium
Klinik72 hBilaterales Fehlen von Pupillen- und Kornealreflexen
SSEP24 hBilateral fehlende N20-Welle
EEG>24 hHochmalignes EEG (Unterdrückte Hintergrundaktivität oder Burst-Suppression)
Biomarker48 h / 72 hNeuronenspezifische Enolase (NSE) >60 µg/l
Klinik/EEG<=72 hStatus myoclonus
BildgebungVariabelDiffuser und ausgedehnter anoxischer Schaden im CCT oder MRT

Allgemeine Intensivmedizin und Krampfanfälle

  • Sedierung: Kurzwirksame Sedativa und Opioide verwenden.
  • Blutzucker: Zielwert 7,8-10 mmol/l (140-180 mg/dl), Hypoglykämien (<4,0 mmol/l) strikt vermeiden.
  • Prophylaxen: Stressulkus- und Thromboseprophylaxe routinemäßig durchführen. Keine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe.
  • Krampfanfälle: Elektroenzephalographie (EEG) zur Diagnose nutzen. Zur Therapie klinischer Krampfanfälle werden Levetiracetam oder Valproat als First-Line-Antiepileptika empfohlen. Keine routinemäßige Anfallsprophylaxe.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie eine neurologische Prognostizierung niemals vor Ablauf von 72 Stunden nach ROSC durch. Schließen Sie vorher zwingend Störfaktoren wie Sedierung oder Hypothermie aus.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt ein konstantes Temperaturmanagement (TTM) zwischen 32 °C und 36 °C für mindestens 24 Stunden.
Bei Patienten mit ST-Hebungen (STEMI) im EKG oder bei hämodynamischer bzw. elektrischer Instabilität.
Levetiracetam oder Valproat werden als First-Line-Therapie empfohlen. Eine routinemäßige Prophylaxe ohne Anhalt für Krampfanfälle ist nicht indiziert.
Frühestens 72 Stunden nach ROSC, sofern keine Störfaktoren wie Sedierung oder Hypothermie mehr vorliegen.
Hypotonien (<65 mmHg) müssen strikt vermieden werden. Der mittlere arterielle Druck (MAP) sollte so gesteuert werden, dass eine adäquate Urinausscheidung (>0,5 ml/kg/h) und ein sinkendes Laktat erreicht werden.

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