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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

QTc-Verlängerung durch Medikamente: Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine QTc-Zeit >470 ms (Männer) bzw. >480 ms (Frauen) gilt als verlängert, ab >500 ms besteht ein hohes Risiko für maligne Arrhythmien.
  • Vor Verordnung potenziell QTc-verlängernder Medikamente muss zwingend ein 12-Kanal-EKG geschrieben werden.
  • Bei Vorliegen von Risikofaktoren ist ein Kontroll-EKG spätestens nach einer Woche erforderlich.
  • Die gleichzeitige Gabe von mehr als zwei QTc-verlängernden Arzneimitteln ist zu vermeiden.
  • Grapefruitsaft kann den Abbau der Medikamente hemmen und die QTc-Zeit erheblich verlängern.
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Hintergrund

Viele Arzneimittel können die Repolarisationsdauer des kardialen Aktionspotenzials verlängern. Bei einer medikamentös bedingten Verlängerung spricht man vom erworbenen Long-QT-Syndrom. Die kardiale Repolarisation wird im EKG als QTc-Zeit gemessen.

Eine verlängerte QTc-Zeit erhöht das Risiko für Torsade-de-Pointes-Tachykardien (Spitzenumkehr-Tachykardien). Diese ventrikulären Tachyarrhythmien können zu Synkopen oder zum plötzlichen Herztod führen.

GeschlechtVerlängerte QTc-ZeitHohes Risiko für Tachyarrhythmien
Männer>470 ms>500 ms
Frauen>480 ms>500 ms

Risikofaktoren

Neben der Medikation begünstigen folgende Faktoren ein erworbenes Long-QT-Syndrom:

  • Angeborenes (ggf. unbekanntes) Long-QT-Syndrom
  • Weibliches Geschlecht
  • Bradykardie
  • Strukturelle Herzerkrankung
  • Elektrolytstörungen: Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Hypokalzämie
  • Erhöhte Plasmakonzentrationen: Durch Überdosierung, Intoxikation, Nierendysfunktion, Leberinsuffizienz oder Interaktionen (z. B. Cytochrom P450)

Potenziell QTc-verlängernde Medikamente

Nicht nur Antiarrhythmika, sondern auch viele andere Substanzklassen ohne primär kardiale Wirkung können die QTc-Zeit verlängern.

WirkstoffklasseBeispiele (Auswahl)
AntiarrhythmikaAmiodaron, Propafenon, Sotalol
AntibiotikaMakrolide (Azithromycin, Clarythromycin, Erythromycin), Fluorchinolone (Levofloxacin, Moxifloxacin)
AntidepressivaAmitryptilin, Clomipramin, Desipramin, Doxepin, Imipramin, Maprotilin
NeuroleptikaAmisulprid, Clozapin, Haloperidol, Melperon, Risperidon, Tiaprid u.a.
SSRIFluoxetin, Paroxetin, Sertralin
AntihistaminikaClemastin, Terfenadin
MalariamittelChinin, Chloroquin, Halofantrin
WeitereValproat, Lithium, Venlafaxin, Tacrolimus, Tizanidin, Levomethadon

Diagnostik und EKG-Kontrollen

Vor der Verschreibung eines potenziell QTc-verlängernden Arzneimittels muss ein 12-Kanal-EKG geschrieben und die QTc-Zeit bestimmt werden.

  • Reguläre Kontrolle: Nach Einsetzen der Medikation wird eine Kontrolle der QTc-Zeit empfohlen.
  • Bei Risikofaktoren: Ein Kontroll-EKG sollte spätestens nach 1 Woche abgeleitet werden.
  • Bei Verlängerung: Kommt es unter der neuen Medikation zu einer QTc-Verlängerung, sind weitere EKG-Kontrollen zwingend erforderlich.

Therapeutisches Vorgehen

Bei der Verordnung QTc-verlängernder Medikamente sind folgende Grundregeln zu beachten:

  • Kontraindikation: Unbedingte Vermeidung bei Patienten mit angeborenem Long-QT-Syndrom.
  • Kombinationen: Die gleichzeitige Verschreibung von mehr als zwei Arzneimitteln mit QTc-verlängernden Eigenschaften ist zu vermeiden.
  • Elektrolyte: Auf einen ausgeglichenen Elektrolythaushalt ist strikt zu achten.
  • Ernährung: Verzicht auf Grapefruitsaft, da dieser den Arzneimittelmetabolismus hemmt und die QTc-Zeit erheblich verlängern kann.
  • Abbruchkriterium: Ab einer QTc-Zeit von >500 ms ist eine Dosisreduktion bzw. das Absetzen der Medikation in Erwägung zu ziehen.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die kostenfreie Datenbank www.crediblemeds.org, um die Medikation Ihrer Patienten auf QTc-verlängerndes Potenzial zu prüfen. Warnen Sie Patienten explizit vor dem Konsum von Grapefruitsaft.

Häufig gestellte Fragen

Bei Männern ab >470 ms und bei Frauen ab >480 ms. Ab einem Wert von >500 ms besteht ein hohes Risiko für maligne Rhythmusstörungen.
Generell wird eine Kontrolle nach Einsetzen der Medikation empfohlen. Liegen Risikofaktoren vor, muss das EKG spätestens nach einer Woche abgeleitet werden.
Ab einer Verlängerung auf >500 ms ist eine Dosisreduktion oder das komplette Absetzen der auslösenden Medikation in Erwägung zu ziehen.
Grapefruitsaft hemmt den Arzneimittelmetabolismus. Dies kann zu erhöhten Plasmakonzentrationen der Medikamente führen und die QTc-Zeit erheblich verlängern.

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