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Infectious Diseases Society of America (IDSA)2023InfektiologieCritical Care

Neues Fieber auf der Intensivstation: Leitlinie (IDSA/SCCM)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Infectious Diseases Society of America (IDSA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Fieber auf der Intensivstation ist definiert als eine einmalige Temperaturmessung von ≥ 38,3 °C.
  • Zentrale Temperaturmessungen (z. B. Blasenkatheter, Ösophagussonde) sind peripheren Messungen vorzuziehen; axilläre und tympanische Messungen sind unzuverlässig.
  • Antipyretika sollten nicht routinemäßig zur reinen Fiebersenkung eingesetzt werden, es sei denn zur Symptomlinderung.
  • Bei jedem neuen Fieber auf der ITS wird ein Röntgen-Thorax empfohlen.
  • Bei liegendem ZVK sollen Blutkulturen simultan zentral und peripher entnommen werden (Differential Time to Positivity).
  • Bei Verdacht auf eine Harnwegsinfektion muss der Urinkatheter vor der Kulturgewinnung gewechselt werden.
  • Biomarker (PCT/CRP) helfen bei niedriger bis mittlerer Wahrscheinlichkeit, eine bakterielle Infektion auszuschließen.
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Hintergrund

Fieber tritt bei 26–88 % der erwachsenen Intensivpatienten auf und ist ein häufiger Frühindikator für Infektionen. Die IDSA/SCCM-Leitlinie (2023) definiert Fieber auf der Intensivstation als eine einmalige Temperaturmessung von ≥ 38,3 °C. Die Leitlinie fokussiert sich auf die Diagnostik bei immunkompetenten erwachsenen Intensivpatienten.

Temperaturmessung und Fiebersenkung

Die genaue Erfassung der Körpertemperatur ist essenziell. Nicht alle Messmethoden sind bei kritisch kranken Patienten zuverlässig.

MethodeBeispieleEmpfehlung
Zentral (bevorzugt)Pulmonalarterienkatheter, Blasenkatheter, ÖsophagussondeBevorzugt, wenn Devices einliegen
Peripher (akzeptabel)Oral, RektalSchwache Empfehlung, falls zentral nicht möglich
UnzuverlässigAxillär, Tympanisch (Ohr), Schläfenarterie, chemische PunkteNicht empfohlen

Zur medikamentösen Fiebersenkung gibt die Leitlinie klare Vorgaben:

  • Kein routinemäßiger Einsatz von Antipyretika mit dem alleinigen Ziel der Temperatursenkung (Schwache Empfehlung).
  • Antipyretika können eingesetzt werden, wenn der Patientenkomfort im Vordergrund steht (Schwache Empfehlung).

Bildgebende Diagnostik

Die Bildgebung sollte zielgerichtet erfolgen, um Infektionsquellen zu lokalisieren.

ModalitätIndikationEmpfehlungsgrad
Röntgen-ThoraxJeder Patient mit neuem Fieber auf der ITSBest-Practice-Statement
CT (Thorax/Abdomen/Becken)Kürzliche OP in dieser Region + unklare ÄtiologieBest-Practice-Statement
Abdomen-SonographieKürzliche Bauch-OP, abdominelle Symptome, Leberwerte ↑ (Transaminasen, AP, Bilirubin)Best-Practice-Statement
Thorax-SonographieAbnormer Röntgen-Thorax + vorhandene ExpertiseSchwache Empfehlung
18F-FDG PET/CTUnklare Ätiologie nach Basisdiagnostik + vertretbares TransportrisikoSchwache Empfehlung

Hinweis: Eine routinemäßige Abdomen-Sonographie ohne klinische Symptome oder auffällige Leberwerte wird nicht empfohlen.

Mikrobiologische Diagnostik

Blutkulturen

Die korrekte Abnahme von Blutkulturen (BK) ist entscheidend zur Vermeidung von Kontaminationen und Fehldiagnosen.

  • Standard-Abnahme: Mindestens zwei Sets (idealerweise insgesamt 60 ml Blut) sequenziell aus verschiedenen anatomischen Regionen ohne Zeitintervall abnehmen (Best-Practice-Statement).
  • Bei liegendem ZVK: Simultane Abnahme aus dem ZVK und einer peripheren Vene zur Berechnung der Differential Time to Positivity (DTP). Ist die ZVK-Kultur ≥ 2 Stunden früher positiv als die periphere, spricht dies für eine katheterassoziierte Bakteriämie (Best-Practice-Statement).
  • ZVK-Lumen: Wenn Blut aus dem ZVK entnommen wird, müssen mindestens zwei Lumen beprobt werden (Best-Practice-Statement).
  • Molekulare Schnelltests: Dürfen nur in Kombination mit konventionellen Blutkulturen angewendet werden (Schwache Empfehlung).

Urinkulturen

Bei Verdacht auf eine Harnwegsinfektion (HWI) und Vorliegen einer Pyurie (5–10 Leukozyten/Gesichtsfeld) muss der Urinkatheter gewechselt werden. Die Urinkultur darf nur aus dem neu gelegten Katheter gewonnen werden (Best-Practice-Statement).

Virale Diagnostik

  • Bei Verdacht auf Pneumonie oder neuen Atemwegssymptomen wird ein virales NAAT-Panel (Multiplex-PCR) empfohlen (Schwache Empfehlung).
  • Eine routinemäßige Blutuntersuchung auf virale Erreger (z. B. Herpesviren, Adenoviren) bei immunkompetenten Patienten wird mangels Evidenz nicht empfohlen.
  • Eine SARS-CoV-2-PCR wird in Abhängigkeit der lokalen Inzidenz empfohlen (Best-Practice-Statement).

Biomarker (PCT und CRP)

Biomarker sollten niemals isoliert, sondern immer in Kombination mit der klinischen Beurteilung betrachtet werden. Sie dienen primär der Deeskalation von Antibiotika.

Klinische Wahrscheinlichkeit (bakteriell)MaßnahmeZiel
Niedrig bis mittelPCT oder CRP bestimmen (Schwache Empfehlung)Ausschluss einer bakteriellen Infektion / Hilfe beim Absetzen von Antibiotika
HochPCT / CRP nicht zum Ausschluss bestimmen (Schwache Empfehlung)Vermeidung falsch-negativer Fehlentscheidungen bei manifester Sepsis

💡Praxis-Tipp

Wechseln Sie bei Verdacht auf eine katheterassoziierte Harnwegsinfektion (CAUTI) immer den Urinkatheter, bevor Sie Urin für die mikrobiologische Kultur gewinnen. Nehmen Sie bei liegendem ZVK Blutkulturen immer simultan zentral und peripher ab, um die 'Differential Time to Positivity' zu bestimmen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie definiert Fieber auf der ITS als eine einmalige Temperaturmessung von ≥ 38,3 °C.
Nein, die routinemäßige Gabe zur reinen Temperatursenkung wird nicht empfohlen. Sie können jedoch zur Symptomlinderung (Patientenkomfort) eingesetzt werden.
Zentrale Messmethoden (z. B. Blasenkatheter, Ösophagussonde, Pulmonalarterienkatheter) sind der Goldstandard. Axilläre oder tympanische Messungen sind unzuverlässig und werden nicht empfohlen.
Nicht routinemäßig. Ein Abdomen-Ultraschall wird nur bei kürzlicher Bauch-OP, abdominellen Symptomen oder erhöhten Leberwerten (Transaminasen, AP, Bilirubin) empfohlen.
Bei niedriger bis mittlerer klinischer Wahrscheinlichkeit für eine bakterielle Infektion können PCT oder CRP helfen, diese auszuschließen und Antibiotika sicherer abzusetzen. Bei hoher Wahrscheinlichkeit sollten sie nicht zum Ausschluss genutzt werden.

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