Kopfschmerz: DEGAM S1-Leitlinie für die Hausarztpraxis
📋Auf einen Blick
- •Die Anamnese ist das wichtigste Instrument zur Unterscheidung zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen.
- •Bei jedem neu aufgetretenen Kopfschmerz muss eine neurologische Untersuchung erfolgen.
- •Eine Bildgebung ist nur bei Vorliegen von Red Flags oder atypischer Präsentation indiziert.
- •Die First-Line-Therapie der Migräneattacke besteht aus Ibuprofen (400-600 mg) und Metoclopramid (10 mg).
Hintergrund
Die DEGAM S1-Leitlinie (2020) bietet praxisnahe Empfehlungen für die Diagnostik und Therapie primärer Kopfschmerzen in der Hausarztpraxis. Ziel ist die sichere Differenzierung zwischen primären und sekundären Kopfschmerzformen sowie die Einleitung einer adäquaten First-Line-Therapie.
Diagnostik und Differenzialdiagnose
Die Basis der Diagnostik bildet eine differenzierte Anamnese. Bei jedem neuen Kopfschmerz ist eine neurologische Untersuchung obligatorisch. Eine Bildgebung ist nicht routinemäßig erforderlich, sondern nur bei Vorliegen von Red Flags oder einer atypischen Präsentation indiziert.
Die beiden häufigsten primären Kopfschmerzarten unterscheiden sich wie folgt:
| Merkmal | Migräne | Spannungskopfschmerz |
|---|---|---|
| Lokalisation | Einseitig | Beidseitig |
| Schmerzcharakter | Pulsierend | Drückend |
| Begleitsymptome | Übelkeit, Licht- und Lärm-Empfindlichkeit | Keine Übelkeit |
| Dauer | 4-72 Stunden | Keine Angabe |
Red Flags (Warnzeichen)
Das Vorliegen von Warnzeichen erfordert eine sofortige weitere Abklärung, um lebensbedrohliche sekundäre Kopfschmerzursachen auszuschließen:
- Plötzlicher Beginn (Thunderclap): Subarachnoidalblutung (SAB) ausschließen
- Fieber und Nackensteife: Verdacht auf Meningitis
- Neurologische Ausfälle
- Erstmanifestation > 50 Jahre
- Zunehmende Intensität über Wochen
- Wesensänderung
- Papillenödem
First-Line Therapie
Die Leitlinie empfiehlt folgende medikamentöse Therapien für die Akutbehandlung und Prophylaxe:
| Indikation | Therapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| Migräne-Attacke | Ibuprofen 400-600 mg + Metoclopramid 10 mg | Standard-Akuttherapie |
| Schwere Migräne | Triptan (z.B. Sumatriptan 50 mg) | - |
| Spannungskopfschmerz | Paracetamol 1 g ODER Ibuprofen 400 mg | - |
| Migräne-Prophylaxe | Metoprolol, Amitriptylin | Indiziert bei > 4 Migränetagen/Monat |
Überweisungsindikationen
In bestimmten Fällen ist eine Überweisung an einen Facharzt für Neurologie oder die Einweisung in eine Notaufnahme erforderlich:
- Red Flags: Sofortige Überweisung in die Neurologie oder Notaufnahme
- Therapierefraktär: Keine Besserung trotz adäquater Prophylaxe
- Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz
- Cluster-Kopfschmerz: Generelle Überweisung an die Neurologie
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei jedem neu aufgetretenen Kopfschmerz eine neurologische Basisuntersuchung durch und dokumentieren Sie das Fehlen von Red Flags, um sicher auf eine Bildgebung verzichten zu können.