Körperhaltungen bei fetaler Fehleinstellung: Cochrane
Hintergrund
Von einer fetalen Fehleinstellung spricht man, wenn der Hinterkopf des Kindes in Richtung des mütterlichen Rückens (okzipito-posterior, OP) oder zur Seite (okzipito-transversal, OT) zeigt. Diese Positionen können zu einem verlängerten Geburtsverlauf und einer erhöhten Rate an operativen Entbindungen führen.
Zur Diagnostik einer Fehleinstellung unter der Geburt gilt die Ultraschalluntersuchung als zuverlässiger im Vergleich zur digitalen vaginalen Untersuchung. Eine genaue Diagnosestellung ist wichtig, um den Geburtsverlauf optimal begleiten zu können.
Der vorliegende Cochrane Review (2022) untersucht, ob bestimmte mütterliche Körperhaltungen dazu beitragen können, das Kind in eine günstigere Position zu drehen. Ziel ist es, mütterliche und kindliche Komplikationen zu reduzieren.
Empfehlungen
Die Übersichtsarbeit bewertet die Evidenz zu verschiedenen Geburtspositionen bei bestätigter fetaler Fehleinstellung. Die Ergebnisse basieren auf Studien mit niedriger bis sehr niedriger Evidenzqualität.
Vierfüßlerstand (Hände-Knie-Haltung)
Laut dem Review hat die Einnahme des Vierfüßlerstands möglicherweise wenig bis keinen Einfluss auf die klinischen Endpunkte. Es wird berichtet, dass folgende Parameter kaum beeinflusst werden:
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Rate an operativen Geburten und Kaiserschnitten
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Notwendigkeit einer Periduralanästhesie
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Auftreten schwerer Dammrisse
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Apgar-Werte unter sieben nach fünf Minuten
Seitenlage
Auch für die Seitenlage (auf der Seite des kindlichen Rückens oder gegenüberliegend) zeigt die Auswertung kaum signifikante Effekte. Der Review stellt fest, dass die Seitenlage wenig bis keinen Einfluss auf folgende Aspekte hat:
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Häufigkeit von instrumentellen vaginalen Geburten
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Mütterliche Zufriedenheit unter der Geburt
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Postpartale Hämorrhagien
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Aufnahmen auf die neonatologische Intensivstation
Klinische Einordnung und Vergleich
Trotz der fehlenden Nachweise für eine verbesserte Rotation oder reduzierte Komplikationsraten formuliert die Auswertung eine pragmatische Schlussfolgerung für die Praxis. Wenn eine Gebärende den Vierfüßlerstand oder die Seitenlage als angenehm empfindet, gibt es keinen Grund, ihr von diesen Positionen abzuraten.
| Intervention | Effekt auf operative Geburten | Effekt auf Kaiserschnittrate | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Vierfüßlerstand | Wahrscheinlich kein signifikanter Effekt | Wahrscheinlich kein signifikanter Effekt | Niedrig bis sehr niedrig |
| Seitenlage | Wahrscheinlich kein signifikanter Effekt | Wahrscheinlich kein signifikanter Effekt | Niedrig bis sehr niedrig |
💡Praxis-Tipp
Obwohl spezifische Körperhaltungen wie der Vierfüßlerstand laut Evidenz die Rate an operativen Entbindungen bei fetalen Fehleinstellungen nicht signifikant senken, wird betont, dass der mütterliche Komfort im Vordergrund stehen sollte. Es wird empfohlen, Frauen in der Wahl ihrer bevorzugten und als schmerzlindernd empfundenen Geburtsposition nicht einzuschränken, da keine negativen Effekte dieser Haltungen nachgewiesen wurden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Review ist die Ultraschalluntersuchung zur Bestimmung der fetalen Kopfposition zuverlässiger als die rein digitale vaginale Untersuchung. Sie ermöglicht eine präzisere Beurteilung der kindlichen Einstellung.
Die aktuelle Evidenz zeigt, dass der Vierfüßlerstand (Hände-Knie-Haltung) wahrscheinlich wenig bis keinen Einfluss auf die Drehung des Kindes oder die Senkung der Kaiserschnittrate hat. Die Datenlage hierzu ist jedoch von sehr niedriger Qualität.
Nein, der Review stellt klar, dass es keinen Grund gibt, von der Seitenlage abzuraten, wenn die Gebärende diese als angenehm empfindet. Es konnten keine negativen Auswirkungen auf Mutter oder Kind festgestellt werden.
Die untersuchten Studien zeigten keinen signifikanten Unterschied bezüglich schwerer Dammrisse zwischen den verschiedenen Körperhaltungen. Weder der Vierfüßlerstand noch die Seitenlage erhöhten das Risiko nachweislich.
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Quelle: Cochrane Review: Maternal postures for fetal malposition in labour for improving the health of mothers and their infants (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.