Thromboseprophylaxe bei Chemotherapie: Cochrane Review
Hintergrund
Tumorpatienten haben ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien (VTE). Eine Chemotherapie kann die Blutgerinnung weiter aktivieren und dieses Risiko signifikant steigern.
Zur Vorbeugung von Blutgerinnseln werden Antikoagulanzien eingesetzt. Der vorliegende Cochrane Review (2020) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit dieser primären Thromboseprophylaxe bei ambulanten Krebspatienten unter Chemotherapie.
Die eingeschlossenen Studien umfassen hauptsächlich Personen mit lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Krebserkrankungen. Ein zentraler Aspekt der Bewertung ist die Abwägung zwischen der Verhinderung von VTE und dem Risiko für schwere Blutungen.
Empfehlungen
Der Review fasst die Evidenz zu verschiedenen Antikoagulanzien wie folgt zusammen:
Vergleich der Antikoagulanzien
Die folgende Tabelle stellt die zentralen Ergebnisse für die primäre pharmakologische Prophylaxe dar:
| Intervention | Vergleich | Effekt auf symptomatische VTE | Effekt auf schwere Blutungen | Evidenzqualität |
|---|---|---|---|---|
| DOAK (Apixaban, Rivaroxaban) | Placebo | Senkung möglich (RR 0.43) | Wahrscheinliche Erhöhung (RR 1.74) | Niedrig bis moderat |
| Niedermolekulares Heparin (NMH) | Placebo / Keine Prophylaxe | Signifikante Senkung (RR 0.62) | Wahrscheinliche Erhöhung (RR 1.63) | Moderat bis hoch |
| Warfarin | Placebo | Senkung möglich | Starke Erhöhung möglich | Niedrig |
Spezifische Patientengruppen und Alternativen
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Bei Personen mit Multiplem Myelom senkt NMH die Rate symptomatischer VTE im Vergleich zu Warfarin (hohe Evidenzqualität) und wahrscheinlich auch im Vergleich zu Aspirin (moderate Evidenzqualität).
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Die Datenlage zu Warfarin im Vergleich zu Placebo ist zu begrenzt, um einen routinemäßigen Einsatz zur VTE-Prophylaxe bei Krebspatienten zu unterstützen.
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Zu mechanischen Maßnahmen wie der intermittierenden pneumatischen Kompression oder medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen liegen laut den Autoren keine Studien vor.
Risikostratifizierung
Vor dem Einsatz einer primären antithrombotischen Prophylaxe wird die Bestimmung des individuellen VTE-Risikos empfohlen. Hierfür wird in der Literatur häufig der Khorana-Score herangezogen.
Ein Score von 2 oder höher wird genutzt, um Patienten mit einem hohen Risiko zu identifizieren. Die Autoren betonen, dass eine weitere Verbesserung der Risikostratifizierung notwendig ist, um die Patienten zu ermitteln, die am meisten von einer Prophylaxe profitieren.
💡Praxis-Tipp
Der Einsatz einer primären Thromboseprophylaxe erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen dem Nutzen der VTE-Reduktion und dem Risiko schwerer Blutungen. Es wird empfohlen, validierte Risikostratifizierungsmodelle wie den Khorana-Score zu nutzen, um diejenigen ambulanten Tumorpatienten zu identifizieren, die am meisten von einer medikamentösen Prophylaxe profitieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review können direkte Faktor-Xa-Inhibitoren wie Apixaban und Rivaroxaban die Inzidenz symptomatischer venöser Thromboembolien senken. Allerdings geht dies wahrscheinlich mit einem erhöhten Risiko für schwere Blutungen einher.
NMH senkt die Rate symptomatischer Blutgerinnsel bei ambulanten Tumorpatienten unter Chemotherapie mit hoher Evidenzqualität. Wie bei den DOAKs wird jedoch auch hier ein erhöhtes Risiko für schwere Blutungsereignisse beschrieben.
Bei Patienten mit Multiplem Myelom zeigt NMH eine bessere Wirksamkeit zur Reduktion symptomatischer VTE als der Vitamin-K-Antagonist Warfarin. Schwere Blutungen traten in den untersuchten Studien unter NMH und Warfarin bei dieser Patientengruppe nicht auf.
Der Review fand keine randomisierten kontrollierten Studien, die den Einsatz von medizinischen Kompressionsstrümpfen zur primären VTE-Prophylaxe bei dieser speziellen Patientengruppe untersuchten. Die Evidenz beschränkt sich auf pharmakologische Interventionen.
Zur Einschätzung des individuellen Risikos für venöse Thromboembolien wird häufig der Khorana-Score verwendet. Ein Score von 2 oder höher identifiziert dabei Patienten mit einem hohen VTE-Risiko, die potenziell von einer Prophylaxe profitieren.
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Quelle: Cochrane Review: Primary prophylaxis for venous thromboembolism in ambulatory cancer patients receiving chemotherapy (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.