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EASL/EASD/EASO (European Liver/Diabetes/Obesity Associations)2024HepatologieEndokrinologieGastroenterologieInnere Medizin

MASLD Leitlinie 2024 (EASL/EASD/EASO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf EASL/EASD/EASO (European Liver/Diabetes/Obesity Associations) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • MASLD ersetzt den Begriff NAFLD und erfordert eine Steatosis hepatis plus mindestens einen kardiometabolischen Risikofaktor.
  • Ein bevölkerungsweites Screening wird nicht empfohlen; stattdessen ist ein gezieltes Case-Finding bei Typ-2-Diabetes, Adipositas oder erhöhten Leberwerten indiziert.
  • Die nicht-invasive Diagnostik erfolgt stufenweise: Zuerst FIB-4-Score, bei unklarem oder hohem Risiko gefolgt von Elastographie (z.B. VCTE).
  • Alkoholkonsum sollte bei allen Patienten mit MASLD entmutigt und bei fortgeschrittener Fibrose/Zirrhose strikt gemieden werden.
  • Ein HCC-Screening ist bei MASLD-Zirrhose indiziert, bei nicht-zirrhotischer MASLD (F0-F2) jedoch nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) ersetzt den bisherigen Begriff NAFLD. Sie ist definiert als das Vorliegen einer Steatosis hepatis in Verbindung mit mindestens einem kardiometabolischen Risikofaktor und dem Fehlen eines schädlichen Alkoholkonsums.

Die Nomenklatur der steatotischen Lebererkrankungen (SLD) wird wie folgt unterteilt:

EntitätDefinitionAlkoholkonsum
MASLDSteatose + ≥1 metabolischer RisikofaktorFrauen: ≤20 g/d, Männer: ≤30 g/d
MetALDMASLD mit moderatem AlkoholkonsumFrauen: 20-50 g/d, Männer: 30-60 g/d
ALDAlkoholbedingte LebererkrankungFrauen: >50 g/d, Männer: >60 g/d

Kardiometabolische Risikofaktoren

Für die Diagnose einer MASLD muss mindestens einer der folgenden Faktoren vorliegen:

RisikofaktorKriterien für Erwachsene
Übergewicht/AdipositasBMI ≥25 kg/m² (Asiaten ≥23) ODER Bauchumfang ≥94 cm (Männer) / ≥80 cm (Frauen)
Dysglykämie / Typ-2-DiabetesHbA1c ≥5,7 % ODER Nüchternblutzucker ≥100 mg/dl ODER medikamentöse Therapie
Blutdruck≥130/85 mmHg ODER antihypertensive Therapie
Triglyceride≥150 mg/dl ODER lipidsenkende Therapie
HDL-Cholesterin<40 mg/dl (Männer) / <50 mg/dl (Frauen) ODER lipidsenkende Therapie

Diagnostik und Case-Finding

Ein bevölkerungsweites Screening auf SLD wird nicht empfohlen (LoE 3, starke Empfehlung). Ein gezieltes Case-Finding auf MASLD mit Leberfibrose sollte jedoch bei folgenden Risikogruppen erfolgen:

  • Patienten mit Typ-2-Diabetes
  • Patienten mit abdomineller Adipositas und ≥1 weiteren metabolischen Risikofaktor
  • Patienten mit auffälligen Leberwerten (ALT >33 U/L bei Männern, >25 U/L bei Frauen)

Stufenschema der nicht-invasiven Diagnostik

Für die Detektion einer Fibrose wird ein mehrstufiger Ansatz empfohlen (LoE 2, starke Empfehlung):

StufeMaßnahmeInterpretation & Konsequenz
1FIB-4-Score<1,3: Niedriges Risiko → Re-Evaluation in 1-3 Jahren.<br>1,3 - 2,67: Intermediäres Risiko → Stufe 2 oder Lebensstilintervention.<br>>2,67: Hohes Risiko → Überweisung zur Hepatologie.
2Elastographie (z.B. VCTE)<8,0 kPa: Niedriges Risiko.<br>≥8,0 kPa: Hohes Risiko → Überweisung zur Hepatologie.

Hinweis: Bei Patienten >65 Jahre gilt ein angepasster unterer FIB-4 Cut-off von 2,0.

Eine Leberbiopsie ist für das klinische Management meist nicht erforderlich, bleibt aber der Goldstandard zur definitiven Diagnose einer Steatohepatitis (MASH) (LoE 1, starke Empfehlung).

Therapie und Management

  • Lebensstil: Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellung (z.B. mediterrane Diät), körperliche Aktivität und Vermeidung von zuckergesüßten Getränken werden zur Prävention und Therapie empfohlen.
  • Alkoholkonsum: Patienten mit SLD sollten vom Alkoholkonsum abgeraten werden. Bei fortgeschrittener Fibrose oder Zirrhose muss der Alkoholkonsum komplett und dauerhaft eingestellt werden (LoE 3, starke Empfehlung).
  • Komorbiditäten: Eine konsequente Mitbehandlung von Typ-2-Diabetes, Adipositas, arterieller Hypertonie und Dyslipidämie ist essenziell.

HCC-Surveillance (Leberzellkarzinom)

Das Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) steigt mit dem Fibrosestadium.

  • Ohne Zirrhose (F0-F2): Ein HCC-Screening wird nicht empfohlen (LoE 3, schwache Empfehlung).
  • Fortgeschrittene Fibrose (F3): Ein Screening kann basierend auf einer individuellen Risikobewertung erwogen werden (LoE 4, schwache Empfehlung).
  • MASLD-Zirrhose (F4): Ein strukturiertes HCC-Screening (Ultraschall, ggf. kombiniert mit Alpha-Fetoprotein [AFP]) ist indiziert (LoE 3, starke Empfehlung).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den FIB-4-Score als primäres Triage-Instrument in der Hausarztpraxis. Beachten Sie dabei zwingend das Alter: Bei Patienten über 65 Jahren verschiebt sich der Cut-off zum Ausschluss einer fortgeschrittenen Fibrose von 1,3 auf 2,0.

Häufig gestellte Fragen

MASLD (Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease) ersetzt den Begriff NAFLD. Die neue Definition erfordert neben der Fettleber zwingend den Nachweis mindestens eines kardiometabolischen Risikofaktors.
MetALD liegt vor, wenn neben den MASLD-Kriterien ein moderater Alkoholkonsum besteht: 20-50 g/Tag bei Frauen bzw. 30-60 g/Tag bei Männern.
Ein allgemeines Screening wird nicht empfohlen. Ein Case-Finding ist nur bei Risikopatienten indiziert: bei Typ-2-Diabetes, Adipositas mit weiteren Risikofaktoren oder bei erhöhten Leberwerten.
Ein regelmäßiges HCC-Screening wird bei Vorliegen einer MASLD-Zirrhose empfohlen. Bei Patienten ohne Zirrhose (Fibrosestadium 0-2) ist es nicht indiziert.

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