Prähabilitation bei Bauchaortenaneurysma: Cochrane Review
Hintergrund
Ein Bauchaortenaneurysma (BAA) ist definiert als eine abnormale Erweiterung der Bauchaorta um mindestens 50 Prozent oder auf einen Gesamtdurchmesser von über 3 cm. Ab einem Durchmesser von etwa 5,5 cm steigt das Rupturrisiko signifikant an.
Die elektive operative Versorgung eines BAA geht häufig mit einer relevanten peri- und postoperativen Morbidität einher. Um die funktionelle Kapazität der Betroffenen vor dem Eingriff zu steigern und postoperative Ergebnisse zu verbessern, wird zunehmend der Einsatz von präoperativen Trainingsprogrammen (Prähabilitation) diskutiert.
Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract eines Cochrane Reviews, der die Effekte solcher Trainingsprogramme auf die peri- und postoperative Morbidität und Mortalität untersucht.
Empfehlungen
Der Cochrane Review analysiert vier randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 232 Teilnehmenden. Die untersuchten Trainingsprogramme umfassten Zirkeltraining, moderates Ausdauertraining sowie hochintensives Intervalltraining (HIIT).
Auswirkungen auf postoperative Komplikationen
Die Evidenzqualität der eingeschlossenen Studien wird insgesamt als niedrig bis sehr niedrig eingestuft. Dennoch zeigen sich Tendenzen für bestimmte klinische Endpunkte im Vergleich zur Standardversorgung ohne Training.
| Klinischer Endpunkt | Effekt der Prähabilitation (vs. Standardversorgung) | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Kardiale Komplikationen | Mögliche Reduktion (RR 0.36) | Niedrig |
| Renale Komplikationen | Mögliche Reduktion (RR 0.31) | Niedrig |
| 30-Tage-Mortalität | Ungewisser Effekt (RR 1.33) | Sehr niedrig |
| Pulmonale Komplikationen | Ungewisser Effekt (RR 0.49) | Sehr niedrig |
| Re-Interventionsbedarf | Ungewisser Effekt (RR 1.29) | Sehr niedrig |
| Postoperative Blutungen | Ungewisser Effekt (RR 0.57) | Sehr niedrig |
Krankenhausaufenthalt und Lebensqualität
Laut der Übersichtsarbeit gibt es kaum oder keine Unterschiede zwischen der Trainingsgruppe und der Kontrollgruppe hinsichtlich der Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation. Auch bei der Gesamtkrankenhausverweildauer und der postoperativen Lebensqualität zeigten sich keine relevanten Differenzen.
Forschungsbedarf
Die Autoren schlussfolgern, dass weitere methodisch hochwertige Studien mit größeren Fallzahlen und längeren Nachbeobachtungszeiten erforderlich sind. Dabei sollten insbesondere folgende Aspekte geklärt werden:
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Die optimale Art und Kosteneffizienz der Trainingsprogramme
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Die minimale Anzahl an Sitzungen und die nötige Programmdauer für klinisch relevante Vorteile
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Die Identifikation der Personengruppen, die am meisten von der Prähabilitation profitieren
💡Praxis-Tipp
Obwohl die Evidenzlage noch schwach ist, deutet der Review darauf hin, dass ein strukturiertes präoperatives Training das Risiko für kardiale und renale Komplikationen nach einer BAA-Operation senken könnte. Es wird hervorgehoben, dass die bisherigen Studien ein hohes Verzerrungsrisiko aufweisen, weshalb die Ergebnisse mit entsprechender Vorsicht zu interpretieren sind.
Häufig gestellte Fragen
Unter Prähabilitation versteht man ein gezieltes präoperatives Training, um die funktionelle Kapazität vor dem chirurgischen Eingriff zu verbessern. Der Cochrane Review untersuchte dabei Programme wie Zirkeltraining oder hochintensives Intervalltraining.
Laut der Übersichtsarbeit ist es aufgrund der sehr niedrigen Evidenzqualität derzeit ungewiss, ob ein präoperatives Training die 30-Tage-Mortalität nach dem Eingriff reduziert.
Die Daten deuten darauf hin, dass eine Prähabilitation im Vergleich zur Standardversorgung das Auftreten von kardialen und renalen Komplikationen möglicherweise leicht verringert. Für pulmonale Komplikationen oder postoperative Blutungen ist der Effekt hingegen ungewiss.
In den untersuchten Studien variierte die Häufigkeit zwischen drei und sechs Sitzungen pro Woche mit einer Dauer von jeweils einer Stunde. Die Autoren betonen jedoch, dass die optimale Dosis und Dauer noch in weiteren Studien ermittelt werden müssen.
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Quelle: Cochrane Review: Prehabilitation exercise therapy before elective abdominal aortic aneurysm repair (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.