Demenz: Telemedizin-Support für pflegende Angehörige
Hintergrund
Die Pflege von Menschen mit Demenz erfolgt häufig im häuslichen Umfeld durch unbezahlte Angehörige. Dies führt oft zu einer erheblichen emotionalen, körperlichen und finanziellen Belastung, die in der Literatur als "Caregiver Burden" beschrieben wird.
Psychoedukative Interventionen zielen darauf ab, diese Belastung zu reduzieren, das Wissen über die Erkrankung zu verbessern und die Bewältigungsstrategien der Pflegenden zu stärken. Aus der Ferne bereitgestellte Formate wie Telefon oder Internet bieten eine Alternative für Angehörige, die Schwierigkeiten haben, Präsenzangebote wahrzunehmen.
Der vorliegende Cochrane Review von 2021 untersucht die Wirksamkeit und Akzeptanz solcher telemedizinischen Interventionen. Dabei werden reine Informationsangebote von komplexeren Schulungs- und Unterstützungsmaßnahmen unterschieden.
Empfehlungen
Der Review vergleicht komplexe telemedizinische Interventionen (Schulung und/oder Unterstützung) mit zwei verschiedenen Kontrollbedingungen.
Die Ergebnisse der Meta-Analyse lassen sich für die primären Endpunkte wie folgt zusammenfassen:
| Endpunkt | vs. Regelversorgung / Warteliste | vs. reine Informationsbereitstellung |
|---|---|---|
| Belastung der Pflegenden | Wahrscheinlich kein Effekt | Mögliche leichte Verringerung |
| Depressive Symptome | Wahrscheinlich kein Effekt | Wahrscheinliche leichte Verbesserung |
| Lebensqualität | Wahrscheinlich kein Effekt | Möglicherweise kein Effekt |
| Studienabbrüche (Akzeptanz) | Wahrscheinlich kein Unterschied | Wahrscheinliche Zunahme (RR 1,51) |
Vergleich mit der Regelversorgung
Laut den Autoren zeigen die untersuchten Interventionen im Vergleich zur üblichen Versorgung, einer Warteliste oder einer Aufmerksamkeitskontrolle kaum Zusatznutzen. Es wird moderate Evidenz für das Ausbleiben von Effekten auf Belastung, Stimmung und Lebensqualität beschrieben.
Vergleich mit reiner Informationsbereitstellung
Wenn die komplexen Interventionen lediglich mit der reinen Bereitstellung von Informationen verglichen werden, zeigen sich laut Review leichte Vorteile. Die Evidenz deutet auf folgende Effekte hin:
-
Eine mögliche leichte Verringerung der Belastung der Pflegenden (niedrige Evidenz).
-
Eine wahrscheinliche leichte Verbesserung der depressiven Symptome (moderate Evidenz).
-
Kein relevanter Unterschied bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
Akzeptanz und Studienabbrüche
Die Akzeptanz der Interventionen wurde anhand der Abbruchraten gemessen. Der Review zeigt, dass komplexe Schulungs- und Unterstützungsangebote im Vergleich zu reinen Informationsangeboten wahrscheinlich zu einer höheren Abbruchrate führen.
Dies deutet darauf hin, dass aufwendigere telemedizinische Programme für die Angehörigen möglicherweise schwerer in den Alltag zu integrieren sind oder eine zusätzliche Belastung darstellen.
💡Praxis-Tipp
Der Review weist darauf hin, dass komplexe telemedizinische Schulungen für Angehörige oft mit höheren Abbruchraten verbunden sind als reine Informationsangebote. Es wird nahegelegt, dass solche Programme in Regionen mit gut ausgebauter Regelversorgung möglicherweise keinen signifikanten Zusatznutzen bieten. Bei der Empfehlung von Online-Programmen ist die individuelle technische und zeitliche Kapazität der Pflegenden zu berücksichtigen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review können telemedizinische Schulungen und Unterstützungsangebote die Belastung und depressive Symptome leicht reduzieren, wenn sie mit reinen Informationsangeboten verglichen werden. Im Vergleich zu einer guten Regelversorgung zeigt sich jedoch meist kein signifikanter Zusatznutzen.
Die Evidenz zeigt, dass aus der Ferne bereitgestellte Interventionen wahrscheinlich keinen relevanten Effekt auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität der pflegenden Angehörigen haben. Dies gilt sowohl im Vergleich zur Regelversorgung als auch zu reinen Informationsangeboten.
Der Review stellt fest, dass Teilnehmer an komplexen Schulungs- und Unterstützungsprogrammen häufiger die Studien abbrechen als Personen, die nur Informationsmaterial erhalten. Dies deutet auf mögliche Hürden bei der Nutzung oder eine zusätzliche zeitliche Belastung hin.
Die aktuelle Evidenz ist laut den Autoren sehr unsicher bezüglich der Frage, ob telemedizinische Interventionen für Angehörige eine stationäre Aufnahme der Patienten verzögern können. Es liegen hierzu nicht genügend aussagekräftige Daten vor.
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Quelle: Cochrane Review: Remotely delivered information, training and support for informal caregivers of people with dementia (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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