Stationäre Psychokardiologie: DGK-Stellungnahme
📋Auf einen Blick
- •Die Psychokardiologie ist eine essenzielle, evidenzbasierte Säule der Herzmedizin.
- •Schwer herzkranke, nicht reha-fähige Patienten benötigen spezialisierte stationäre psychokardiologische Komplexbehandlungen.
- •Die aktuelle Finanzierung über das DRG- und PEPP-System ist für diese interdisziplinären Leistungen unzureichend.
- •Krankenstandsdaten zeigen einen massiven Anstieg psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeitstage bei Herzpatienten.
- •Die DGK fordert den Erhalt, Ausbau und eine adäquate Vergütung psychokardiologischer Stationen.
Hintergrund
Die Psychokardiologie hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einer evidenzbasierten und unverzichtbaren Säule der Herzmedizin entwickelt. Epidemiologische Daten unterstreichen die wachsende Relevanz: Laut DAK-Gesundheitsreport stiegen die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer und psychosomatischer Störungen zwischen 2011 und 2021 um 41 %, mit einem weiteren Anstieg um 17 % bis 2023. Der demografische Wandel führt zudem zu immer älteren Patienten mit komplexen somatischen und psychischen Erkrankungen, die dringend spezialisierte Behandlungsangebote benötigen.
Zielgruppe und Indikation
Spezialisierte psychokardiologische Behandlungseinheiten in Akut- und Maximalversorger-Krankenhäusern richten sich an besonders schwer kranke Patienten, für die eine ambulante Therapie oder eine Rehabilitation (noch) nicht infrage kommt. Ein Zuwarten ist oft nicht möglich, da psychische Anspannung den kardialen Krankheitsprozess riskant verschlechtern kann.
| Patientengruppe | Beispiele und klinische Situationen |
|---|---|
| Traumatisierte Patienten | Nach Intensivaufenthalt, Erleben eines "electrical storm" |
| Schwer eingeschränkte Patienten | Schwere Herzinsuffizienz, Patienten mit LVAD-Versorgung |
| Nicht reha-fähige Patienten | Akuter Behandlungsbedarf ohne Möglichkeit der Wartezeit auf Reha-Maßnahmen |
Finanzierungsproblematik
Trotz des hohen Bedarfs und der positiven Evaluation dieser Stationen ist die interdisziplinäre Komplexbehandlung aktuell nicht ausreichend finanziert. Die vorhandenen Abrechnungssysteme bilden die spezifischen Anforderungen nicht adäquat ab:
| Abrechnungssystem | Problematik bei psychokardiologischen Leistungen |
|---|---|
| DRG-System | Psychokardiologische Behandlungskonzepte sind nicht abgebildet. |
| PEPP-System | Es fehlen eigenständige Kategorien für die Personalbemessung und Vergütung interdisziplinärer Stationen. |
| PPP-Richtlinie | Der Behandlungsbereich P2 sowie einfache Codes (PA04A, PP04A) beschreiben die integrierte Komplexbehandlung (OPS 9-634 und 9-642) nicht ausreichend. |
Forderungen der DGK
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) betont die Notwendigkeit der engen Kooperation von Kardiologie und Psychosomatik. Um die dringend notwendige Versorgung zu gewährleisten und die herzmedizinische Aus-, Fort- und Weiterbildung zu sichern, fordert die DGK:
- Erhalt bestehender psychokardiologischer Stationen an Herzzentren.
- Weiteren Ausbau dieser spezialisierten Versorgungsstrukturen.
- Auskömmliche Finanzierung der interdisziplinären Komplexbehandlungen.
💡Praxis-Tipp
Prüfen Sie bei schwer herzkranken, traumatisierten Patienten (z. B. nach 'electrical storm' oder bei LVAD) frühzeitig die Indikation für eine stationäre psychokardiologische Mitbehandlung, insbesondere wenn keine Reha-Fähigkeit besteht.