Akute Pyelonephritis bei Kindern: Cochrane Review
Hintergrund
Harnwegsinfektionen sind bei Kindern eine häufige Diagnose. Dabei haben nur Kinder mit einer akuten Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), nicht aber solche mit einer einfachen Zystitis (Blasenentzündung), ein Risiko für langfristige Nierenschäden.
Eine nicht-invasive Unterscheidung dieser beiden Entitäten könnte helfen, die Behandlung und Nachsorge individuell anzupassen. Bisher gilt der akute DMSA-Scan (99Tc-Dimercaptobernsteinsäure) als Referenzstandard für diese Differenzierung.
Der vorliegende Cochrane Review (2020) untersucht, ob die Biomarker Procalcitonin (PCT), C-reaktives Protein (CRP) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) den DMSA-Scan in der diagnostischen Evaluation ersetzen können.
Empfehlungen
Der Review vergleicht die diagnostische Genauigkeit der drei Biomarker anhand von 36 eingeschlossenen Studien. Die primäre Analyse nutzte spezifische Cut-off-Werte für jeden Test.
Diagnostische Genauigkeit der Biomarker
| Biomarker | Cut-off | Sensitivität | Spezifität |
|---|---|---|---|
| Procalcitonin (PCT) | 0,5 ng/mL | 0,81 | 0,76 |
| C-reaktives Protein (CRP) | 20 mg/L | 0,93 | 0,37 |
| Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) | 30 mm/h | 0,83 | 0,57 |
Klinische Bewertung der Tests
Die Autoren des Reviews ziehen folgende Schlüsse zur klinischen Anwendbarkeit der einzelnen Parameter:
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BSG: Der Test ist nicht ausreichend genau, um hilfreich bei der Unterscheidung zwischen Zystitis und Pyelonephritis zu sein.
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CRP: Ein niedriger Wert (< 20 mg/L) ist bedingt nützlich, um eine Pyelonephritis auszuschließen, da die Wahrscheinlichkeit auf unter 20 Prozent sinkt. Unerklärte Heterogenität in den Daten verhindert jedoch eine klare Empfehlung.
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PCT: Dieser Marker scheint besser geeignet zu sein, um eine Pyelonephritis zu bestätigen ("rule in"). Auch hier verhindern die geringe Studienzahl und die deutliche Heterogenität definitive Schlussfolgerungen.
Fazit für die Praxis
Zusammenfassend wird festgestellt, dass derzeit keine überzeugende Evidenz vorliegt. Der routinemäßige Einsatz dieser Tests in der klinischen Praxis wird daher nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Obwohl Entzündungsparameter im klinischen Alltag häufig bestimmt werden, zeigt der Review, dass sich eine akute Pyelonephritis nicht zuverlässig durch CRP, PCT oder BSG von einer Zystitis abgrenzen lässt. Es wird hervorgehoben, dass diese Biomarker den DMSA-Scan als Referenzstandard derzeit nicht ersetzen können.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Review ist ein CRP-Wert von unter 20 mg/L bedingt nützlich, um eine Pyelonephritis auszuschließen. Die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen der Erkrankung sinkt dadurch auf unter 20 Prozent.
Procalcitonin scheint bei einem Cut-off von 0,5 ng/mL von den untersuchten Tests am besten geeignet zu sein, um eine Pyelonephritis zu bestätigen. Aufgrund der hohen Heterogenität der Studienlage lassen sich daraus jedoch keine definitiven Empfehlungen ableiten.
Der Review kommt zu dem Ergebnis, dass die BSG nicht ausreichend genau ist. Sie hilft nicht zuverlässig bei der Unterscheidung zwischen einer Zystitis und einer akuten Pyelonephritis.
Derzeit gibt es keine überzeugende Evidenz, dass PCT, CRP oder BSG den akuten DMSA-Scan ersetzen können. Der routinemäßige Einsatz dieser Tests für diesen spezifischen Zweck wird daher nicht empfohlen.
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Quelle: Cochrane Review: Procalcitonin, C-reactive protein, and erythrocyte sedimentation rate for the diagnosis of acute pyelonephritis in children (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.