Hypertonie bei Diabetes: Leitlinie (Diabetes Canada)
📋Auf einen Blick
- •Der Zielblutdruck für Menschen mit Diabetes liegt bei <130/80 mmHg.
- •ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARBs) sind die Therapie der ersten Wahl bei kardiovaskulären Erkrankungen, chronischer Nierenerkrankung oder Albuminurie.
- •Bei unzureichender Monotherapie wird eine Kombinationstherapie empfohlen, bevorzugt aus ACE-Hemmer und Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker.
- •Lebensstilinterventionen (Ernährung, Gewichtsreduktion, Bewegung) sind eine essenzielle Begleittherapie.
Hintergrund
Beobachtungsstudien und randomisierte klinische Studien zeigen einen starken Zusammenhang zwischen erhöhtem systolischen und diastolischen Blutdruck und klinisch bedeutsamen mikrovaskulären (z. B. Retinopathie und Nephropathie) sowie kardiovaskulären (CV) Komplikationen bei Menschen mit Diabetes mellitus. Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache bei Patienten mit Diabetes sind, ist die Blutdruckkontrolle von höchster Bedeutung. Die Vorteile einer intensiven Blutdrucksenkung können für die Prävention kardiovaskulärer Komplikationen sogar die einer intensiven Blutzuckerkontrolle übertreffen.
Blutdruckziele
Für die meisten Menschen mit Diabetes mellitus gelten strenge Zielwerte, um das Risiko für Schlaganfälle und mikrovaskuläre Endpunkte zu senken. Diese Zielwerte entsprechen gleichzeitig den Schwellenwerten für den Beginn einer Therapie.
| Parameter | Zielwert | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Systolischer Blutdruck | <130 mmHg | Grade C, Level 3 |
| Diastolischer Blutdruck | <80 mmHg | Grade B, Level 1 |
Lebensstilinterventionen
Gesunde Verhaltensweisen sind eine wichtige Ergänzung zur pharmakologischen Therapie. Folgende Maßnahmen werden empfohlen:
- Reduktion von Übergewicht
- Natriumzufuhr auf <2.000 mg/Tag reduzieren
- Erhöhter Verzehr von Obst und Gemüse (8 bis 10 Portionen pro Tag)
- Fettarme Milchprodukte (2 bis 3 Portionen pro Tag)
- Begrenzung des Alkoholkonsums (max. 2 Portionen/Tag für Männer, max. 1 Portion/Tag für Frauen)
- Steigerung der körperlichen Aktivität
Medikamentöse Therapie
Die Wahl der initialen antihypertensiven Therapie richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil des Patienten.
Monotherapie (Erste Wahl)
| Patientenprofil | Empfohlene Wirkstoffklassen | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Mit CVD, chronischer Nierenerkrankung (inkl. Albuminurie) oder weiteren CV-Risikofaktoren | ACE-Hemmer oder ARB | Grade A, Level 1A |
| Ohne oben genannte Zusatzrisiken (normale Albuminurie <30 mg/Tag) | ACE-Hemmer, ARB, Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker (CCB) oder Thiazid/Thiazid-artige Diuretika | Grade A, Level 1A |
Zusatznutzen: ACE-Hemmer und ARBs bieten über die reine Blutdrucksenkung hinausgehende renale Vorteile, was bei der Auswahl der First-Line-Therapie berücksichtigt werden sollte.
Kombinationstherapie
Wird der Zielblutdruck mit einer Standarddosis-Monotherapie nicht erreicht, sollte eine zusätzliche antihypertensive Therapie eingesetzt werden.
- Bevorzugte Kombination: Wenn eine Kombinationstherapie mit einem ACE-Hemmer erwogen wird, ist ein Dihydropyridin-CCB einem Thiazid/Thiazid-artigen Diuretikum vorzuziehen (Grade A, Level 1A).
- Single Pill Combination (SPC): Es gibt zunehmend Evidenz, die den früheren Einsatz von Fixkombinationen (Single Pill) unterstützt, um das Erreichen der Zielwerte zu erleichtern, die Adhärenz zu fördern und Nebenwirkungen zu reduzieren.
Vorsicht ist geboten bei Patienten, bei denen ein starker Blutdruckabfall wahrscheinlich ist oder schlecht vertragen wird (z. B. ältere Menschen, Patienten mit aktiver koronarer Herzkrankheit oder autonomer Neuropathie).
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei unzureichender Monotherapie frühzeitig eine Kombinationstherapie (bevorzugt ACE-Hemmer + Kalziumkanalblocker). Erwägen Sie den Einsatz von Single-Pill-Kombinationen, um die Therapieadhärenz Ihrer Patienten zu verbessern.