QTc-Verlängerung durch Medikamente: Leitlinie (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Eine QTc-Zeit >470 ms (Männer) bzw. >480 ms (Frauen) gilt als verlängert, ab >500 ms besteht ein hohes Risiko für maligne Arrhythmien.
- •Vor Verordnung potenziell QTc-verlängernder Medikamente muss zwingend ein 12-Kanal-EKG geschrieben werden.
- •Bei Vorliegen von Risikofaktoren ist ein Kontroll-EKG spätestens nach einer Woche erforderlich.
- •Die gleichzeitige Gabe von mehr als zwei QTc-verlängernden Arzneimitteln ist zu vermeiden.
- •Grapefruitsaft kann den Abbau der Medikamente hemmen und die QTc-Zeit erheblich verlängern.
Hintergrund
Viele Arzneimittel können die Repolarisationsdauer des kardialen Aktionspotenzials verlängern. Bei einer medikamentös bedingten Verlängerung spricht man vom erworbenen Long-QT-Syndrom. Die kardiale Repolarisation wird im EKG als QTc-Zeit gemessen.
Eine verlängerte QTc-Zeit erhöht das Risiko für Torsade-de-Pointes-Tachykardien (Spitzenumkehr-Tachykardien). Diese ventrikulären Tachyarrhythmien können zu Synkopen oder zum plötzlichen Herztod führen.
| Geschlecht | Verlängerte QTc-Zeit | Hohes Risiko für Tachyarrhythmien |
|---|---|---|
| Männer | >470 ms | >500 ms |
| Frauen | >480 ms | >500 ms |
Risikofaktoren
Neben der Medikation begünstigen folgende Faktoren ein erworbenes Long-QT-Syndrom:
- Angeborenes (ggf. unbekanntes) Long-QT-Syndrom
- Weibliches Geschlecht
- Bradykardie
- Strukturelle Herzerkrankung
- Elektrolytstörungen: Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Hypokalzämie
- Erhöhte Plasmakonzentrationen: Durch Überdosierung, Intoxikation, Nierendysfunktion, Leberinsuffizienz oder Interaktionen (z. B. Cytochrom P450)
Potenziell QTc-verlängernde Medikamente
Nicht nur Antiarrhythmika, sondern auch viele andere Substanzklassen ohne primär kardiale Wirkung können die QTc-Zeit verlängern.
| Wirkstoffklasse | Beispiele (Auswahl) |
|---|---|
| Antiarrhythmika | Amiodaron, Propafenon, Sotalol |
| Antibiotika | Makrolide (Azithromycin, Clarythromycin, Erythromycin), Fluorchinolone (Levofloxacin, Moxifloxacin) |
| Antidepressiva | Amitryptilin, Clomipramin, Desipramin, Doxepin, Imipramin, Maprotilin |
| Neuroleptika | Amisulprid, Clozapin, Haloperidol, Melperon, Risperidon, Tiaprid u.a. |
| SSRI | Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin |
| Antihistaminika | Clemastin, Terfenadin |
| Malariamittel | Chinin, Chloroquin, Halofantrin |
| Weitere | Valproat, Lithium, Venlafaxin, Tacrolimus, Tizanidin, Levomethadon |
Diagnostik und EKG-Kontrollen
Vor der Verschreibung eines potenziell QTc-verlängernden Arzneimittels muss ein 12-Kanal-EKG geschrieben und die QTc-Zeit bestimmt werden.
- Reguläre Kontrolle: Nach Einsetzen der Medikation wird eine Kontrolle der QTc-Zeit empfohlen.
- Bei Risikofaktoren: Ein Kontroll-EKG sollte spätestens nach 1 Woche abgeleitet werden.
- Bei Verlängerung: Kommt es unter der neuen Medikation zu einer QTc-Verlängerung, sind weitere EKG-Kontrollen zwingend erforderlich.
Therapeutisches Vorgehen
Bei der Verordnung QTc-verlängernder Medikamente sind folgende Grundregeln zu beachten:
- Kontraindikation: Unbedingte Vermeidung bei Patienten mit angeborenem Long-QT-Syndrom.
- Kombinationen: Die gleichzeitige Verschreibung von mehr als zwei Arzneimitteln mit QTc-verlängernden Eigenschaften ist zu vermeiden.
- Elektrolyte: Auf einen ausgeglichenen Elektrolythaushalt ist strikt zu achten.
- Ernährung: Verzicht auf Grapefruitsaft, da dieser den Arzneimittelmetabolismus hemmt und die QTc-Zeit erheblich verlängern kann.
- Abbruchkriterium: Ab einer QTc-Zeit von >500 ms ist eine Dosisreduktion bzw. das Absetzen der Medikation in Erwägung zu ziehen.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie die kostenfreie Datenbank www.crediblemeds.org, um die Medikation Ihrer Patienten auf QTc-verlängerndes Potenzial zu prüfen. Warnen Sie Patienten explizit vor dem Konsum von Grapefruitsaft.