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Postoperative Infektionen bei CED-Therapie: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Medikamente zur Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) verbessern die klinischen Ergebnisse und verzögern die Notwendigkeit chirurgischer Eingriffe. Es ist jedoch bekannt, dass einige dieser Therapien das allgemeine Infektionsrisiko erhöhen.

Der vorliegende Cochrane Review (2020) untersucht den Einfluss perioperativer CED-Medikamente auf das Risiko postoperativer Infektionen. Der Beobachtungszeitraum umfasst dabei die ersten 30 Tage nach dem chirurgischen Eingriff.

Die Datengrundlage bilden 68 Beobachtungsstudien mit Patienten, die an Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder unbestimmter Colitis leiden. Es wurden sowohl elektive als auch Notfalloperationen in die Analyse eingeschlossen.

Empfehlungen

Der Cochrane Review formuliert folgende Kernaussagen zum postoperativen Infektionsrisiko:

Gesamtrisiko für postoperative Infektionen

Die Auswertung der gepoolten Daten zeigt unterschiedliche Quotenverhältnisse (Odds Ratios, OR) für das Auftreten von Infektionen innerhalb von 30 Tagen nach der Operation. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz (GRADE) wird für alle untersuchten Substanzklassen als niedrig oder sehr niedrig eingestuft.

MedikamentenklasseOdds Ratio (OR) für Gesamtinfektionen95%-KonfidenzintervallEvidenzgrad
Kortikosteroide1,701,38 bis 2,09Niedrig
Anti-TNF-Wirkstoffe1,601,20 bis 2,13Sehr niedrig
Immunmodulatoren1,290,95 bis 1,76Niedrig
Anti-Integrin-Wirkstoffe1,040,79 bis 1,36Niedrig
Aminosalicylate (5-ASA)*0,760,51 bis 1,14Sehr niedrig

(Hinweis: Die Daten für 5-ASA basieren auf unbereinigten Werten, alle anderen auf bereinigten Daten).

Sekundäre Endpunkte

Der Review untersuchte zusätzlich spezifische Infektionsarten. Auch hier zeigte sich für alle untersuchten Medikamentenklassen eine sehr niedrige Evidenz:

  • Wundbezogene Komplikationen: Keine signifikanten Auffälligkeiten, jedoch sehr unsichere Datenlage.

  • Intraabdominelle Infektionen: Kortikosteroide (OR 1,53) und Anti-TNF-Wirkstoffe (OR 1,38) zeigten tendenziell erhöhte Quotenverhältnisse.

  • Extraabdominelle Infektionen: Leicht erhöhte Quotenverhältnisse für Kortikosteroide (OR 1,23) und Anti-TNF-Wirkstoffe (OR 1,34) im Vergleich zu Kontrollgruppen.

Klinische Schlussfolgerungen

Aufgrund der unsicheren Datenlage lassen sich laut der Autoren keine festen Schlüsse über die Sicherheit der Medikamente in der perioperativen Phase ziehen. Es wird betont, dass Entscheidungen über die präoperative CED-Medikation individuell an die spezifischen Umstände der behandelten Person angepasst werden müssen.

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💡Praxis-Tipp

Da die Evidenz zum postoperativen Infektionsrisiko unter CED-Medikation sehr gering ist, raten die Autoren des Reviews von pauschalen Therapieentscheidungen ab. Es wird hervorgehoben, dass die präoperative Fortführung oder das Absetzen von Medikamenten wie Kortikosteroiden oder Anti-TNF-Wirkstoffen stets eine individuelle Einzelfallentscheidung erfordert.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review weisen Patienten unter Kortikosteroiden ein erhöhtes Quotenverhältnis (OR 1,70) für postoperative Infektionen auf. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird jedoch als niedrig eingestuft.

Die Datenlage zu Anti-TNF-Wirkstoffen ist sehr unsicher (sehr niedrige Evidenz). Der Review lässt keine festen Schlüsse zu, weshalb eine individuelle Einzelfallentscheidung empfohlen wird.

Für Aminosalicylate (5-ASA) zeigte sich in den unbereinigten Daten kein signifikant erhöhtes Risiko für postoperative Gesamtinfektionen (OR 0,76). Auch hier ist die Evidenzqualität laut den Autoren sehr niedrig.

Aufgrund der insgesamt niedrigen bis sehr niedrigen Evidenzqualität können die Autoren keine festen Schlüsse über die Sicherheit einzelner Substanzklassen ziehen. Es wird eine individuelle Anpassung der präoperativen Medikation empfohlen.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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