Stoßwellentherapie bei erektiler Dysfunktion: Cochrane
Hintergrund
Erektionsstörungen sind ein häufiges klinisches Problem, das durch vielfältige organische und psychogene Faktoren verursacht werden kann. Als neue nicht-invasive Behandlungsoption wird die niedrigintensive Stoßwellentherapie (LiSWT) eingesetzt.
Bei diesem Verfahren sollen Schallwellen die Durchblutung des Penisgewebes fördern und so die Erektionsfähigkeit verbessern. Im Gegensatz zur hochintensiven Stoßwellentherapie, die beispielsweise bei Nierensteinen genutzt wird, ist die LiSWT deutlich gewebeschonender.
Diese Zusammenfassung basiert auf einem aktuellen Cochrane Review aus dem Jahr 2025. Die Autoren untersuchten in einer Metaanalyse von 21 randomisierten kontrollierten Studien die Wirksamkeit und Sicherheit der LiSWT im Vergleich zu einer Scheinbehandlung.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert folgende Kernaussagen zur Wirksamkeit und Sicherheit der LiSWT:
Verwendete Scoring-Systeme
Zur Beurteilung der Wirksamkeit wurden in den Studien primär zwei Skalen herangezogen. Der Review definiert hierfür folgende Parameter:
| Score | Wertebereich | Bedeutung | Minimal klinisch relevante Differenz (MCID) |
|---|---|---|---|
| IIEF-EF (Erektionsfunktion) | 6 bis 30 Punkte | Höhere Punktzahl = bessere Funktion | 4 Punkte |
| EHS (Erektionshärteskala) | 1 bis 4 Punkte | Höhere Punktzahl = höhere Steifigkeit | 1 Punkt |
Erektionsfunktion
Laut Review zeigt die LiSWT kurzfristig (bis zu 3 Monate) möglicherweise eine geringe Verbesserung der Erektionsfunktion (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit). Dieser Effekt liegt mit durchschnittlich 3,89 Punkten unter der klinischen Relevanzschwelle.
Langfristig (über 3 Monate) wird eine mögliche Verbesserung der Erektionsfunktion um durchschnittlich 5,25 Punkte beschrieben. Die Autoren weisen jedoch auf die insgesamt niedrige Qualität der eingeschlossenen Studien hin.
Penissteifigkeit
Es wird berichtet, dass die Therapie kurzfristig zu einer Verbesserung der Penissteifigkeit führen kann. Der gemessene Effekt liegt mit 1,06 Punkten knapp über der klinischen Relevanzschwelle.
Langfristig zeigt sich laut Metaanalyse nur ein geringfügiger Effekt. Dieser ist mit 0,91 Punkten klinisch möglicherweise nicht spürbar.
Sicherheit und Verträglichkeit
Der Review stellt fest, dass die LiSWT ein günstiges Sicherheitsprofil aufweist:
-
Kurz- und langfristig gibt es kaum Unterschiede bei unerwünschten Ereignissen im Vergleich zur Scheinbehandlung.
-
Die Abbruchraten der Therapie unterscheiden sich kurzfristig nicht signifikant von der Kontrollgruppe.
-
Langzeitdaten zu Behandlungsabbrüchen fehlen, da die Studiendauer auf maximal drei Monate begrenzt war.
Evidenzqualität
Die Autoren betonen, dass die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für alle Endpunkte gering ist. Dies wird auf methodische Mängel, Ungenauigkeiten und Inkonsistenzen in den Primärstudien zurückgeführt.
Zudem wird darauf hingewiesen, dass fast die Hälfte der eingeschlossenen Studien von Geräteherstellern finanziert wurde. Zu Endpunkten wie der Zufriedenheit der Partner liegt laut Review keine Evidenz vor.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Hinweis aus dem Review ist die Diskrepanz zwischen statistischer und klinischer Signifikanz. Obwohl die LiSWT kurzfristig zu messbaren Verbesserungen bei Scores zur Erektionsfunktion führen kann, wird betont, dass diese Effekte für den betroffenen Mann im Alltag oft nicht spürbar sind. Zudem wird empfohlen, die niedrige Evidenzqualität bei der Patientenaufklärung zu berücksichtigen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review zeigt die Therapie kurzfristig nur geringe Effekte, die klinisch oft nicht relevant sind. Langfristig wird eine mögliche Verbesserung der Erektionsfunktion beschrieben, jedoch bei insgesamt niedriger Evidenzqualität.
Der Review stellt fest, dass die Behandlung sehr sicher ist. Es zeigen sich im Vergleich zu einer Scheinbehandlung kaum oder gar keine Unterschiede bezüglich behandlungsbedingter unerwünschter Ereignisse.
Die eingeschlossenen Studien untersuchten Behandlungszeiträume von maximal drei Monaten. Eine einzelne Sitzung dauert laut Hintergrundinformationen des Reviews etwa 15 bis 20 Minuten und wird mehrfach wiederholt.
Zu diesem Endpunkt sowie zur Zufriedenheit der Patienten und ihrer Partner liegen laut Metaanalyse derzeit keine ausreichenden Daten vor. Der Review fand hierzu keine Evidenz.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Low-intensity shockwave therapy for erectile dysfunction (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.