CochraneIa2021

Lacosamid bei fokaler Epilepsie: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der Cochrane Review (2021) untersucht die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Lacosamid als Zusatztherapie bei medikamentenresistenter fokaler Epilepsie. Etwa ein Drittel der Menschen mit Epilepsie erreicht trotz der Einnahme mehrerer Antiepileptika keine vollständige Anfallsfreiheit.

Lacosamid ist eine funktionalisierte Aminosäure, die durch die Verstärkung der Inaktivierung langsamer Natriumkanäle wirkt. Dieser neuartige Wirkmechanismus stabilisiert das neuronale Netzwerk, ohne die normalen schnellen Natriumkanäle zu blockieren, was die Ausbreitung pathologischer Ströme verhindert.

Die Meta-Analyse schließt fünf randomisierte, placebokontrollierte Studien mit insgesamt 2199 Teilnehmenden ein. Dabei wurden sowohl Erwachsene als auch Kinder untersucht, die Lacosamid in Dosen von 200 mg bis 600 mg pro Tag zusätzlich zu ihrer bestehenden Medikation erhielten.

Empfehlungen

Die Meta-Analyse formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Wirksamkeit und Anwendung:

Wirksamkeit auf die Anfallsfrequenz

Die Auswertung zeigt, dass Lacosamid die Anfallsfrequenz im Vergleich zu Placebo signifikant senkt. Folgende klinische Endpunkte wurden für die Zusatztherapie ermittelt:

  • Reduktion der Anfallsfrequenz um mindestens 50 %: RR 1.79 (hohe Vertrauenswürdigkeit)

  • Vollständige Anfallsfreiheit: RR 2.27 (geringe Vertrauenswürdigkeit)

  • Bei alleinigem Einschluss von Erwachsenen (Ausschluss der Kinder-Daten) stieg die Wahrscheinlichkeit für Anfallsfreiheit deutlich an (RR 4.04)

Therapieabbruch und Dosisabhängigkeit

Laut Review ist die Wirksamkeit gegen Anfälle bereits ab einer Dosis von 200 mg pro Tag belegt. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass höhere Dosen mit einer Zunahme von Nebenwirkungen einhergehen.

Dies führt zu einer höheren Rate an Therapieabbrüchen in der Lacosamid-Gruppe im Vergleich zu Placebo (RR 1.57, moderate Vertrauenswürdigkeit).

Anwendung bei Kindern

Die Autoren betonen, dass Lacosamid auch bei Kindern positive Ergebnisse zur Anfallsreduktion zeigt, wenn die Dosis nach Körpergewicht berechnet wird. Es wird jedoch weiterer Forschungsbedarf für diese Altersgruppe sowie für die Beurteilung von Langzeiteffekten formuliert.

Dosierung

Der Review beschreibt folgende Dosierungsschemata für Lacosamid als Zusatztherapie in der klinischen Praxis:

TherapiephaseDosierungBemerkung
Startdosis100 mg / TagAufgeteilt in zwei Einzeldosen
Erhaltungsdosisab 200 mg / TagWirksamkeit in Studien belegt
Maximaldosis400 mg / TagAktuell zugelassene Höchstdosis

Kontraindikationen

Die Meta-Analyse identifiziert mehrere Nebenwirkungen, die unter Lacosamid signifikant häufiger auftreten als unter Placebo. Zu den nicht signifikant erhöhten Ereignissen zählen unter anderem Hautausschlag, Kopfschmerzen und Müdigkeit.

NebenwirkungRelatives Risiko (RR)Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
Koordinationsstörungen6.12Nicht explizit bewertet
Doppelbilder (Diplopie)5.59Nicht explizit bewertet
Verschwommenes Sehen4.65Nicht explizit bewertet
Schwindel2.96Hoch
Erbrechen2.94Moderat
Übelkeit2.35Nicht explizit bewertet
Schläfrigkeit2.04Nicht explizit bewertet
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Der Review hebt hervor, dass Lacosamid bereits in einer niedrigen Dosierung von 200 mg pro Tag eine signifikante Wirksamkeit gegen Anfälle zeigt. Da höhere Dosen stark mit vermehrten Nebenwirkungen und Therapieabbrüchen assoziiert sind, wird eine sorgfältige individuelle Dosistitration empfohlen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Anfallsfreiheit bei Erwachsenen deutlich wahrscheinlicher erreicht wird als in gemischten Kohorten mit Kindern.

Häufig gestellte Fragen

Lacosamid verstärkt die Inaktivierung langsamer Natriumkanäle im Gehirn. Laut Cochrane Review stabilisiert dieser Mechanismus das neuronale Netzwerk und verhindert die Ausbreitung pathologischer Ströme.

In der klinischen Praxis wird Lacosamid mit 100 mg pro Tag begonnen. Diese Dosis wird auf zwei Gaben aufgeteilt und kann schrittweise gesteigert werden.

Der Review nennt Schwindel, Koordinationsstörungen, Doppelbilder und Erbrechen als signifikant erhöhte Nebenwirkungen. Das Risiko für diese unerwünschten Ereignisse steigt mit höheren Dosierungen.

Die Meta-Analyse schließt Daten zur Anwendung bei Kindern ein und zeigt eine positive Wirkung auf die Anfallsreduktion. Es wird jedoch betont, dass die Evidenzlage für Kinder noch begrenzt ist und weitere Studien benötigt werden.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: Cochrane Review: Lacosamide add-on therapy for focal epilepsy (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien