Nahrungsergänzung bei Fettleber (NAFLD): Cochrane Review
Hintergrund
Die nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) weist in verschiedenen Populationen eine Prävalenz von 19 % bis 33 % auf. Sie verringert die Lebenserwartung und erhöht das Risiko für Leberzirrhose, hepatozelluläre Karzinome sowie die Notwendigkeit einer Lebertransplantation.
Bislang gibt es Unsicherheiten bezüglich des Nutzens und der Risiken verschiedener Nahrungsergänzungsmittel bei NAFLD. Aktuell wird laut Leitlinie kein Nahrungsergänzungsmittel für betroffene Personen empfohlen.
Dieser Cochrane Review (2021) analysiert als Netzwerk-Meta-Analyse 202 randomisierte klinische Studien mit 14.200 Teilnehmenden. Ziel war es, die Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener Supplemente wie Vitamine, Fettsäuren und Probiotika zu bewerten.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Kernaussagen:
Fehlende Evidenz für klinischen Nutzen
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Die Evidenz zeigt eine erhebliche Unsicherheit bezüglich der Wirkung jeglicher Nahrungsergänzungsmittel auf klinische Endpunkte.
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In den untersuchten Studien konnten keine signifikanten Unterschiede bei Mortalität, Leberzirrhose oder Lebertransplantationen festgestellt werden.
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Der Review betont, dass leberbedingte Komplikationen oft erst nach 8 bis 28 Jahren auftreten, weshalb die kurzen Studienlaufzeiten (2 bis 28 Monate) keine verlässlichen Schlüsse zulassen.
Unerwünschte Ereignisse und Risiken
Bezüglich der Sicherheit der Präparate weist die Analyse auf mögliche Risiken hin:
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Personen, die mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA) einnehmen, haben möglicherweise ein höheres Risiko für unerwünschte Ereignisse im Vergleich zu Personen ohne aktive Intervention.
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Auch bei der Einnahme von sonstigen Supplementen (außer Vitaminen, Fettsäuren, Phospholipiden und Antioxidantien) zeigten sich höhere Raten an unerwünschten Ereignissen.
Implikationen für die Forschung
Da aktuell keine Empfehlung für eine Supplementierung ausgesprochen werden kann, fordert der Review zukünftige Studien mit spezifischen Kriterien:
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Randomisierte klinische Studien mit einer Mindest-Nachbeobachtungszeit von 8 Jahren.
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Fokus auf harte klinische Endpunkte wie Mortalität, dekompensierte Leberzirrhose und gesundheitsbezogene Lebensqualität.
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Untersuchung spezifischer Interventionen wie Vitamin E, Prä-/Pro-/Synbiotika und PUFAs im direkten Vergleich zu keiner Nahrungsergänzung.
Kontraindikationen
Der Review warnt vor möglichen unerwünschten Ereignissen bei der Einnahme bestimmter Präparate. Die folgende Tabelle fasst die Risiken für beliebige unerwünschte Ereignisse im Vergleich zu keiner aktiven Intervention zusammen:
| Intervention | Effekt auf unerwünschte Ereignisse | Vertrauenswürdigkeit der Evidenz |
|---|---|---|
| Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA) | Erhöhtes Risiko (OR 4,44) | Niedrig |
| Sonstige Supplemente | Erhöhtes Risiko (Rate Ratio 1,73) | Niedrig |
| Vitamin E | Kein signifikanter Unterschied (OR 0,83) | Sehr niedrig |
| Präbiotika / Probiotika | Kein signifikanter Unterschied (OR 0,67) | Sehr niedrig |
💡Praxis-Tipp
Es wird darauf hingewiesen, dass bei Personen mit nicht-alkoholischer Fettleber (NAFLD) derzeit keine Evidenz für den routinemäßigen Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin E, Vitamin D oder Probiotika vorliegt. Der Cochrane Review warnt zudem davor, dass bestimmte Supplemente, insbesondere mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA), das Risiko für unerwünschte Ereignisse erhöhen können, ohne einen nachgewiesenen klinischen Nutzen zu bieten.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem aktuellen Cochrane Review gibt es derzeit keine Evidenz, die den Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln bei einer nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD) rechtfertigt. Es konnte für kein Präparat ein klinischer Nutzen bezüglich Mortalität oder Leberkomplikationen nachgewiesen werden.
Die Analyse weist darauf hin, dass die Einnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFA) möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für unerwünschte Ereignisse verbunden ist. Ein positiver Effekt auf den Krankheitsverlauf konnte nicht belegt werden.
Die bisherigen klinischen Studien weisen eine zu kurze Nachbeobachtungszeit (meist unter 2 Jahren) auf, während sich leberbedingte Komplikationen oft erst nach 8 bis 28 Jahren entwickeln. Daher fordert der Review Langzeitstudien, bevor verlässliche Empfehlungen ausgesprochen werden können.
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Quelle: Cochrane Review: Nutritional supplementation for nonalcohol-related fatty liver disease: a network meta-analysis (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.