CED-Chirurgie und weibliche Fertilität: Cochrane Review
Hintergrund
Frauen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) benötigen im Verlauf ihrer Erkrankung häufig chirurgische Eingriffe. Eine gängige Methode ist die restaurative Proktokolektomie mit ileoanaler Pouch-Anastomose (IPAA).
Es besteht die Sorge, dass solche Operationen im kleinen Becken das Risiko für eine weibliche Infertilität erhöhen. Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2019 untersucht diese Fragestellung systematisch.
Ziel der Auswertung war es, die Auswirkungen von CED-Operationen auf die Unfruchtbarkeit sowie auf schwangerschaftsbezogene Endpunkte zu bewerten. Dazu wurden 16 Beobachtungsstudien analysiert.
Empfehlungen
Der Review fasst die folgenden zentralen Erkenntnisse zusammen:
Infertilität und Operationsverfahren
Die Auswertung der eingeschlossenen Studien zeigt eine hohe Unsicherheit bezüglich der postoperativen Fruchtbarkeit:
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Die Auswirkungen von CED-Operationen auf die Infertilität nach 12 und 24 Monaten sind sehr ungewiss.
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Ein Vergleich zwischen laparoskopischen und offenen Verfahren deutet auf eine geringere Infertilitätsrate bei der Laparoskopie nach 12 Monaten hin.
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Ein Vorher-Nachher-Vergleich zeigt numerisch höhere Infertilitätsraten nach einem chirurgischen Eingriff.
Schwangerschaftskomplikationen
Laut den Autoren ist eine vorangegangene Operation mit bestimmten Risiken assoziiert. Die Evidenz hierfür wird jedoch als sehr niedrig eingestuft.
| Endpunkt | Assoziation mit vorheriger CED-Operation | Evidenzqualität |
|---|---|---|
| Fehlgeburten | Erhöhtes Risiko | Sehr niedrig |
| Nutzung von Reproduktionsmedizin (ART) | Erhöhte Wahrscheinlichkeit | Sehr niedrig |
| Kaiserschnittentbindung | Erhöhte Rate | Sehr niedrig |
| Geringes Geburtsgewicht | Erhöhtes Risiko | Sehr niedrig |
| Totgeburten | Keine signifikante Assoziation | Sehr niedrig |
| Frühgeburten | Keine signifikante Assoziation | Sehr niedrig |
Einschränkungen der Evidenz
Die Autoren betonen, dass keine definitiven Schlussfolgerungen gezogen werden können. Alle eingeschlossenen Studien weisen ein hohes Verzerrungsrisiko auf.
Ein wesentlicher Störfaktor in den Vorher-Nachher-Vergleichen ist das fortgeschrittene Alter der Frauen nach der Operation. Weitere gut konzipierte Studien sind erforderlich, um den tatsächlichen Einfluss der Chirurgie zu verstehen.
💡Praxis-Tipp
Bei der Aufklärung von CED-Patientinnen vor einem chirurgischen Eingriff sollte die hohe Unsicherheit der Datenlage bezüglich der postoperativen Fertilität transparent kommuniziert werden. Es wird darauf hingewiesen, dass laparoskopische Verfahren möglicherweise einen geringeren negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben als offene Operationen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist der genaue Effekt von chirurgischen Eingriffen auf die weibliche Fertilität sehr ungewiss. Vorher-Nachher-Vergleiche zeigen zwar höhere Infertilitätsraten nach der Operation, die Datenqualität ist jedoch sehr gering.
Die Daten deuten darauf hin, dass die Infertilitätsrate nach 12 Monaten bei laparoskopischen Eingriffen niedriger ist als bei offenen Operationen. Auch hier betonen die Autoren jedoch die sehr niedrige Evidenzqualität.
Der Review fand eine Assoziation zwischen vorherigen Operationen und einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten. Aufgrund methodischer Schwächen der Studien lassen sich daraus aber keine definitiven Schlüsse ziehen.
Die Auswertung zeigt, dass Frauen nach einem chirurgischen Eingriff häufiger assistierte Reproduktionstechnologien (ART) in Anspruch nehmen. Ein möglicher Störfaktor ist dabei das höhere Alter der Patientinnen nach der Operation.
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Quelle: Cochrane Review: The impact of surgical therapies for inflammatory bowel disease on female fertility (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.