Absetzen von Antihypertensiva im Alter: Cochrane Review
Hintergrund
Bluthochdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Myokardinfarkt. Die medikamentöse Therapie senkt zwar Morbidität und Mortalität, birgt aber besonders bei älteren Menschen auch signifikante Risiken.
Zu den potenziellen Schäden der medikamentösen Therapie gehören unerwünschte Arzneimittelwirkungen, Wechselwirkungen und eine hohe Medikamentenlast (Polypharmazie). Daher wird das Absetzen (Deprescribing) von Antihypertensiva bei bestimmten Personen zunehmend diskutiert.
Dieser systematische Review evaluiert die Auswirkungen des Absetzens oder der Dosisreduktion von Antihypertensiva bei Personen ab 50 Jahren. Der Fokus liegt dabei auf der Behandlung von essenzieller Hypertonie und der Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review fasst die Evidenz zum Absetzen von Antihypertensiva bei älteren Menschen zusammen:
Klinische Endpunkte
Laut Review gibt es keine Evidenz dafür, dass das Absetzen der Medikation die Gesamtmortalität oder das Risiko für einen Myokardinfarkt erhöht (Evidenz von niedriger bis sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit). Auch das Risiko für Schlaganfälle oder Krankenhausaufenthalte zeigte in den analysierten Studien keine signifikante Erhöhung.
Auswirkungen auf den Blutdruck
Das Absetzen der blutdrucksenkenden Medikamente führt laut den Daten zu einem moderaten Anstieg des Blutdrucks.
| Endpunkt | Effekt durch Absetzen | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Gesamtmortalität | Keine signifikante Erhöhung | Niedrig |
| Myokardinfarkt | Keine signifikante Erhöhung | Sehr niedrig |
| Systolischer Blutdruck | Anstieg um durchschnittlich 9,75 mmHg | Niedrig |
| Diastolischer Blutdruck | Anstieg um durchschnittlich 3,5 mmHg | Niedrig |
Unerwünschte Ereignisse und Umsetzung
Die Autoren des Reviews betonen, dass das Absetzen das Risiko für unerwünschte Ereignisse nicht zu erhöhen scheint und potenziell medikamentenbedingte Nebenwirkungen aufheben kann. Es wird berichtet, dass die Mehrheit der älteren Menschen in den Absetzgruppen ihre Medikation im Studienverlauf nicht wieder aufnehmen musste.
Für die klinische Praxis werden folgende Aspekte hervorgehoben:
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Die Entscheidung zum Absetzen sollte durch gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared Decision-Making) erfolgen.
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Es wird eine enge Überwachung der individuellen Effekte und des Blutdrucks nach dem Absetzen empfohlen.
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Besondere Aufmerksamkeit gilt Personen mit hohem Schadensrisiko, wie etwa bei Gebrechlichkeit (Frailty), Stürzen, Demenz oder Polypharmazie.
Kontraindikationen
Der Review schloss Studien mit Personen aus, die bereits einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine andere Herzerkrankung erlitten hatten (Sekundärprävention). Für diese Gruppe gelten die Aussagen zur potenziellen Sicherheit des Absetzens von Antihypertensiva nicht.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass das Absetzen von Antihypertensiva bei älteren Menschen in der Primärprävention oft sicher möglich ist, ohne die Mortalität signifikant zu erhöhen. Es wird jedoch betont, dass ein moderater Blutdruckanstieg zu erwarten ist, weshalb eine engmaschige klinische Überwachung nach dem Absetzen unerlässlich ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review führt das Absetzen zu einem moderaten Anstieg. Der systolische Wert steigt im Durchschnitt um etwa 9,75 mmHg und der diastolische um 3,5 mmHg.
Die analysierten Daten zeigen keine Evidenz für ein erhöhtes Risiko bezüglich Gesamtmortalität oder Herzinfarkten beim Absetzen in der Primärprävention. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird jedoch als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.
Der Review berichtet, dass die Mehrheit der älteren Menschen in den Absetzgruppen die Medikation nicht wieder aufnehmen musste. Nur bei einem kleineren Teil der Personen machten klinische Kriterien eine Wiederaufnahme erforderlich.
Ein Absetzen wird laut den Autoren besonders bei Personen diskutiert, bei denen das Risiko für medikamentöse Schäden hoch ist. Dazu zählen ältere Menschen mit Gebrechlichkeit (Frailty), Sturzneigung, Demenz oder Polypharmazie.
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Quelle: Cochrane Review: Withdrawal of antihypertensive drugs in older people (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.