Atemmuskeltraining bei neuromuskulären Erkrankungen: Cochrane
Hintergrund
Neuromuskuläre Erkrankungen (NMD) umfassen eine heterogene Gruppe von Krankheiten, die zu einer fortschreitenden Schwäche der Extremitäten- und oft auch der Atemmuskulatur führen. Ein Atemmuskeltraining (RMT) könnte theoretisch diese Schwäche verbessern.
Der vorliegende Cochrane Review (2019) synthetisiert die verfügbare Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von RMT. Eingeschlossen wurden Kinder und Erwachsene mit NMD, die nicht mechanisch beatmet werden mussten.
Verglichen wurde das Training (inspiratorisch, exspiratorisch oder beides) mit Scheintraining, Standardbehandlung, Atemübungen oder keiner Intervention. Insgesamt wurden 11 Studien mit 250 Teilnehmern analysiert.
Empfehlungen
Die Autoren des Reviews fassen die Ergebnisse für verschiedene neuromuskuläre Erkrankungen zusammen. Aufgrund von klinischer Heterogenität und einem hohen Verzerrungsrisiko (Risk of Bias) in vielen Studien ist die Evidenzqualität überwiegend niedrig.
Es wird betont, dass die Ergebnisse aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen und methodischer Schwächen sehr vorsichtig interpretiert werden müssen. Eine Meta-Analyse war aufgrund der unterschiedlichen Populationen und Endpunkte weitgehend nicht möglich.
| Erkrankung | Intervention vs. Kontrolle | Ergebnis (Lungenkapazität) | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) | Exspiratorisches Training vs. Scheintraining (8 Wochen) | Kein klarer Unterschied bei der forcierten Vitalkapazität (FVC) | Niedrige Evidenz |
| Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) | Inspiratorisches Training vs. Scheintraining (4 Monate) | Verbesserung der FVC zugunsten des Trainings | Niedrige Evidenz |
| Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) | Atemmuskeltraining vs. Scheintraining (6 Wochen) | Verbesserung der totalen Lungenkapazität (TLC) | Niedrige Evidenz |
| Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) | Atemmuskeltraining vs. kein Training (6 Monate) | Kein klarer Unterschied bei der Vitalkapazität | Niedrige Evidenz |
| Becker- / Gliedergürteldystrophie | Inspiratorisches Training vs. Atemübungen (12 Wochen) | Keine Schlussfolgerungen möglich | Sehr niedrige Evidenz |
| Myasthenia gravis | Atemmuskeltraining vs. Atemübungen (Kurzzeit) | Kein klarer Unterschied bei der TLC | Niedrige Evidenz |
Weitere klinische Endpunkte
Hinsichtlich weiterer Parameter zeigt der Review folgende Tendenzen:
-
Bei ALS zeigt sich kein klarer Unterschied bezüglich der körperlichen Funktion (ALFRS-Score) oder der Lebensqualität.
-
Die Auswirkungen von Atemmuskeltraining auf die Lebensqualität bei Myasthenia gravis bleiben ungewiss.
-
Langzeitdaten (über ein Jahr) sowie Daten zu ungeplanten Krankenhausaufenthalten wegen Atemwegsinfekten fehlen in den eingeschlossenen Studien vollständig.
💡Praxis-Tipp
Der Review verdeutlicht, dass ein Atemmuskeltraining bei neuromuskulären Erkrankungen zwar die Lungenkapazität in einigen Fällen leicht verbessern kann, ein klarer klinischer Nutzen für die Lebensqualität oder körperliche Funktion jedoch nicht belegt ist. Es wird darauf hingewiesen, dass die aktuelle Studienlage aufgrund methodischer Schwächen keine robusten Therapieentscheidungen zulässt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Review gibt es Hinweise von niedriger Qualität, dass ein viermonatiges inspiratorisches Training die forcierte Vitalkapazität (FVC) verbessern kann. Ein achtwöchiges exspiratorisches Training zeigte hingegen keinen klaren Unterschied.
Die aktuelle Evidenz zeigt keinen klaren Nutzen für die Lebensqualität oder die körperliche Funktion, insbesondere bei ALS. Für andere Erkrankungen wie Myasthenia gravis ist die Datenlage diesbezüglich ungewiss.
Der Review stellt fest, dass die Sicherheit des Trainings unklar ist, da nur eine einzige Studie zu ALS Informationen über unerwünschte Ereignisse lieferte. In dieser spezifischen Studie wurden keine negativen Effekte berichtet.
Die Studienlage zu DMD ist widersprüchlich und von niedriger Qualität. Während eine Kurzzeitstudie eine verbesserte totale Lungenkapazität zeigte, ergab ein Vergleich über sechs Monate keinen klaren Unterschied zu einer Kontrollgruppe ohne Training.
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Quelle: Cochrane Review: Respiratory muscle training in children and adults with neuromuscular disease (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.